Doctor Who: Ein Review – Teil 11: Matt Smith by Clive77

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Der Dr. Who Marathon geht weiter. In diesem Artikel geht es um die 31. beziehungsweise fünfte Staffel der Serie und Matt Smith sitzt nun als elfter Doctor am Steuer der TARDIS. Wie vorher schon üblich startete die Staffel im April und besteht aus 13 Folgen und einem Weihnachtsspecial, welches am 25.12.2010 ausgestrahlt wurde. Steven Moffat löste mit dieser Staffel Russell T. Davies als Showrunner ab. Letzterer war seit dem Neustart in 2005 für die Serie verantwortlich gewesen.

Neues Team

Die erste Folge mit dem Titel „The Eleventh Hour“ (von Steven Moffat) ist mit 65 Minuten Lauflänge bereits eine Besonderheit. Der frisch regenerierte Doctor legt – nach den Ereignissen des letzten Specials – mit der TARDIS eine Bruchlandung in Leadworth in 1996 hin, wo er auf die kleine Amelia Pond (Caitlin Blackwood) trifft, die sich Sorgen um einen Riss in ihrer Wand macht. Nachdem der Doctor seinen Heißhunger gestillt hat – Fischstäbchen und „Custard“ (im Deutschen als „Englische Creme“ bekannt, die aus Eigelb, Zucker und Milch hergestellt wird) – wirft er einen Blick auf den Riss in Amelias Zimmerwand. Hinter dem Riss scheint sich ein Gefängnis zu befinden und „Prisoner Zero has escaped.“ Der Doctor meint, dass der Gefangene vermutlich durch den Riss entkommen ist als plötzlich die TARDIS Probleme macht. Er verspricht Amelia, in fünf Minuten zurück zu sein. Stattdessen vergehen 12 Jahre bis der Doctor wieder auftaucht und der herangewachsenen Amy (Karen Gillan) und ihrem Freund Rory (Arthur Darvill) begegnet. Die Atraxi – Wächter des Gefängnisses, aus dem „Prisoner Zero“ entkam – wissen, dass sich ihr entflohener Häftling auf der Erde befindet und stellen der gesamten Bevölkerung ein Ultimatum: Entweder der Flüchtige wird ausgeliefert oder die Erde wird verbrannt. Dem Doctor bleiben nur 20 Minuten Zeit.

Steven Moffats Debüt als Showrunner überzeugt vor allem in der Einführung der neuen Begleiterin des Doctors. Ungleich ihrer Vorgängerinnen stolpert Amy nicht zufällig in ein Abenteuer des Doctors herein, sondern ist einer der Dreh- und Angelpunkte der Geschichte. Karen Gillan ist dabei übrigens keine Unbekannte für die Serie. Sie hatte bereits in „The Fires of Pompeii“ eine Nebenrolle inne. Die Einführung des elften Doctors setzt sich ebenfalls deutlich von dem ab, was man (in der Neuauflage) zunächst erwartet hätte: Ihm bleibt keine Zeit, sich von der Regeneration zu erholen und das Skript gibt Smith die Möglichkeit, sowohl einiges an kindlichem Verhalten (siehe die Heißhunger-Szenen) an den Tag zu legen, als auch zu zeigen, dass er durchaus ein jahrhundertealter Timelord ist, der die Atraxi alleine durch ein kleines Frage-Antwort-Spielchen für immer von der Erde verbannt.
Der Auftakt wirkt dabei frisch und neu, auch wenn die eigentliche Story um Prisoner Zero und die Atraxi etwas nach 08/15 riecht (abgesehen natürlich von Amys Verwicklung darin) und die Güte der CGI-Effekte wohl eher im „Auge“ des Betrachters liegt. Kleinere logische Schwächen gibt es auch zu verbuchen: Wenn der Doctor sich z.B. den verzierten Apfel in die Tasche steckt, obwohl er kurz vorher noch bei einer Apfelverkostung am Spucken war oder dass Amy überhaupt die TARDIS betritt, obwohl sie gleich zweimal erfahren musste, dass Zeitsprünge damit nicht unbedingt wie geplant verlaufen. Dafür gibt es aber viele kleine Anekdoten, die dem Whovian Freude bereiten. So wird z.B. der Swimmingpool der TARDIS erstmals in der neuen Serie erwähnt (in „The Invasion of Time“ von 1978 gab es ihn erstmals zu sehen) und damit die wirkliche Größe der TARDIS betont – die ihre Räumlichkeiten übrigens nach dem Absturz erneuert. Es gibt auch einen neuen Sonic Screwdriver für den Doctor, der nun bei Benutzung in grün statt in blau leuchtet. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch diese Szene, die einige Aufnahmen der alten Doctoren und der Feinde des Doctors bietet und dem Zuschauer einen schönen „Yes!“-Moment beschert.
Amys Verlobter Rory bekommt ebenfalls eine bedeutende Rolle im Abenteuer, auch wenn Arthur Darvill zunächst nur als Gastdarsteller dabei ist. Bei Rory fallen einem gleich Worte wie treudoof und unsicher ein, was die Figur aber gleichzeitig liebenswert gestaltet.
Ferner wird für einen staffelübergreifenden Bogen gesorgt und zwar etwas offensichtlicher als in den Staffeln davor. Wenn Prisoner Zero verkündet „Silence Doctor, …silence will fall.“ und auch die „Pandora“/„Pandorica“ erwähnt, dürfte jedenfalls klar sein, dass da noch mehr kommen dürfte. Außerdem gibt es am Ende auf einem der TARDIS-Monitore eine Anzeige, die dem Riss in Amys Zimmer sehr ähnlich sieht.

In „The Beast Below“ (geschrieben von Steven Moffat) landen der Doctor und Amy auf dem „Starship UK“, gut 1300 Jahre in der Zukunft. Die Erde wurde durch Sonneneruptionen unbewohnbar und Englands Einwohner fliegen nun auf einem riesigen Raumschiff durchs Weltall. Aber etwas stimmt nicht, wie bereits die Anfangssequenz deutlich macht. Der Doctor und Amy treffen bei ihren Nachforschungen auf Liz 10 (Sophie Okonedo), die sich als amtierende britische Königin entpuppt und selbst dem Geheimnis um den vibrationsfreien Antrieb des Schiffes und den merkwürdigen Wahlkabinen auf der Spur ist. Was die drei mit Hilfe von Mandy (Hannah Sharp) heraus finden, lässt den Doctor seine Einstellung zu Menschen und auch Amy überdenken.

Eine gute Folge mit einer interessanten Thematik, die eine gehörige Portion Gesellschaftskritik in sich birgt. Man kann sicher lange darüber debattieren, welcher der beiden Knöpfe stets von der Bevölkerung gedrückt werden sollte. Wenn es die Möglichkeit gibt, das Gesehene schnell wieder zu vergessen und damit unbeschwert weiter zu leben, ist gut vorstellbar, dass viel öfter der „Vergessen“-Knopf betätigt wird. Es deutet sich bis zum Ende schließlich an, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Entweder den Sternwal freilassen und damit den Tod einer ganzen Nation riskieren oder weitermachen wie bisher. Kein Wunder, dass der Doctor da am Ende von seinen Schützlingen (und auch von Amy) angewidert ist. Aber Amy ist es schließlich zu verdanken, dass sowohl das Tier als auch die Bevölkerung des gigantischen (antrieblosen) Raumschiffs überlebt und fortan in Symbiose handelt. Womit einmal mehr betont wird, wie wichtig die Begleiter des Doctors sind. Ohne Amy hätte er dem Leiden des Sternwals ein Ende bereitet und das Tier getötet (interssanterweise erwähnt er dabei, dass er sich anschließend einen neuen Namen suchen müsste, weil „Doctor“ dann nicht mehr passen würde). Somit gibt es eine erste Krise zwischen dem Doctor und Amy, die von letzterer bravourös gemeistert wird – gleichzeitig können Smith und Gillan darstellerisch überzeugen.
Dass die Menschheit in der Zukunft gezwungen ist, die Erde zu verlassen, wurde bereits in „The Ark in Space“ (1975) thematisiert (sofern das Gedächtnis nicht täuscht, wurden dort auch Sonneneruptionen als Ursache genannt). Außerdem darf Liz 10 ihre Vorgängerinnen aufzählen und damit an Folgen wie „Tooth and Claw“ (Queen Victoria), „The Shakespeare Code“ (Queen Elizabeth I.) oder „Silver Nemesis“ (1988, Queen Elizabeth II.) erinnern. Der Laden „Magpie Electricals“ (bekannt aus „The Idiot’s Lantern“) dürfte wohl auch den meisten bekannt vorgekommen sein. Nicht zuletzt wird auch der Staffelbogen kurz aufgezeigt als der aus der ersten Folge bekannte Riss bei einer Außenaufnahme des „Starship UK“ sichtbar wird.
Etwas ungewöhnlich ist die Überleitung zur nächsten Folge, die noch in den abschließenden Szenen thematisiert wird: Winston Churchill (Ian McNeice) ruft in der TARDIS an und im Hintergrund lässt sich bereits der Schatten eines Daleks ausmachen. Zuletzt noch ein Fun Fact: Amys zweiter Vorname lautet Jessica. Und beim Sonic Screwdriver hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, denn der leuchtet in dieser Folge noch blau und nicht grün.

