Doctor Who: Ein Review – Teil 8: Paul McGann by Clive77

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Der achte Teil des Doctor Who Marathons behandelt den TV
Film von 1996 (einfallsreicher Titel: „Doctor Who“), in dem Paul McGann als
achter Doctor erstmals auftritt. Wer sich vor Spoilern schützen möchte, sollte
sich den Film vor dem Lesen des Textes einmal ansehen. Es werden auch
Vergleiche zur alten Serie hergestellt, um deutlich zu machen, welche
Unterschiede im Film dafür sorgten, dass viele Fans unglücklich mit der
erzählten Geschichte waren.

Der Film war zur Wiederbelebung der sehr erfolgreichen BBC-Serie
(26 Staffeln von 1963 bis 1989) gedacht und eine Koproduktion verschiedener
Studios, unter anderem auch vom amerikanischen FOX Network, das „Doctor Who“
damit über den großen Teich brachte. Die BBC hatte dabei die große Hoffnung,
mit dem Film an alte Erfolge der Serie anzuschließen. Es kam aber nie zur
Fortsetzung der Serie, obwohl Paul McGann im Falle des Erfolgs den Doctor
weiter gespielt hätte. Erst 2005 – fast zehn Jahre später – ging die Serie wieder
auf Sendung – mit neuem Darsteller und dem neunten Doctor. Aber das ist eine
andere Geschichte.

Der Film fängt damit an, dass der Master (Gordon Tipple) auf
Skaro vor Gericht gestellt und hingerichtet wird. Der Doctor (Sylvester McCoy) soll
die Überreste anschließend (das war der letzte Wunsch des Masters) zu seinem
Heimatplaneten Gallifrey überführen, aber dabei geht einiges schief und eine
geleeartige Substanz entflieht der Urne und gelangt in die TARDIS-Kontrolle,
worauf die TARDIS im Jahr 1999 in San Francisco auf der Erde notlandet. Der
Doctor wird beim Verlassen der TARDIS von einer asiatischen Gang (er ist in
Chinatown gelandet) angeschossen und die Geleemasse kann entkommen. Chang Lee
(Yee Jee Tso), auf den die Gang es eigentlich abgesehen hatte, bringt den
Doctor mittels angeforderter Ambulanz ins Krankenhaus, wo prompt die Kugeln
entfernt werden. Die Ärztin Grace Holloway (Daphne Ashbrook) operiert aber
weiter, um einer Herzanomalie Abhilfe zu verschaffen (die natürlich keine ist,
sondern von der Tatsache, dass der außerirdische Doctor zwei Herzen hat,
herrührt). Der Doctor, der mit Anästhetika vollgepumpt wird, weil er während
der OP immer wieder aufwacht und für die Anwesenden wirres Zeug spricht,
verstirbt dabei und landet in der Leichenhalle. Der Master findet derweil einen
neuen Körper im Krankenpfleger Bruce (Eric Roberts), der den Doctor im
Krankenwagen zum Hospital gefahren hat.

Mitten in der Nacht regeneriert der Doctor zu seiner achten
Inkarnation (Paul McGann) und kann sich zunächst an nichts erinnern, bis er
schließlich auf Grace trifft und die Erinnerungen langsam wiederkehren. Er
benötigt eine Atomuhr mit Beryllium-Kern, um die TARDIS zu reparieren und muss
gleichzeitig den Plan des Masters vereiteln, der den TARDIS-Kern (hier als „Eye
of Harmony“ bezeichnet, das laut Serie eigentlich auf Gallifrey zu finden ist)
öffnet und damit die verbleibenden Regenerationen des Doctors stehlen will. Eine
Nebenwirkung dieser gefährlichen Öffnung beschwört das Ende der Welt zur
Sylvesternacht herauf. Für diesen Anlass setzt sich der Master auch in Szene
(hier mit Chang Lee im Bild):

Während viele Fans der alten Serie nach diesem Film auf die
Barrikaden gingen, weil mit vielen etablierten Traditionen gebrochen wurde,
hätte es genauso gut ein voller Erfolg werden können, denn es ist kein
schlechter Film und keinesfalls die schlechteste Geschichte um den bekannten
Doctor.

Als Kenner der Serie fragt man sich gleich zu Anfang,
weshalb der Master auf Skaro vor Gericht gestellt wurde und nicht auf Gallifrey.
Auch, dass die Daleks – deren Heimatplanet Skaro nun einmal ist – hier
scheinbar auf Seiten der Timelords stehen, ist neu und verwirrend: Die Daleks
erlauben dem Doctor, die Überreste des Masters nach Gallifrey zu überführen?
Und abgesehen davon, beim letzten Auftritt der Daleks in „Remembrance of the
Daleks“ wurde Skaro zerstört.

Auch der Tod des siebten Doctors wirft einige Rätsel auf:
Hätte er ohne die Herz-OP überlebt? Oder war es so oder so bereits zu spät?
Warum dauert es so lange, bis er regeneriert?
Die letzte Frage kann man auf die Anästhetika zurückführen, die den
Prozess verlangsamt haben könnten.

