Filmkritik: Doctor Strange

Doctor Strange (2016)

Regie: Scott Derrickson
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Mads Mikkelsen

 

Mit Doctor Strange erwartet uns bereits das 13. Kino Abenteuer der Marvel Studios. Mit starken Namen in der Besetzungsliste bringt der „Sorcerer Supreme“ die Magie ins Marvel Filmuniversum. Ob der Trip in Paralleldimensionen begeistern kann, erfahrt ihr natürlich in unserer Filmkritik 😉


Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist anerkannter Hirnchirurg und bei seinen Kollegen trotz seiner arroganten Art sehr geschätzt. Als jedoch bei einem Autounfall seine Hände schwer verletzt werden sieht er seine Zukunft in Trümmern, denn ohne seine Fingerfertigkeit kann er seine Berufung als Arzt nicht mehr nachkommen. Als ihm keine Operation mehr helfen kann, sucht er im fernen Nepal nach einer Heilungsmöglichkeit, jenseits der Schulmedizin.
An dem mystischen Ort Kamar-Taj ersucht er die Hilfe der geheimnisvollen „Ancient One“ (Tilda Swinton), welche über Fähigkeiten verfügt, die sich Strange nie hätte erträumen lassen. Sie lehnt es jedoch ab, ihn als ihren Schüler aufzunehmen, da er zu überheblich ist. Erst als er seine Willensstärke beweist, ist sie bereit ihn im Umgang mit der Magie zu unterrichten. Seine neu erworbenen Fähigkeiten muss er auch schon alsbald nutzen um einem abtrünnigen Schüler der „Ancient One“ entgegenzutreten.

Die Rolle des Doctor Stephen Strange wird von niemand geringerem als Benedict Cumberbatch verkörpert, der nicht zuletzt durch seine Darstellung des Sherlock Holmes von sich reden machte. Dort stellt er den intelligenten, aber arroganten berühmten Detektiv dar und schien für die Rolle des Marvel Helden prädestiniert. Er hat sichtlich Spaß an seiner Rolle und spielt sich innerhalb weniger Momente in die Herzen der Zuschauer. Die Entwicklung vom selbstgefälligen Chirurg zum angehenden Meistermagier ist nachvollziehbar und in Zweikämpfen merkt man durchaus, dass Strange körperlich unterlegen ist, dies aber durch seinen Blick für´s Detail und seinen Scharfsinn ausgleichen kann. Zudem funktioniert seine Chemie mit den anderen Darstellern in jeder Szene und gerade die Interaktionen mit dem Bibliothekar Wong führt zu vielen perfekt gesetzten humorvollen Momenten. Auch Tilda Swinton als guruesque Magierin ist eine klare Stärke des Films. Die Oscar Preisträgerin verkörpert diese unergründliche Person mit einer bemerkenswerten Bravour, dass die meisten Nebencharaktere leider sehr blass wirken. Vor allem der von Mads Mikkelsen (Hannibal) verkörperte Antagonist Kaecilius leidet unter dem typischen Marvel-Bösewicht Problemder Austauschbarkeit, was aufgrund des Talents des Darstellers eine bittere Enttäuschung ist. Potenzial hat auch Chiwetel Ejiofors Charakter Mordo, welches allerdings nur angedeutet und für einen späteren Film durchaus relevant sein könnte.

Das neueste Filmwerk aus dem Hause Marvel führt den Zuschauer nach künstlichen Intelligenzen, dem Mikrokosmos und außerirdischen Welten nun in die Welt der Magie ein. Dies ist überaus ansprechend gestaltet, erinnert aber auch teilweise sehr an Christopher Nolans Inception. In Nolans Werk war dies aber fast reiner Augenschmaus, während es in Doctor Strange als Kulisse zur Interaktion der Darsteller einlädt und diese Actionszenen schon die Eintrittskarte rechtfertigen.  Der leicht psychedelische Soundtrack des Komponisten Michael Giacchino unterlegt die Ausflüge in die verschiedenen Dimensionen stets passend und hilft dabei diese auf eine audiovisuelle Ebene zu heben, die man so selten erlebt. Umso bitterer ist dann, dass sich Doctor Strange darüber hinaus als gewohnte Durchschnittskost entpuppt. Wer sich von Marvels bewährtem Weg übersättigt fühlt, wird bei diesem Film leider kaum neues entdecken. Zu schlicht ist die Geschichte, welche fast an Iron Mans ersten Soloflug erinnert, gestrickt und lässt kaum Raum für Experimente. Etwas überraschend ist hingegen das Finale, welches sich nicht mit austauschbarer CGI Action aufhält, sondern stattdessen das nutzt, was Doctor Strange ausmacht, seine Willenskraft und seine Intelligenz. Das ist erfrischend, jedoch im Gesamtbild nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Hier muss Marvel einfach mutiger werden und zu dem auch interessantere Bösewichte etablieren, die mehr sind als nur Beiwerk.

Dennoch ist Doctor Strange ein sehr unterhaltsamer Film, der seine Schwächen mit Charme, einer gut gewürzten Portion Humor und fantastischen Welten kaschiert, dabei aber leider nicht sein volles Potenzial entfalten kann und für Marvel Verhältnisse durchschnittliche Kost liefert.

Fazit:
7,5 / 10

Fun Fact: Bereits in Captain America: The Winter Soldier wurde Doctor Strange namentlich erwähnt

Diskutiert mit uns im Forum über Doctor Strange

Kinostart ist der 27. Oktober 2016

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