In „Victory of the Daleks“ (geschrieben von Mark Gatiss) folgen Amy und der Doctor dem Anruf von Winston Churchill und landen mitten in „The Blitz“. London wird von den Deutschen bombardiert und einer von Churchills Wissenschaftlern – Professor Bracewell (Bill Paterson) – hat eine neue Waffe im Krieg gegen Hitlers Truppen entwickelt: Die „Ironsides“, die vom Doctor sofort als Daleks erkannt werden. Rätselhafterweise hat Amy trotz der mehrfachen weltweiten Auftritte der Daleks in früheren Folgen keinerlei Erinnerungen an die Erzfeinde des Doctors und Churchill ist drauf und dran, Bracewells Ironsides in den Krieg zu schicken. Es gelingt dem Doctor, die Daleks als solche zu entlarven, aber wie sich herausstellt, war das Teil eines größer angelegten Plans der Daleks. Sie schaffen es, sich neu zu formieren und können mit Hilfe des „Progenators“ (für dessen Aktivierung sie den Doctor benötigten) ihre eigene Spezies neu (und bunter) erstellen. Die Lage spitzt sich am Ende weiter zu und der Doctor muss sich entscheiden, ob er die Erde rettet oder seine Erzfeinde ein für allemal vernichtet.

Die neuen Daleks.

An sich eine gute Folge mit vielen irrsinnigen („Spitfires in space“) und teils witzigen Ideen. Nur bietet die Geschichte zu viel Material für eine Einzelfolge und wirkt daher stellenweise überladen und überhastet. Eine Doppelfolge wäre an der Stelle sicher besser gewesen. Ansonsten liefert Gatiss aber eine schöne Dalek-Geschichte, die vom Format her an „The Power of the Daleks“ (1966) und „The Evil of the Daleks“ (1967) erinnert. Vor dem Hintergrund, dass die Daleks von Terry Nation mit Blick auf die Nazis erschaffen wurden, hätte man auch kein besseres Setting als den zweiten Weltkrieg nehmen können, um die „Herrenrasse“ des Whoniverse neu aufzulegen. Es wird auch gut und mit einem Augenzwinkern erklärt, wie die „Ironsides“ dem letzten Staffelfinale entkommen konnten und am Ende ist der Episodentitel tatsächlich Programm, denn die Salzstreuer können mit ihrem Raumschiff entkommen. Kritisieren kann man allerdings das neue Design der Daleks – groß und bunt war wohl das Motto und das passt nicht so richtig zu den Erzfeinden des Doctors.
Abgesehen von den Daleks gab es natürlich noch mehr in der Folge. Alleine die Leistung von McNeice als Winston Churchill ist schön anzusehen und seine Versuchung, die neue Technologie einzusetzen, kann der Zuschauer in Anbetracht der Lage gut nachvollziehen. Auch Patersons Bracewell ist eine interessante Figur und bedient sich eines beliebten Diskussionsthemas unter Sci-Fi Fans: Dem Unterschied zwischen Mensch und Android. Dass man ihn am Ende als „wandelnde Bombe“ und mit seinen technischen Fähigkeiten gehen lässt und nicht abschaltet, wirkt allerdings etwas merkwürdig. Hoffentlich bekommt er in seinem weiteren (sehr langen) Leben keinen Wutanfall und löst die Bombe doch noch aus.
Amys fehlende Erinnerungen werden in Zukunft noch eine Rolle spielen und sind ein Teil des Staffelbogens, der auch hier am Ende wieder durch einen Riss in der Wand zur Geltung kommt. Zuletzt noch ein Fun Fact: Die Stimme des Piloten „Danny Boy“ ist die Stimme von Mark Gatiss.

In der Doppelfolge „The Time of Angels“ und „Flesh and Stone“ (von Steven Moffat) gibt es ein Wiedersehen mit zwei bereits bekannten Figuren. River Song (Alex Kingston), bekannt aus der Doppelfolge „Silence in the Library“ und „Forest of the Dead“, ruft den Doctor mittels eines elaborierten Plans um Hilfe und führt ihn und Amy zum Planeten Alfava Metraxis, wo das Raumschiff Byzantium gerade erst abgestürzt ist. Das Pikante daran: An Bord befindet sich ein „Weeping Angel“ (bekannt aus „Blink“), der mit Hilfe einer Soldatengruppe um deren Anführer Octavian (Iain Glen) sichergestellt werden soll. Doch dazu muss das Schiff erst einmal erreicht werden, was die Überwindung eines Labyrinths erfordert. Zudem gibt es einige neue Aspekte über die weinenden Engel zu erfahren, was Amy am eigenen Leib erfahren soll: Nachdem sie einem Engel in die Augen gesehen hat, verwandelt sie sich selbst langsam aber sicher selbst in einen. Als sich herausstellt, dass es im Labyrinth von Engeln nur so wimmelt, spitzt sich die Lage weiter zu. Dem Doctor läuft abermals die Zeit davon, während die Soldatengruppe immer weiter dezimiert wird.

Hut ab, Herr Moffat. Wenn man jedes Detail dieser Doppelfolge auseinander nehmen und betrachten wollte, hätte man derart viel zu tun, dass es den Rahmen des Artikels locker sprengen würde. Probieren wir es trotzdem mal, kurz gefasst:
River Song ist zurück. Die mysteriöse Dame aus der Zukunft des Doctors hat ihren zweiten großen Auftritt in der Serie, wobei sie jedoch ihr Abenteuer in der Bibliothek noch nicht erlebt hat (das wäre auch merkwürdig gewesen, da sie schließlich nur noch in abgespeicherter Form im Bibliothekscomputer existiert). Ihr Verhalten gegenüber dem Doctor hat sich aber nicht verändert – sie weiß immer noch jede Menge Spoiler über den Timelord und ihr Tagebuch hat sie auch wieder dabei. Wenn sie dem Doctor am Anfang eine Nachricht zukommen lässt (es gibt zwei Dinge, die stets ihren Weg in ein Museum finden: Die Home Box eines abgestürzten Raumschiffs und der Doctor.), noch dazu in der Sprache der Timelords, dann kommt ihr (zukünftiger) Ehemann zur Rettung. Smith und Kingston verstehen es, diese ungewöhnliche Beziehung gekonnt fortzusetzen. Dabei kommen auch neue Dinge ans Tageslicht, die für zukünftige Folgen Verwendung finden werden. So hat Song z.B. einen „guten Mann“ umgebracht und versteht es, die TARDIS besser als der Doctor zu fliegen – wobei wir erfahren, dass die Landegeräusche der TARDIS nur deshalb auftreten, weil der Doctor stets mit angezogenen Bremsen durch die Gegend fliegt (ein Witz, den manche Fans dem Autor sicher übel genommen haben). Beim Abschied am Ende kann der Zuschauer bereits ahnen, wer mit dem „guten Mann“ gemeint ist. Aber was die Zukunft angeht, verrät River dem Doctor nur eine Sneak Preview: Sie werden sich bald wiedersehen und zwar dann, wenn die „Pandorica“ sich öffnet (die wurde auch von Prisoner Zero im Staffelauftakt erwähnt).
Das Abenteuer um die weinenden Engel erinnert anfangs stark an eine andere Fortsetzung aus dem Filmbereich: „Aliens“ kommt jedenfalls unweigerlich in Erinnerung als unser Heldenteam feststellen muss, dass es sich mitten unter den weinenden Engeln befindet. Anfangs sieht alles sehr einfach aus, aber die Flut an Engeln, die plötzlich aufwacht und anfängt, die Gruppe zu dezimieren, lässt die Lage immer auswegloser erscheinen. Es stellt sich heraus, dass der Engel an Bord der Byzantium den Absturz geplant hat, um mit der freiwerdenden Strahlung des Wracks seine Artgenossen wieder zu erwecken. Außerdem wird die Mythologie um die Engel deutlich erweitert. Denn alles, was das Bild eines Engels trägt, wird selbst zum Engel. So gerät Amy anfangs in eine Notlage, der sie nur knapp entkommen kann. Doch dadurch, dass sie dem Engel in die Augen gesehen hat, trägt sie ebenfalls das Bild eines Engels in sich und verwandelt sich im Verlauf der Doppelfolge selbst in einen. Dabei darf sie vom einen Extrem (nicht den Blick abwenden, damit die Statuen still stehen) ins nächste (die Augen nicht öffnen, um der Verwandlung Einhalt zu gebieten) wechseln und der Zuschauer darf gespannt mitfiebern, ob und wie sie es am Ende doch schafft, zu überleben. Die Figur Bob (David Atkins) darf ebenfalls für einen „creepy moment“ sorgen, der stark an „Silence in the Library“ erinnert: Er meldet sich über Funk beim Doctor und man hofft schon, er hat überlebt. Doch plötzlich verkündet er „I didn’t escape, Sir. The angel killed me, too.“ – auch wenn diese Situation aus der besagten älteren Folge kopiert scheint, verliert sie nicht ihren Effekt. Auch der Doctor bekommt ein paar schöne Oneliner von Moffat in den Mund gelegt. Erwähnenswert wäre dort ein Dialog mit dem bereits verstorbenen Bob, dessen Stimme der Engel verwendet und der direkt den Cliffhanger der ersten Folge einleitet: „There’s one thing you never ever put in a trap.“ – „And what would that be, Sir?“ – „Me.“
In „Flesh and Stone“ findet schließlich der Riss Einzug in das Abenteuer und liefert eine Erklärung für Amys Gedächtnislücken in Bezug auf die Daleks. Der Doctor erwähnt dabei ebenfalls ein Ereignis im viktorianischen London, was eine Anspielung auf das Special „The Next Doctor“ beinhaltet, wo der Cyberking die Stadt zu zerstören drohte. Wer sich dem Riss nähert, wird aus Raum und Zeit gelöscht und hat nie existiert. Da die Engel am Ende vom Riss verschluckt werden, wird auch Amy gerettet. Wobei sich hier ein kleiner Widerspruch findet, denn Amy und auch der Doctor können sich als Zeitreisende an alle Personen erinnern, die dem Riss zu nahe gekommen sind und ausgelöscht wurden. Da stellt sich durchaus die Frage, ob Amy sich nicht immer noch in einen Engel verwandeln müsste, denn in ihrem Kopf ist die Erinnerung oder das Bild daran noch vorhanden. Es wirkt auch ein bisschen zu passend, dass die große Bedrohung so mit einem Schlag vernichtet wird. Kritisieren lässt sich außerdem das Ende der Doppelfolge, wo Amy den Doctor verführen möchte. Die Situation wirkt deplaziert in der Serie, auch wenn sie durchaus lustig anzusehen ist („I’m 907 years old, know what I mean?“ – „It has been a while?“ – „Yeah, ehm, no, no, no …“) und einen Grund für das nächste Abenteuer liefert. Außerdem wird dabei das Hochzeitsdatum (26.06.2010) von Rory und Amy in den Vordergrund gerückt, wobei noch nicht klar ist, worin genau da die große Bedeutung liegt. Sicher ist nur, dass von diesem Datum aus der Riss in Raum und Zeit hervor getreten ist.