Der Master an sich schleppt auch einige unbeantwortete
Fragen mit sich herum: Wie ist er dem letzten Abenteuer in „Survival“
entkommen? Warum kann er nach seiner Hinrichtung die Form einer geleeartigen
Masse und später einer Schlange annehmen? Weshalb hat er plötzlich
Schlangenaugen? Was hat es mit dem Schleim auf sich, den er als Waffe einsetzt?
Er hätte doch seine bekannten hypnotischen Fähigkeiten einsetzen können, um
Menschen zu beeinflussen. Beeindruckend war es allerdings zu sehen, wie er Lee
davon überzeugt, dass der Doctor der Böse und er der Gute in dieser Geschichte
ist. Das war etwas, was wirklich als typisch Master bewertet werden kann.
Ebenso die Rücksichtslosigkeit und Egoistik wurden gut getroffen.

Einer der größten Fehler ist es wohl gewesen, den Doctor als
halbmenschlich zu bezeichnen. Zugegeben, in den ersten Abenteuern mit dem
ersten Doctor (William Hartnell) hat man eher den Eindruck, es handelt sich bei
ihm um einen Menschen. Aber spätestens beim zweiten Doctor (Patrick Troughton)
ist klar, dass er ein Außerirdischer ist, der lediglich eine Faszination für
die Menschen hat. In diesem Film wird er nun als halbmenschlich klassifiziert
und darf als erster Doctor romantische Gefühle mit einer Frau austauschen, was
nun wirklich nicht zur bisherigen Serie passt. Aber ohne eine Romanze wollte
man wohl keinen Film.

Einige andere Änderungen zur Serie wirken dagegen eher
unbedeutend, so wurde z.B. das Innenleben der TARDIS grundlegend verändert oder
das Kostüm des siebten Doctors getauscht (der Pulli mit den Fragezeichen und
der Schirm sind weg).

Es gibt aber auch viele kleine Verneigungen in Richtung
Serie. So liegt gleich zu Anfang das „900 Year Diary“ auf dem Tisch (der siebte
Doctor hat in der Serie mehrmals erwähnt, dass er 900 Jahre alt ist), der
Doctor liest „The Time Machine“ von H.G. Wells (den er einst auf ein Abenteuer
mitnahm), Chang Lee trägt als Namen des Doctors im Krankenhaus „John Smith“ ins
Formular ein (so wurde auch schon einmal der zweite Doctor bezeichnet) oder er
sucht nach Kleidung und findet im Spint des Personals einen Schal, der stark
nach dem des vierten Doctors (Tom Baker) aussieht. Da gab es zig Anspielungen
auf die Serie, die ständige Präsenz der „Jelly-Babies“ sei da als deutlichste
genannt.

Aber genug vom Vergleich. Das Abenteuer ist vielleicht etwas
zu gradlinig gewählt, funktioniert aber durchaus. Es wurde auch bewusst die
Fortsetzung der Serie gewählt (wenn auch etwas verzerrt, siehe oben) und kein richtiger
Neustart gemacht, was ebenfalls gefällt. Ferner gibt Paul McGann einen guten
Doctor ab, der wie viele Doctoren vor ihm, in anderen Medien weitere Abenteuer
erlebt. Hier seien beispielhaft die Big Finish Productions (http://bigfinish.com/hubs/v/doctor-who )
erwähnt, die regelmäßig Hörspiele um den Doctor rausbringen.

Warum gab es denn nun keine Serie?

Das Budget für den Film Betrug gute fünf Millionen
US-Dollar, wobei ziemlich genau die Hälfte davon von FOX beigesteuert wurde und
FOX war zunächst nur an einem Film interessiert. Von britischer Seite hoffte
man, dass die Quoten groß genug wären, um mit einer Serie weiter zu machen (in
Koproduktion). Im United Kingdom waren die Quoten auch rekordverdächtig und
stellten mit neun Millionen Zuschauern den größten Wert im Bereich Drama dar,
den Britannien in der Woche verzeichnen konnte. Allerdings lagen die Quoten in
den Staaten mit 5,6 Millionen Zuschauern (und 9% Share) deutlich unter den
Erwartungen von FOX. Man kann zwar bemängeln, dass der Film sich gegen
etablierte Konkurrenz durchsetzen musste und zu wenig Werbung vom Network
gemacht wurde, aber der Bekanntheitsgrad von Doctor Who als Serie liegt im United
Kingdom nun einmal weit über dem der Staaten, was einen Erfolg in den USA
automatisch um einiges schwieriger machte. Somit ist es verständlich, dass FOX
kein weiteres Interesse hatte (auch wenn sie sich heute sicher in den Arsch
beißen werden, wenn man mal auf die neue Serie schaut, die seit 2005 erfolgreich
läuft).

Das war es dann erst einmal von meiner Seite. Damit sind die
Geschichten der alten Doctoren erzählt. Weiter geht es schon bald mit einem
Review zum neunten Doctor, Christopher Eccleston und anschließend stehen noch
zwei weitere Kandidaten auf der Liste.

Danke an Clive77 für die Erlaubnis der Veröffentlichung. Originalpost bei Bereitsgesehen.de

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