Filmkritik: Warcraft – The Beginning

Warcraft: The Beginning (Warcraft, USA 2016)
Regie: Duncan Jones
Darsteller: Travis Fimmel, Paula Patton, Ben Foster, Toby Kebbell

 

Als der Ork-Hexenmeister Gul’dan (Daniel Wu) ein Portal von Draenor nach Azeroth öffnet, entbrennt ein Krieg zwischen den Orks und den Menschen. Doch während die Menschen – angeführt von Anduin Lothar (TravisFimmel) – ihre Welt verteidigen, fängt Durotan (Toby Kebbell), der Häuptling des Frostwolf-Clans an, die Taten Gul’dans zu hinterfragen.

 

Als Blizzard in den 90ern mit ihrem Titel Warcraft den Grundstein für eine der erfolgreichsten Videospielreihen überhaupt gelegt haben, hätte wohl niemand gedacht, dass man den ewigen Konflikt zwischen Horde und Allianz irgendwann auch auf der großen Leinwand erleben würde. Mit den technischen Möglichkeiten und dem Anspruch von Blizzard entwickelten sich neben den Spielen selbst auch stets die animierten Intros und Zwischensequenzen weiter. Dadurch wurden auch die Rufe nach einer Verfilmung der epischen Geschichte immer lauter. Durch den finanziellen Erfolg des Online-Spiels World of Warcraft beschwingt, wurden erste Planungen bei Legendary Pictures angestrebt, welche sich die Filmrechte sicherten. Dennoch dauerte es noch viele Jahre, bis das Projekt erste Formen annahm und man mit Duncan Jones, welcher zuvor Moon inszenierte, einen geeigneten Regisseur fand. Zudem wurden auch viele kreative Köpfe von Blizzard Entertainment involviert, um sicher zu gehen, dass der Film der Vorlage treu bleibt und auch alteingesessene Fans ein zufriedenstellendes Ergebnis bekommen.
Doch die Treue zur Vorlage könnte auch ein Stolperstein für Zuschauer sein, die bisher keinen Kontakt zu den Spielen hatten, denn man macht kein Geheimnis daraus, dass das Warcraft-Universum voller fantasievollen Orten und Kreaturen ist und es viel Geduld braucht, um sich in dieser Welt einzufinden. >

Eine große Stärke des Films sind die unterschiedlichen Perspektiven der beiden bekriegenden Parteien. Die Orks müssen ihre der Zerstörung nahen Heimatwelt verlassen, um zu überleben, während die Menschen sich gegen die Bedrohung durch die Orks verteidigen müssen. Dieses Spiel mit den Perspektiven bietet eine interessante Möglichkeit, welche im Verlaufe des Films in einer großartig inszenierten Einstellung mündet, in der die Blickwinkel fließend ineinander übergehen.

Der Film zeigt auch viel Herz, was vor allem bei brutalen und kämpferischen Orks sehr dabei hilft, eine gewisse Sympathie aufzubauen. Jedoch kränkelt Warcraft oft an den teils substanzlosen Dialogzeilen, die die ansonsten motivierten und durchaus gut besetzten Schauspieler vortragen. Ben Schnetzers Khadgar, ein junger Magier, sorgt mit seiner unbeholfenen Art für den nötigen lockeren Unterton, bekommt aber auch viele Szenen, in denen er mehr als nur Comic Relief sein darf.

Durch aufwändiges Motion Capture-Verfahren ist es den Effektspezialisten von ILM gelungen die Orks stets authentisch darzustellen und auch die Ortschaften die die Protagonisten bereisen, sehen zu jeder Zeit glaubwürdig, aber dennoch fantastisch aus. Auch bei der Ausstattung wurde nicht gegeizt. So gibt es zig Details in denen man sich verlieren kann und auch Fans der Spiele werden sich sofort heimisch in dieser lebendigen Welt fühlen.

Wer sich mit der Geschichte von Warcraft auskennt, darf leider keine großen Überraschungen in der Handlung erwarten, denn diese ist bis auf ein paar Zeitabläufe und Handlungsorte sehr nah an der Vorlage und wurde für das Massenpublikum vereinfacht, ohne jedoch die Essenz zu verlieren.
Allerdings fehlt es an großen epischen Schlachten, die den Zuschauer auch nach dem Kinobesuch weiterhin im Gedächtnis verweilen werden.

Duncan Jones, selbst großer Liebhaber der Spiele, liefert eine sehr gute Regiearbeit ab, fängt auch hektische Kämpfe gut ein und sorgt für eine ansehnliche Bildsprache, die durch den geschickt eingesetzten 3D-Effekt zusätzlich an räumlicher Tiefe gewinnt.
Ramin Djawadi zeichnet sich für die musikalische Untermalung aus und bedient sich an Themen aus der Spielereihe, verwob diese aber mit seiner eigenen Note zu einem Geflecht, welches die Szenen gekonnt mit der passenden Stimmung unterlegt.

Dies alles ergibt einen guten Film, der am unbefangenen Kinogänger leider kaum Spuren hinterlassen wird und sich zu sehr auf die zahlreichen Verehrer der Videospielreihe konzentriert. Es gibt viel Potenzial und auch die Welt wird ausreichend aufgebaut, um dieses in weiteren Filmen auszunutzen, jedoch hinterlässt der Erstling Hunger auf mehr, und so mancher Zuschauer wird dabei neidvollen Blickes zu anderen Genrevertretern schielen.

Fazit:

Warcraft ist ein Film von Fans für Fans, leidet jedoch an teils platten Dialogen und kratzt nur am möglichen Potenzial, bietet dafür aber eine großartige Optik mit faszinierenden Schauplätzen und könnte nach Avatar die nächste Evolutionsstufe der Computereffekte darstellen.

Wertung:
7/10

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