Angry Angels.

Alles in allem eine klasse Doppelfolge, wo Moffat zeigen darf, wie er mehrere Abenteuer und Handlungsstränge mit einander verwebt. River Song, die Engel, der Staffelbogen – alles findet seinen Platz in der Geschichte. Großes Kino.

In „The Vampires of Venice“ (von Toby Whithouse) versucht der Doctor sein Bestes, um Amy wieder für ihren Verlobten Rory zu begeistern. Er sucht Rory direkt beim Junggesellenabschied auf und reist mit den beiden ins Venedig des Jahres 1580. Was als romantischer Trip geplant war, entwickelt sich aber schnell zu einem handfesten Abenteuer. Die Stadtpatronin Signora Rosanna Calvierri (Helen McCrory) und ihre „Schule für Mädchen“ entpuppen sich als vampirartige Außerirdische, die ihre Schülerinnen in die eigene Spezies verwandeln und Venedig versenken wollen, um die eigene Art zu erhalten. Sie haben ihren Heimatplaneten Saturnyne verlassen als die Risse im Universum auftauchten und geben sich sehr skrupellos. Es liegt am Doctor, Amy und Rory, dem unheimlichen Treiben ein Ende zu bereiten und die Stadt zu retten.

Tja, die erste Folge dieser Staffel, die nicht richtig funktionieren will. Dabei hatte man mit Trogir (Kroatien) ein schönes venezianisches Setting bei der Hand, was einer ganzen Palette an gut inszenierten Geschichten eine Bühne hätte bieten können. Amy und Rory bekommen zwar einige gute Momente mit einander, aber die Dreiecks-Beziehung mit dem Doctor wirkt wie ein leicht abgewandeltes Verhältnis, wie man es mit Rose (Billie Piper) und Mickey (Noel Clarke) bereits mehrfach erlebt hat.
Bei den Gegnern wird (ein weiteres Mal) auf Vampire zurück gegriffen, die auf Who-Art als Außerirdische erklärt werden. Neu ist das nicht und Whithouse erinnert mit dieser Machart (Aliens, die sich als Menschen „verkleiden“) stark an das ebenfalls von ihm verfasste Abenteuer „School Reunion“, wo ebenfalls als Menschen verkleidete Aliens Böses im Schilde führten. Im direkten Vergleich hat „School Reunion“ aber den Vorteil, auf nostalgische Wiedersehens-Momente (Sarah Jane, K-9) zurückgreifen zu können, was die ältere Folge stark aufgewertet hat. Generell ist es rätselhaft, weshalb immer wieder Abenteuer in der Serie vorkommen, die sich an (scheinbar) übernatürlichen Wesen bedienen. McCrory macht zwar ihr Bestes, um einen guten Gegenspieler abzuliefern, aber es bleibt ein fader Beigeschmack nach der Folge übrig. Auch, dass der Doctor ihre Spezies nun auf dem Gewissen haben soll, passt nicht so richtig und was wird eigentlich aus den Kreaturen im Wasser, die am Ende ihre Anführerin töten? Bleiben die dort?
Für den Staffelbogen gibt es einige Hinweise in der Folge, nicht zuletzt dank Rosanna, die die Risse thematisiert und „the silence“ erwähnt. Rory und der Doctor dürfen die Stille am Ende der Folge selbst erleben und Rory darf zunächst an Bord der TARDIS bleiben.

In „Amy’s Choice“ (von Simon Nye) geraten der Doctor, Amy und Rory in die Falle des mysteriösen Dreamlord (Toby Jones). Sie wechseln fortan zwischen zwei Welten hin und her. Einmal sind sie an Bord der TARDIS, der die Energie ausgegangen ist und die Kurs auf einen „kalten Stern“ nimmt, was den Erfrierungstod zur Folge hätte. Und andererseits befinden sie sich in Leadworth – fünf Jahre in der Zukunft – wo Rory und die hochschwangere Amy ihren Alltag verbringen. Die Bedrohung dort kommt in Form der älteren Dorfbewohner auf sie zu, in denen sich die Eknodine verstecken und mit tödlicher Absicht Jagd auf die jüngeren Einwohner machen. Der Dreamlord stellt den dreien ein Ultimatum: Sie müssen heraus finden, welche der beiden Welten die echte ist und in der Traumwelt sterben, um das Spiel zu gewinnen.

Eine ziemlich durchwachsene Folge, die weit unter ihren Möglichkeiten bleibt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Konzept zwischen absurdem Humor und lebensbedrohlichem Alptraum hin und her wechselt und damit nichts Halbes und nichts Ganzes hervor bringt. Um dem Ganzen am Ende noch die Krone aufzusetzen, wird die Geschichte ad absurdum geführt, denn unsere Protagonisten sterben in beiden Welten und damit spielt die gerade getroffene Wahl keine Rolle mehr. Beide Welten waren Traumwelten, die Wahl zwischen echt und falsch damit hinfällig. Auch dass aus dem Doctor selbst der Dreamlord hervor ging, der seine „dunkle Seite“ verkörpern soll, wirkt wenig überzeugend – denn der Kerl beglückwünscht nach getroffener Entscheidung die Teilnehmer und nimmt die „ernste Bedrohung“ – den kalten Stern – wieder aus dem Spiel, was nun überhaupt nicht zu einem Bösewicht passt.
Eine Sache macht die Episode allerdings richtig: Sie bringt Amy und Rory (wieder) zusammen. Der Titel „Amy’s Choice“ spielt darauf an, dass Amy sich zwischen dem Doctor und Rory entscheiden muss und es wird sehr eindeutig gezeigt, für wen sie dabei den eigenen Tod riskiert. Damit werden Amy und Rory als Paar gefestigt.
Es gibt zwar ein paar wenige Anspielungen auf frühere Folgen (z.B. wird Elizabeth I. und ihr Verhältnis mit dem Doctor vom Dreamlord genannt), aber der Staffelbogen wird nicht erwähnt.

In der Doppelfolge „The Hungry Earth“ und „Cold Blood“ (beide von Chris Chibnall geschrieben) wollen der Doctor, Rory und Amy eigentlich Rio einen Besuch abstatten. Stattdessen landen sie im walisischen Dorf Cwmtaff im Jahre 2020, wo Dr. Nasreen Chaudhry (Meera Syal) ein kleines Bohrteam leitet, was auf der Suche nach Mineralien in über 20 km Tiefe vorgestoßen ist. Der Bohrer stößt schließlich auf eine Siedlung der Silurianer, reptilienartige Humanoide, die sich vor Millionen von Jahren unter die Erde zurück gezogen haben. Deren Abwehrsystem wurde durch die Bohrarbeiten ausgelöst und es dauert nicht lange bis die ersten Menschen (darunter auch Amy) unter die Erde entführt werden. Dem Doctor und Rory gelingt es im Gegenzug, die Silurianerin Alaya (Neve McIntosh) gefangen zu nehmen. Er warnt Rory und die anderen, Alaya nichts anzutun und macht sich zusammen mit Nasreen auf den Weg unter die Erde, um eine friedliche Lösung für beide Parteien zu finden.

Die Silurianer hatten in der alten Serie bereits drei Auftritte, wobei der letzte in „Warriors of the Deep“ (1984) bereits mehr als 25 Jahre zurück liegt. Bei allen drei Gelegenheiten hat der Doctor stets versucht, einen friedlichen Dialog zwischen den früheren Herrschern der Erde und den Menschen herzustellen und ist dabei immer an der verbohrten militaristischen Einstellung beider Parteien gescheitert, wobei die Menschen (von den Silurianern stets als „Affen“ bezeichnet) am Ende – nicht zuletzt wegen des Doctors – die Oberhand behielten. Das Ende von „Warriors of the Deep“ wird auch kurz vom Doctor angesprochen und das veränderte Aussehen der Silurianer in dieser Doppelfolge mit einem anderen Stamm der Spezies erklärt (wobei es schade ist, dass beim neuen Design das dritte Auge auf der Stirn entfiel). Auch dieses Mal wird der Doctor wieder enttäuscht und die Verhandlungen scheitern, auch wenn die Ausgangslage um einiges besser gestaltet ist als in den alten Folgen.
Die Geschichte ist dabei interessant genug gemacht, um zu fesseln, auch wenn hier und dort einige Längen zu verzeichnen sind und die militärische Chefin der Silurianer, Restac (ebenfalls von McIntosh gespielt), sehr eindimensional daher kommt. Andere Gastfiguren können da schon eher beim Zuschauer punkten, vor allem Nasreen macht einen mehr als sympathischen Eindruck. Im direkten Vergleich würde der Rezensent übrigens der Darstellung von Jon Pertwee im ersten Abenteuer mit den Silurianern (1970) den Vorzug geben – was die Ernsthaftigkeit und spätere Betroffenheit und Enttäuschung angeht, können weder Davison noch Smith in der Hinsicht Pertwee das Wasser reichen.
Am Ende entscheidet sich der Anführer der Silurianer auf Rat des Doctors dafür, seine Spezies weitere 1000 Jahre in den Tiefschlaf zu schicken. Der Doctor hofft, dass die Menschheit dann endlich soweit ist, den Planeten mit den Silurianern zu teilen.

Affen und Reptilien.

Auch der Riss in Raum und Zeit verfolgt den Doctor und seine Gefährten in dieser Folge. Der Doctor vermutet eine Explosion hinter den Rissen und kann ein Bruchstück der TARDIS aus dem Spalt bergen, was eine üble Vorahnung beim Zuschauer verursacht. Rory wird kurz vor Ende von Restac tödlich getroffen und vom Riss ausgelöscht. Da Rory ein fester Bestandteil von Amys Leben war, kann sie sich – anders als beim Abenteuer mit den Engeln – auch später nicht mehr an ihn erinnern. Einzig der Doctor weiß somit um Rorys Schicksal bescheid und eine Rückkehr scheint an diesem Punkt nicht gegeben. Erwähnenswert wäre noch die Begegnung mit den älteren Versionen von Amy und Rory – sie winken sich zu Beginn des Abenteuers aus der Ferne zu, am Ende ist es nur noch die ältere Amy-Version, die sich zuwinkt. Also das endgültige Aus für Rory?

In „Vincent and the Doctor“ (von Richard Curtis) besuchen Amy und der Doctor das Musée d’Orsay in Paris. Der Doctor sieht auf einem von Van Goghs (Tony Curran) Bildern – The Church at Auvers – ein böses Gesicht und beschließt deshalb, Vincent Van Gogh im Jahre 1890 einen Besuch abzustatten. In Arles angekommen, stellen die beiden schnell fest, dass der Maler zu seiner Zeit alles andere als eine gute Reputation genießt und von der Bevölkerung verpönt wird. Außerdem kommen sie dem Monster auf die Spur, welches Van Gogh in seinem Gemälde festgehalten hat. Es handelt sich dabei um einen Krafayis und nur Vincent ist in der Lage, die Kreatur zu sehen, die wie eine Mischung aus Vogel und Reptil aussieht. Die drei Versuchen zusammen, der mordenden Kreatur ein Ende zu bereiten.

Die Folge schließt an die Tradition an, in jeder Staffel seit dem Neustart 2005 eine wichtige historische Persönlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen. „The Unquiet Death“ (Charles Dickens), „The Girl in the Fireplace“ (Madame de Pompadour), “The Shakespeare Code” (William Shakespeare) und “The Unicorn and the Wasp” (Agatha Christie) passen in diese Kategorie und nun gesellt sich Vincent Van Gogh dazu. Für Liebhaber des Künstlers gibt es auch sehr viel in der Folge zu sehen und Curran versteht es, die historische Figur glaubhaft zu verkörpern und die Sichtweise des Malers auf die Welt zu beschreiben (wobei die Ehre hier dem Autor gebührt). Trotzdem wirkt das Abenteuer sehr durchschnittlich und platt – Monster finden, Monster töten, fertig. Wobei der Krafayis zu keinem Zeitpunkt wirklich bedrohlich wirkt, was der Folge die Spannung nimmt.

Der Trip mit Van Gogh in die Gegenwart, um seinen Depressionen entgegen zu wirken, erweist sich als erfolglos, was den Zuschauer (trotz der Rede des Doctors) mit einem bitteren Ende zurück lässt. Punkten kann die Folge aber mit der Interaktion zwischen Amy und Vincent, der „sehen“ kann, wie traurig die Begleiterin des Doctors über Rorys Tod ist – an den sie sich nicht mehr erinnern kann. Überhaupt wird Rory sowohl indirekt (Amy wurde vor diesem Abenteuer vom Doctor an schöne Orte geführt) als auch direkt (der Doctor spricht Vincent einmal mit Rory an) in der Episode erwähnt, was allerdings das bittere Gefühl beim Zuschauer nur verstärkt.

In „The Lodger“ (von Gareth Roberts) wird der Doctor in Colchester in der Gegenwart von der TARDIS und Amy abgeschnitten. Die TARDIS ist außer Lage, die Landung durchzuführen. Die Ursache befindet sich im ersten Stock über der Wohnung von Craig Owens (James Corden). Da Craig gerade auf der Suche nach einem Untermieter ist, zieht der Doctor kurzerhand bei Craig ein und wirbelt damit das Leben seines Vermieters durcheinander. Der Doctor muss herausfinden, was im ersten Stock vor sich geht und sich während der Zeit in ein normales menschliches Leben begeben. Dabei zieht er auch die Aufmerksamkeit von Sophie (Daisy Haggard) auf sich, in die Craig (bisher heimlich) verliebt ist.

Diese Episode der anderen Art, die auf einem Comic Relief vom Autor Gareth Roberts basiert (welches er seinerzeit für den zehnten Doctor und Mickey angefertigt hatte), weist viele Elemente einer romantischen Komödie auf, ohne sich zu sehr darauf zu versteifen. Das Hauptaugenmerk des Zuschauers liegt auf dem Doctor, der sich hier für ein paar Tage in ein normales Leben begibt. Die Chemie zwischen Smith und Corden stimmt, beide bekommen ein paar sehr schöne Szenen zusammen und auch Haggard passt gut ins Bild. Eine lockere Episode vor dem Staffelfinale.
Weniger stimmig kommen allerdings die Who-Elemente der Folge daher. Es klingt wenig plausibel, dass der Doctor nicht gleich in den ersten Stock stürmt, um sich das Problem näher anzusehen. Das vorsichtige Ausloten der Lage passt überhaupt nicht zu unserem ungestümen Timelord. Das Geheimnis wird schließlich gelüftet und entpuppt sich als eine primitive Version einer TARDIS, die eine Bruchlandung auf Craigs Haus hingelegt hat und immer wieder Leute zu sich lockt, die vielleicht als Piloten geeignet sind, dabei aber getötet werden. Die Auflösung ist dabei auch etwas wirr geraten: Der Doctor kommt nicht als Pilot in Frage (seiner Aussage nach würde das Sonnensystem explodieren, wenn er die Konsole berührt) und die Lösung liegt schließlich bei Craig, dem Stubenhocker mit der Reiseunlust – woraufhin die primitive Version der TARDIS ins Nichts implodiert. Vielleicht wäre es besser gewesen, in diesem Fall ganz auf das Sci-Fi-Element zu verzichten und den Doctor durch einen trivialen Grund für ein paar Tage auf Craig loszulassen.
Was den Staffelbogen angeht, gibt es am Ende wieder den Riss zu sehen. Hinter Craigs Kühlschrank taucht der plötzlich auf. An der Kühlschrankfront kann man übrigens die Folge über auch ein Prospekt von der Van Gogh Ausstellung der letzten Episode sehen. Zu guter Letzt wäre noch zu erwähnen, dass Amy in der Manteltasche des Doctors Rorys Ring findet (ob das ihrem Gedächtnis wieder auf die Sprünge helfen wird?) und dass Craig dem Doctor die Wohnungsschlüssel überlässt, womit ein Wiedersehen mit dieser Figur nicht ausgeschlossen ist.

Im Staffelfinale „The Pandorica Opens“ und „The Big Bang“ (beide von Steven Moffat geschrieben) werden der Doctor und Amy abermals von River Song (Alex Kingston) zum Ort des Geschehens gelotst. Im Jahre 102 in einem römischen Feldlager in der Nähe von Stonehenge zeigt sie dem Doctor ein Bild, welches von Vincent Van Gogh angefertigt wurde und eine explodierende TARDIS zeigt. Der Titel des Bildes: „The Pandorica Opens“. Die drei machen sich auf den Weg und finden schließlich die Pandorica unterhalb der Ruinen von Stonehenge. Der Legende nach soll sie die gefährlichste Kreatur des Universums enthalten und dieses Gefängnis ist gerade dabei, sich zu öffnen. Aber es kommt alles anders als angenommen: Es stellt sich heraus, dass die Pandorica von den Gegnern des Doctors geschaffen wurde. Auch sie haben die Risse bemerkt und analysiert, dass die Ursache für die Risse und das drohende Ende des Universums beim Doctor liegen. Also haben sie einen Plan ausgearbeitet und sich dabei vor allem bei Amy und ihren Erinnerungen bedient, um den Doctor in die Falle zu locken. Ein Nebenprodukt aus Amys Erinnerungen ist Rory, der plötzlich in römischer Montur auftaucht und sich später als Auton entpuppt – ausgestattet mit Rorys gesamtem Wissen, was auch seine Gefühlswelt beinhaltet. Im Cliffhanger des ersten Teils wird der Doctor in die Pandorica gesperrt, Amy von Rory getötet und River versucht verzweifelt, die TARDIS an der Explosion zu hindern.

Ein Finale, wie es temporeicher nicht sein könnte. Es bleibt kaum Zeit zum Luftholen, erst im letzten Drittel wird das Tempo etwas gedrosselt, wobei der zweite Teil mit 55 Minuten Laufzeit länger als gewöhnlich ist. Das Finale konnte sich außerdem den Hugo Award angeln, womit Moffat bereits zum vierten Mal mit einer seiner Folgen punkten konnte. Aber war das auch verdient?
Im Großen und Ganzen ja. Es gibt unzählige wundervoll ausgearbeitete Momente bei allen Hauptfiguren (Amy, Rory, River und der Doctor) und dabei bedient sich die Geschichte an der gesamten Staffel und auch etwas darüber hinaus. Die Rückblicke und auch neuen Szenen mit alten Bekannten (Vincent, Churchill, die junge Amy, etc.) fügen sich perfekt ins Geschehen ein und gegen Ende (aber auch vorher) wird dabei auf die Tränendrüse gedrückt oder dem Zuschauer ein „WTF“ entlockt. Trotzdem gibt es einige Gründe zur Kritik: Zunächst einmal die Allianz der sogenannten „Gegner“ des Doctors. Daleks, Cybermen und Sontarans sind natürlich als Gegner fest etabliert. Aber z.B. die Judoon – welche als eine Art Weltraumpolizei dargestellt wurden – sind in der Reihe fehl am Platze, Risse hin oder her. Auch einige andere Spezies, wie z.B. die erwähnten Atraxi, ergeben hier wenig Sinn. Und so schön das hohe Tempo auch ist, wird man das Gefühl nicht los, es soll die logischen Lücken der Geschichte verschleiern. Ja, Zeitreisen können mitunter kompliziert sein und die Story wird hier noch um einiges komplizierter, weil Figuren ausgelöscht und durch Erinnerungen wieder zurück geholt werden. Vor allem im zweiten Teil des Finales darf man über viele Stellen nicht genauer nachdenken, sonst stößt man auf Widersprüche oder bekommt einen Knoten im Kopf. Als Beispiel sei einmal das Entkommen des Doctors aus der Pandorica angeführt: Dies wird durch den Doctor selbst möglich gemacht, der Rory seinen Sonic Screwdriver gibt – nur, wie kann der Doctor das machen, wenn er in der Pandorica gefangen ist (und zwar zusammen mit seinem Screwdriver)? Er muss sich erst befreien, bevor er Rory das Gerät geben kann. Und selbst wenn Rory den Screwdriver hat, sollte er damit die Pandorica nicht öffnen können, denn der Kasten ist u.a. mit Deadlock-Siegeln versehen, die sich bekanntlich nicht mit dem Sonic Screwdriver öffnen lassen (weder von außen noch von innen). Ein anderer Fehler besteht am Ende in Rorys Figur. Da bleiben eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist er immer noch ein Auton und besteht aus Plastik oder aber der Reboot des Universums hat dieses Ereignis nicht stattfinden lassen, wobei er in dem Fall mausetot sein müsste, weil er in „Cold Blood“ von Restac erschossen wurde. Man könnte zwar argumentieren, dass er die vorherigen Abenteuer mit dem Doctor nicht erlebt hat, aber in dem Fall dürfte er sich nicht mehr an den Doctor erinnern. Von dieser Sorte gibt es noch einige andere Ungereimtheiten, was wirklich schade ist, denn sonst wäre dieses Finale das wohl beste bisher in der gesamten Serie.

Die Allianz.

Aber genug davon, schauen wir uns noch die wichtigsten Figuren an: River Song ist ein drittes Mal mit von der Partie und erwartungsgemäß kennt diese Figur die bisherigen zwei Abenteuer (aus der Bibliothek und die Engel-Folge um die Byzantium) noch nicht, da sie in ihrer persönlichen Zukunft stattfinden. Trotzdem ist sie dem Doctor um einiges voraus, kann die TARDIS steuern und weiß einige Dinge aus der Zukunft des Doctors, die sie am Ende auch andeutet. Was River angeht, kann sich der Zuschauer weiterhin auf Abenteuer mit ihr freuen. Sehr schön gemacht war hier die Eröffnungssequenz, die eine Reihe vorheriger Folgen verbunden hat und River im Gefängnis Stormcage zeigte, aus dem sie ausbricht, um sich das Bild von Van Gogh zu besorgen (inklusive Wiedersehen mit Liz 10 aus „The Beast Below“). Anschließend sucht sie Dorium Maldovar (Simon Fisher-Becker) auf (eine Figur, die ebenfalls noch einmal wiederkehren wird) und besorgt sich in River-Manier einen Vortex-Manipulator, wie wir ihn von Jack Harkness kennen. Falls sie ihrer eigenen Zeitlinie treu bleibt, sollte sich nach diesem Abenteuer damit auch wieder in ihre Zelle in Stormcage zurück reisen – wir wollen schließlich kein Paradoxon riskieren, denn die Engel-Doppelfolge diente ihrer Rehabilitation.

Amy und Rory: Die beiden haben wirklich eine Menge durchmachen müssen in dieser Staffel. Von daher trifft das Happy End mit der Hochzeit erstmal den Nagel auf den Kopf. Dass Rory als Auton Amy erschießt, war ein gehöriger Schock. Umso größer war die Erleichterung, dass ihr Tod nicht endgültig ist und der Doctor eine Lösung in Form der Pandorica parat hat. Amy konnte bereits in „Amy’s Choice“ zeigen, was sie für Rory bereit ist zu tun. In „The Big Bang“ darf Rory nun seinerseits ein großes Opfer bringen und Amy über gut 2000 Jahre hinweg beschützen (was ihn mehr als doppelt so alt wie den Doctor macht). Damit haben sich beide Figuren ihr Happy End redlich verdient und die Darsteller kann man anhand der präsentierten Szenen nur loben – jeder Moment zwischen den beiden konnte überzeugen. Dabei wirkt das Ende – beide treten zusammen mit dem Doctor eine neue Reise an – treffend. Obwohl es vielleicht nicht gerade die beste Idee ist, die Hochzeitsnacht an Bord der TARDIS zu verbringen – aber dazu in der nächsten Staffel mehr.
Der Doctor: Auch hier kann man die Darstellung von Smith nur loben. Der Figur bleibt anfangs kaum Zeit, die Situation zu fassen. So merkt er auch erst überhaupt nicht, dass der Centurion, den er da vor sich hat, Rory ist. Naja, er merkt es schon, aber realisiert es zunächst nicht. Die besonders starken Szenen kamen aber erst im letzten Drittel. Als der Doctor die Lösung gefunden hat und das Universum neu starten will, sehen wir abermals, was er bereit ist zu tun und das beinhaltet auch, sich selbst für das große Ziel zu opfern. Als die Rückblenden einsetzten, in denen er rückwärts noch einmal die Abenteuer der Staffel begutachten kann, sind da einige rührende Momente mit bei und es sieht zunächst so aus als wenn wir uns vom Timelord verabschieden müssten. Im Grunde gibt es dann auch ein weiteres Paradoxon, denn das Wörtchen „Urknall“ bzw. „Urknall 2“ beinhaltet irgendwo eine Explosion und die sollte in der TARDIS stattfinden. Aber im Rahmen der präsentierten Geschichte sind es Amys Erinnerungen, die die Auslöschung des Doctors wieder aufheben und weitere Abenteuer des Timelords und seiner Gefährten möglich machen.
Alles in allem ein sehr gelungenes Finale, wobei allerdings nicht allzu sehr über das Geschehen nachgedacht werden sollte. Es wurde eine Menge erzählt, wobei viele Handlungsstränge aus dem Staffelauftakt abgeschlossen wurden – was vor allem Amy und die Risse betrifft. Aber es bleiben noch Fragen offen: Wer war für die Explosion der TARDIS verantwortlich oder auch: Was verbirgt sich hinter „the silence“? Und wie wird Rivers Geschichte weiter gehen?

Bevor wir zum Weihnachtsspecial kommen, noch eine kurze Betrachtung des neuen Teams:
An Matt Smith als neuen Doctor musste man sich erst gewöhnen, was mitunter auch daran liegt, dass der Darsteller noch so jung ist. Sein oft kindlich wirkendes Verhalten reißt den Zuschauer aber mit und liefert besonders in den amüsanteren Szenen schöne Momente. Trotzdem kauft man dem Darsteller auch die ernsten Szenen ab. Im Gedächtnis bleiben da vor allem die kurzen Ansprachen an Gegner, wenn er z.B. die Atraxi von der Erde verscheucht oder sich im Finale mal eben etwas Zeit verschafft und die Gegner-Allianz verunsichert. Das sind tolle Momente, wo der Zuschauer das Gefühl hat, wirklich einen über 900 Jahre alten Timelord vor sich zu haben.
Karen Gillan als Amy nimmt als Begleiterin des Doctors eine besondere Stellung in dieser Staffel ein. Abgesehen von einigen Einzelabenteuern steht sie im Mittelpunkt des Geschehens und auch des Staffelbogens, was in der Stärke vorher bei den anderen Begleitern des Doctors nicht der Fall war. Auch wenn es in der ersten Staffelhälfte den Anschein hatte, sie würde sich von Rory lösen und den Doctor als Lebenspartner vorziehen, bleibt sie bei Rory, was in „Amy’s Choice“ endgültig geklärt wird. Sie bringt eine starke Persönlichkeit mit und scheut auch nicht davor zurück, dem Doctor zu widersprechen oder ihm zumindest andere Möglichkeiten zu eröffnen. Interessant dürfte nun werden, wie das Trio Amy, Rory und der Doctor an Bord der TARDIS funktioniert.

„A Christmas Carol“ (von Steven Moffat) wurde wie üblich am 25. Dezember ausgestrahlt und hat eine Laufzeit von 60 Minuten. Amy und Rory befinden sich in den Flitterwochen und an Bord eines Raumschiffes, welches sich in einem seltsamen Wolkengürtel verfängt und abzustürzen droht. Der Doctor wird um Hilfe gerufen und trifft auf dem Planeten auf Kazran Sardick (Michael Gambon), der den Wolkengürtel kontrollieren kann, aber jedwede Hilfe – trotz Weihnachten – verweigert. Inspiriert von Charles Dickens „A Christmas Carol“ greift der Doctor in Kazrans Vergangenheit ein, um den alten Miesepeter im Jetzt freundlicher zu gestalten, damit er das Raumschiff rettet.

An sich eine nette Idee für ein Weihnachtsspecial. Man nehme den Klassiker von Dickens, mische fliegende Fische und andere Sci-Fi-Elemente dazu und lasse dem Doctor nur die Möglichkeit, Ebenezer Scrooges Vergangenheit zu beeinflussen. Dazu nimmt man noch Katherine Jenkins Gesangskünste und fertig ist die Story. Trotzdem funktioniert die Geschichte nicht richtig, obwohl der junge Kazran (Laurence Belcher, später als junger Mann von Danny Horn gespielt) und seine auf Eis gelegte Abigail (Katherine Jenkins) durchaus ein schönes Paar abgeben und die weihnachtliche Stimmung gut eingefangen wird.
Es liegt größtenteils am Ende, was doch sehr bitter daher kommt: Abigail wird sterben, womit Kazran wieder alleine sein wird. Außerdem kann er dank der Veränderungen des Doctors den Wolkengürtel nicht länger kontrollieren, was sich auf den gesamten Planeten auswirken dürfte. Soviel also zum Happy End.
Amy und Rory kommen leider nur am Rande vor, dürfen aber stets für ein paar Lacher sorgen – wenn sie z.B. in voller Rollenspiel-Montur (Amy trägt die Polizeiuniform aus „Eleventh Hour“ und Rory ist wieder wie ein Centurion gekleidet) auf der Brücke des Raumschiffs auftauchen. Der Doctor darf wieder einiges von seinem kindlichen Verhalten preis geben und es wird bei einem der Weihnachtsausflüge mit Abigail angedeutet, dass er eine gewisse Marilyn (Monroe) zum Traualtar geführt hat. Besagte Dame ruft später auch in der TARDIS an.

Rückblickend macht diese Staffel einen guten bis durchwachsenen Eindruck. Die Highlights finden sich im Auftakt, in der Engel-Doppelfolge und im Finale. Wobei es einige Folgen gibt, die nicht zu überzeugen wissen, vor allem die zweite Staffelhälfte ist davon betroffen. Die Wahl des neuen Doctors und seiner Begleiter ist aber gelungen, auch wenn man sich an Smith ein wenig gewöhnen muss. Was die Gegner angeht, sollten vor allem die Silurians erwähnt werden, die erstmals in der Neuauflage einen großen Auftritt hinlegen und die Option auf Wiederkehr haben. Dass die Daleks zurückkommen werden, ist ebenfalls klar, auch wenn das neue Design im Smarties-Style nicht zu den Erzfeinden des Doctors passt. Alles in allem ist Moffats Staffel-Debüt aber gelungen und lässt auch nach dem Finale auf weitere durchgehende Staffelhandlungen hoffen, die den Zuschauer mitreißen werden.

Im folgenden Artikel geht es um die 32. beziehungsweise sechste Staffel Doctor Who mit Matt Smith als elften Doctor. Sowohl Amy (Karen Gillan) als auch Rory (Arthur Darvill) sind als Begleiter mit von der Partie. Auch auf weitere Auftritte von River Song (Alex Kingston) während der Staffel darf sich der Zuschauer freuen.

Erweitertes Team

Bevor die erste Folge der Staffel am 23.04.2011 auf Sendung ging, gab es im Rahmen des Red Nose Day Telethons am 18.03.2011 eine zweiteilige Kurzfolge mit den Titeln „Space“ und „Time“ (Laufzeit insgesamt etwa sechs Minuten und beide von Steven Moffat geschrieben), in der Amys Rock die Ursache für ein Raumparadoxon wird: Die TARDIS materialisiert, nachdem Rory abgelenkt durch Amy einige wichtige Gegenstände fallen gelassen hat, in sich selbst und die drei müssen schauen, wie sie aus der Sache wieder rauskommen.
Die Idee ist nicht neu. Bereits in „The Time Monster“ (1972) und in „Logopolis“ (1980) kam es zu ähnlichen paradoxen räumlichen Situationen, wobei dort die TARDIS des Masters involviert war. Die Kurzfolge punktet vor allem durch ihre humoristische Art und bietet damit kurze, aber sehr vergnügliche Unterhaltung.

„The Impossible Astronaut“ ging im April 2011 auf Sendung und ist der erste Teil eines Zweiteilers, der mit „Day of the Moon“ (beide von Steven Moffat geschrieben) abgeschlossen wurde und auch gleichzeitig den Staffelbogen liefert beziehungsweise fortsetzt (es wurde schließlich nicht alles am Ende der letzten Staffel aufgelöst). Vor der Ausstrahlung der Folge gab es allerdings noch eine Dokumentation mit dem Titel „Doctor Who Rewind: Trust Your Doctor“, worin quasi die letzte Staffel noch einmal zusammengefasst wurde und einige der Macher zu Wort kommen. Dabei gab es auch einige Ausschnitte aus kommenden Folgen der neuen Staffel zu sehen, die vorher noch nicht in Trailern gezeigt wurden.

In „The Impossible Astronaut“ und „Day of the Moon“ haben Amy und Rory seit zwei Monaten nichts mehr vom Doctor gehört. Sie verfolgen seine (amüsant in Szene gesetzten) Abenteuer indirekt durch Geschichtsbücher als sie plötzlich einen TARDIS-blauen Brief mit einer Einladung erhalten. Der Einladung folgend, treffen sie auf River Song (Alex Kingston) und den Doctor, der nun gut zweihundert Jahre älter ist (1103 Jahre, um genau zu sein). Beim anschließenden Picknick am Lake Silencio (Utah) taucht plötzlich ein Astronaut aus dem See auf. Der Doctor weist seine Gefährten an, zurück zu bleiben, geht zum Astronauten und wird erschossen. Als seine Regeneration einsetzt, schießt der Astronaut erneut und tötet den Doctor damit endgültig. Amy, Rory und River sind geschockt als plötzlich Canton Everett Delaware III (William Morgan Sheppard) auftaucht – ebenfalls einer Einladung des Doctors folgend – und einen Benzinkanister dabei hat, um den Leichnam des Doctors zu verbrennen.
Wenig später – der Leichnam des Doctors bekam ein Wikinger-Begräbnis – treffen Amy, Rory und River auf die jüngere Version des Doctors (909 Jahre alt), der keine Ahnung von den gerade erfolgten Geschehnissen hat. Er ist ebenfalls einer Einladung gefolgt und die drei können ihm nicht erzählen, dass ihm sein eigener Tod bevor steht oder er selbst die Einladungen verschickt hat (damit würden sie ein Paradoxon auslösen). Der Doctor bemerkt zwar, dass etwas nicht stimmt, aber die entscheidenden Informationen erhält er nicht. Stattdessen machen sich die vier zusammen auf, den Hinweisen zu folgen, die zuvor vom älteren Doctor und Canton Everett gegeben wurden: Sie reisen ins Jahr 1969 nach Washington D.C., wo Präsident Nixon (Stuart Milligan) mysteriöse Anrufe von einem kleinen Mädchen (Sydney Wade) erhält. Zusammen mit der jüngeren Version von Canton Everett Delaware III (Mark Sheppard) machen sie sich auf, das Geheimnis der Telefonanrufe zu lösen. Dabei entdecken sie die „Silence“ – Außerirdische, die vom Aussehen her direkt dem Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch entsprungen sein könnten und schon seit „der Entdeckung des Rads und des Feuers“ auf der Erde sind – in einem Tunnelsystem von globalen Ausmaßen. Sie manipulieren die Menschen für ihre Zwecke und die Tatsache, dass man sich nicht mehr an sie erinnern kann, sobald man den Blick von ihnen abwendet, macht die Sache nicht gerade einfach. Wie kann der Doctor einen Feind globalen Ausmaßes, der zudem noch überall präsent ist und sich aus der Erinnerung löscht sobald man wegschaut, besiegen?

Moffat liefert hier einen Auftakt, der sich (abermals) sehen lassen kann, auch wenn am Ende viele Fragen offen bleiben. Aber fangen wir vorne an: Der Tod des (zukünftigen) Doctors zu Beginn des ersten Teils ist nicht nur für die Freunde des Doctors ein Schock. Auch der Zuschauer fragt sich gleich, wie Moffat sich aus dem Ereignis wieder rausschreiben wird. Um die Raterei darum möglichst schwierig zu gestalten, werden offensichtliche einfache Wege auch gleich ausgeschlossen: Das Ereignis kann nicht abgeändert werden, wie River im gesamten Abenteuer mehrmals betont, denn sonst hätte die jetzige Geschichte nie in der Form stattgefunden. Also ist der Tod des Doctors unvermeidbar? Wir werden es abwarten müssen und – soviel sei gesagt – dieses Ereignis wird wie ein Damokles-Schwert die gesamte Staffel über dem Doctor schweben.
Die eigentliche (ziemlich düstere) Geschichte beginnt mit der Reise ins Jahr 1969. Es gibt zahlreiche witzige Momente dank Canton und Nixon, die aber nicht über den unheimlichen Gegner, die Silence, hinwegtäuschen können. Die erste Ankündigung gab es bereits in der Eröffnung der letzten Staffel mit dem Satz „Silence will fall“. Und die Bedeutung von „Silence“ wird nun aufgeklärt. Es mutet zwar etwas merkwürdig an, dass der Doctor vorher noch nie Notiz von den Außerirdischen genommen hat, die durch ihre Manipulationen mehrfach in die Entwicklung der Menschheit eingegriffen haben, aber darüber muss an dieser Stelle hinweg gesehen werden. Dass man sich an die Kreaturen nicht mehr erinnern kann, sobald der Blick abgewendet wird, liefert eine annehmbare Erklärung dafür und sorgt auch für jede Menge Gänsehaut, wenn die Protagonisten plötzlich anhand von Strichen auf der Haut oder des rot leuchtenden Hightech-Gadgets vom Doctor feststellen müssen, dass sie gerade noch eine der mundlosen Kreaturen gesehen haben. Die Auflösung, wie der Doctor dafür sorgt, dass die unangenehmen Mitbewohner schließlich das Weite suchen müssen, wirkte jedenfalls gut gelöst. Es wird sich zwar trotz der Aufzeichnung der Mondlandung niemand an die heimlichen Invasoren erinnern können, aber beim Anblick der Silence kommt die Erinnerung an die Aufzeichnung sofort zurück – womit weitere Manipulationen verhindert werden.
Eine große Nebenhandlung ist Amy vergönnt, die zwischenzeitlich entführt wird. Dabei bekommen wir auch erstmals die Frau mit der Augenklappe (Frances Barber) zu sehen, über deren Bedeutung an dieser Stelle nur spekuliert werden kann. Amys Schwangerschaft ist allerdings ein Mysterium, zu dem es bereits zahlreiche Hinweise gibt. Die Frage danach, ob sie wirklich schwanger ist, bleibt selbst für die TARDIS ungewiss. Aber das Bild von Amy mit Baby und auch ihr Gespräch mit dem Doctor (welches von Rory belauscht wird), weisen schon deutlich auf einen Zusammenhang mit dem mysteriösen Mädchen hin, welches am Ende der Doppelfolge eine Regeneration durchführt. So äußert Amy beispielsweise gegenüber dem Doctor Bedenken darüber, welche Auswirkungen die TARDIS auf ein ungeborenes Kind haben könnte – es wird wohl keinen „Timehead“ haben, aber die Fähigkeit zur Regeneration wäre durchaus im Bereich des Möglichen. Wie gesagt, es gibt dazu einige Hinweise, aber an sich noch nichts Konkretes.
River kann dem Zuschauer vor allem gegen Ende etwas leid tun. Ihre ungewöhnliche Beziehung mit dem Doctor, die sich bisher auf wenige Abenteuer beschränkte (bei denen er die Frau kaum kannte), verlangt allmählich ihren Tribut. Ihr wird bewusst, dass sie die schönste Zeit mit dem Doctor bereits hinter sich hat (im Gegensatz zum Zuschauer, der auf dem Stand des Doctors ist) und der Abschiedskuss aus ihrer Sicht der letzte gewesen sein wird, den sie dem Doctor gibt (auch nicht gerade schön, am Ende jedes Abenteuers wieder im Gefängnis zu landen). Ihre Ahnung, dass er sie am Ende nicht mehr kennt und sie das „umbringt“, wurde bereits in „Forest of the Dead“ bestätigt. Wir wissen allerdings noch nicht genau, welchen „guten Mann“ sie getötet hat. Aber nach dem Auftakt macht sich vielleicht auch hier bei einigen eine Ahnung breit – schließlich bekamen wir das Gesicht des Astronauten am See nicht zu sehen. Es fehlt aber noch ein Motiv für diese Theorie und Rivers Verhalten beim Picknick lässt ebenfalls nicht darauf schließen, dass sie im Astronautenanzug steckt (in dem Fall hätte sie schließlich bereits wissen müssen, wer dort den Doctor erschossen hat und hätte wohl kaum auf sich selbst geschossen). Anfangs werden noch einige Ereignisse von River und dem älteren Doctor erwähnt, die sie bereits erlebt haben. Ob wir noch erfahren werden, was es mit der Osterinsel und „Jim, dem Fisch“ auf sich hat?

Rory bekommt leider nicht all zuviel zu tun. Erwähnenswert ist vielleicht ein kleines Gespräch mit dem Doctor über den Fall Roms – ein Ereignis, dem beide beigewohnt haben, wobei der erste Doctor (William Hartnell) in „The Romans“ (1965) tatsächlich bereits in Rom war. Ansonsten beschränken sich Rorys Taten auf einige humoristische Szenen und natürlich auf seine Beziehung mit Amy, die wieder ein bisschen auf die Probe gestellt wird.
Weitere Anmerkungen: Das Hauptquartier der Silence (die sog. „time engine“) gab es in leicht veränderter Form bereits in „The Lodger“ zu sehen, weshalb der Doctor es auch als „very Aickman Road“ beschreibt. Eine unsichtbare TARDIS kam bereits beim zweiten Doctor (Patrick Troughton) in „The Invasion“ (1968 ) vor und als Amy auf „Fishfingers and Custard“ schwört, war das ein Wink auf „The Eleventh Hour“. Gewidmet wurde die Folge Elisabeth Sladen, die am 19.04.2011 ihrem Krebsleiden erlag.

In „The Curse of the Black Spot“ (geschrieben von Stephen Thompson) landen der Doctor, Amy und Rory – einem Notsignal folgend – im 17. Jahrhundert auf dem Piratenschiff von Henry Avery (Hugh Bonneville spielt die historische Figur). An Bord scheint ein Fluch um sich zu greifen: Sobald sich jemand auch nur eine kleine Schnittwunde zuzieht, erscheint ein schwarzer Fleck auf der rechten Handfläche und die Person wird von einer Sirene (Lily Cole) angelockt, die denjenigen bei Berührung verpuffen lässt. Die Crew von Avery wurde bereits stark dezimiert und in anfänglichen Auseinandersetzungen mit den Piraten hat Rory sich ebenfalls eine leichte Schnittwunde zugezogen. Als schließlich noch die TARDIS verschwindet, scheint der Mannschaft und unseren Helden kein Ausweg mehr zu bleiben.

Eine recht durchschnittliche Episode, die nach „Day of the Moon“ sogar ziemlich schwach wirkt. Die Piraten, allen voran Captain Avery, wirken weit weniger boshaft als es wohl beabsichtigt war. Da helfen auch die Versicherungen der Crew nicht, dass Avery bereits Hunderte gnadenlos umgebracht hat. Als sein Sohn Toby (Oscar Lloyd) als blinder Passagier im Pulverraum aufgefunden wird, ist es dann endgültig vorbei mit dem Piratengetue und Avery wirkt eher wie der freundliche Großvater mit Rauschebart.
Die Geschichte ist nett anzusehen, hektisch müssen die Protagonisten zunächst verhindern, dass die Sirene an Bord kommt und nach und nach feststellen, wie der „Fluch“ funktioniert. Die Auflösung, dass ein anderes (außerirdisches) Schiff sich am gleichen Ort befindet – unsichtbar für die Besatzung – und die verpufften Leute lediglich dorthin teleportiert wurden, kommt dabei etwas mager daher. Wirklich bedrohlich wirkte die Sirene ohnehin nicht und dass sie sich später als eine Art Krankenschwester entpuppt, war nach Rorys unfreiwilligem Schwimmgang eine eher offensichtliche Lösung. Man kann sich auch fragen, weshalb der Doctor, Amy und Avery gegen Ende nicht auch auf einem ihrer Tische gelandet sind – so wie es den ganzen anderen Leuten passiert ist. Oder was den Doctor zur Annahme bewegt, die von der Sirene berührten Leute seien nicht tot.
Somit bleibt eine nette Vater-Sohn Geschichte mit einem merkwürdigen Happy End -Stichwort: Space Pirates. Und Rory darf ein weiteres Mal sterben, um kurz darauf wiederbelebt zu werden. Wer sich nach dem Ende der letzten Folge auf mehr Informationen über das regenerierte Mädchen gefreut hatte (immerhin hatte diese letzte Szene schon eine Art Cliffhanger-Eindruck hinterlassen), muss sich noch gedulden. Dafür gab es die Frau mit der Augenklappe erneut kurz zu sehen und der Doctor darf am Ende wieder auf einen TARDIS-Monitor starren, der Amys Schwangerschaft weder positiv noch negativ bewerten kann. Ein kleiner Blickwechsel zwischen Amy und Rory gegen Mitte der Folge zeigt außerdem deren Unbehagen über den bevorstehenden Tod des Doctors, den sie in „The Impossible Astronaut“ gesehen haben.
Letzte Anmerkung: Im ersten Piratenabenteuer des Doctors – „The Smugglers“ (1966) – wurde nach dem Schatz von Avery gesucht.

In „The Doctor’s Wife“ (von Neil Gaiman) bekommt der Doctor Post in Form eines Würfels von einem anderen Timelord („The Corsair“), offensichtlich ein Hilferuf. Amy, Rory und der Doctor folgen dem Ursprung des Hilferufs und landen außerhalb unseres Universums auf einem Planeten, der einem gigantischen Schrottplatz gleicht. Bei der Ankunft verliert die TARDIS ihre Matrix – quasi Herz und Seele des Gefährts. Auf dem Planeten treffen sie auf Auntie (Elizabeth Burrington), Uncle (Adrian Schiller), den Ood Nephew (Paul Kasey) und Idris (Suranne Jones) – eine seltsame kleine Familie, die die einzigen Bewohner zu sein scheinen. Der Hilferuf stellt sich als Falle heraus, mit dem Timelords zum Planeten gelockt werden. Das Wesen (gesprochen von Michael Sheen), was dafür verantwortlich ist, wird von der Familie „House“ genannt und ernährt sich von der „Artron“-Energie der TARDIS. Als der Doctor dies realisiert, hat sich House bereits mit der TARDIS inklusive Amy und Rory aufgemacht, um nach weiteren Timelords zu suchen. Die Matrix der TARDIS wurde Idris einverleibt und zusammen mit ihr muss der Doctor nun einen Weg finden, House aufzuhalten.

Eine sehr verrückte Geschichte, mit der Neil Gaiman erstmalig das Whoniverse betritt und der Serie einen weiteren Hugo Award beschert. Der Doctor und seine TARDIS/Idris stehen im Mittelpunkt und können auf ganzer Linie überzeugen. Durch die beiden kommt es zu einigen humorvollen Szenen, wenn Idris z.B. nach ihrem Dieb fragt oder an anderer Stelle behauptet, sie habe sich einen Timelord gestohlen. Die TARDIS wurde schon öfter als lebendes Wesen bezeichnet und bekommt für diese Episode einen Körper zur Verfügung, mit dem der Doctor sich nun verbal austauschen kann. Gleichzeitig bleibt der Ton recht düster, denn es steht eine Menge auf dem Spiel und das Setting trägt stark zur dunklen Atmosphäre bei. Auntie und Uncle liefern dabei ihre eigene Version des Horrors – sie sind aus Körperteilen vergangener Timelords zusammen gesetzt, wie der Doctor erst später bemerkt.

The Doctor’s Wife

Während der Doctor zunächst auf dem Planeten festsitzt, müssen Amy und Rory an Bord der TARDIS ums Überleben kämpfen und irren dabei durch das riesige Innenleben der TARDIS. Wenn man etwas kritisieren kann, dann diesen Nebenstrang der Handlung. Ein weiteres Mal darf Rory scheinbar sterben, nur um im nächsten Moment wieder vor Amy zu stehen. Das wird allmählich zum Running Gag der Serie und kann daher nicht wirklich überzeugen – auch wenn es hier recht passend erscheint.
Referenzen auf alte Folgen sind auch jede Menge dabei: Wenn der Kontrollraum beispielsweise das Aussehen verändert und der Doctor dabei den Begriff „Desktop Theme“ fallen lässt, ähnlich wie der fünfte Doctor (Peter Davison) es in „Time Crash“ tat. Oder wenn der Doctor mit einem zusammengebastelten Kontrollpult ohne TARDIS hantiert, wie es der dritte Doctor (Jon Pertwee) in „Inferno“ (1970) getan hat – allerdings hatte der die TARDIS-Kontrollen des eigenen Gefährts dafür ausgebaut. Selbst den Würfel, der den Hilferuf trägt, gab es schon einmal zu sehen: Als der zweite Doctor (Patrick Troughton) in „The War Games“ (1969) die Timelords um Hilfe ruft.
Der Doctor gibt auch zu, dass er für den Tod aller anderen Timelords verantwortlich ist, als er mit dem Wesen einen kleinen Dialog führt: House: „Fear me, I killed hundreds of Timelords.“ – Doctor: „Fear me, I killed them all.“ – eine Referenz auf den Time War. Übrigens: „The Corsair“, dessen Körperteile sich bei Auntie und Uncle wiederfinden, wechselte laut dieser Folge bei einer Regeneration auch das Geschlecht. Obendrein gibt es auch eine kleine Erklärung dafür, weshalb die TARDIS manchmal nicht das gewünschte Ziel anfliegt: Sie weiß besser, wo und wann der Doctor benötigt wird.
Zum Staffelbogen: Amy und Rory fragen sich weiterhin, ob sie dem Doctor von seinem bevorstehenden Schicksal nicht doch berichten sollen. Einen mysteriösen Hinweis für ein kommendes Abenteuer gibt Idris an Rory weiter: „The only water in the forest is the river.“

In der Doppelfolge „The Rebel Flesh“ und „The Almost People“ (beide von Matthew Graham) landen Amy, Rory und der Doctor auf einer Insel im 22. Jahrhundert auf der Erde. Ein Solarsturm hat sich bereits angekündigt und wird in Kürze auch die Insel treffen. Die drei treffen auf Jimmy (Mark Bonnar), Buzzer (Marshall Lancaster), Jennifer (Sarah Smart), Dicken (Leon Vickers) und die Anführerin der Truppe, Miranda Cleaves (Raquel Cassidy). In der Festung wird Säure verarbeitet und um die Mitarbeiter nicht zu gefährden, wird „the Flesh“ benutzt – eine Art programmierbare Masse, mit der sich Doppelgänger erstellen lassen, die den Originalen wie ein Ei dem anderen gleichen und sich von diesen beliebig steuern lassen. Als der Solarsturm auf die Festung trifft, werden die Kopien von den Originalen getrennt. Der Doctor probiert alles, um einen Konflikt zwischen den beiden Fronten zu verhindern, aber vergeblich. Die Doppelgänger bekämpfen ihre Originale und andersrum, zudem taucht am Ende der ersten Folge noch ein Doppelgänger auf, der dem Doctor täuschend ähnlich sieht.

Eine sehr gute Doppelfolge, die man sich zweimal anschauen muss, um die Bedeutung für den Staffelbogen voll auszukosten. Aber fangen wir mit dem eigentlichen Abenteuer an: Die Grundthematik der Doppelgänger ist im heutigen Zeitalter (Stichwort: Cloning) sicher nicht zu verachten, wobei die Erzählung hier noch einen Schritt weiter geht und Original und Kopie nicht nur physisch sondern auch psychisch identisch sind. Der Doctor scheint zunächst der einzige zu sein, der von Anfang an die Doppelgänger als individuelle Lebensformen einstuft, die die gleichen Berechtigungen auf Existenz haben wie die Menschen, deren Abbild sie darstellen.
Rory, der sich vor allem um Jennifer kümmert, zeigt ähnliche Ansichten und dient in der Doppelfolge ausnahmsweise mal nicht als Streitpartner für Amy oder als Gimmick, was ausschließlich für witzige Szenen benutzt wird. Graham hat sich offensichtlich die vorherigen Folgen genau angesehen und nimmt Rorys häufiges Ableben zum Anlass für eine kleine Bemerkung in die Richtung – als Jennifer ihm sagt: „I thought I was going to die.“, antwortet er mit: „Welcome to my world.“ Wir erleben hier einen guten, aufrichtigen Rory, dem ernsthaft daran gelegen ist, Jennifer zu helfen. Da wirkt es schon fast schade, dass er mittels eines Tricks von ihr beziehungsweise einer ihrer Doppelgängerinnen hinters Licht geführt wird und die anderen in eine Falle lockt.
Bei Amy hingegen ist die Einstellung gegenüber den Doppelgängern nicht unbedingt positiv. Als die Kopie des Doctors auftaucht und mitmischt, wird jedenfalls deutlich, dass sie das Original bevorzugt. Als sie am Ende erfährt, dass sie die meiste Zeit über den falschen für den echten Doctor gehalten hat, dürfte sie aber ihre Lektion gelernt haben. Damit ist nun auch klar, dass sie dem echten Doctor von seinem bevorstehenden Tod erzählt hat – somit ist dieses Geheimnis nun raus und wird sicher den Doctor für einige Zeit beschäftigen: Wird er einen Weg finden, das eigene Leben zu retten, ohne eine paradoxe Situation herauf zu beschwören? Er darf das Ereignis am See schließlich nicht verändern, sonst verläuft alles Weitere widersprüchlich.
Für das Abenteuer an sich sind wohl Miranda, Jennifer und Jimmy die drei Nebenfiguren, die am meisten Profil bekommen. Das Monster, in welches Jennifer sich am Ende verwandelt, hätte dabei vielleicht gar nicht sein müssen (abgesehen davon, dass die Effekte etwas zu wünschen übrig ließen). Spätestens beim Anblick des Leichenhaufens aus verbrauchtem „Flesh“ und auch weil sie sich an ihre früheren „Leben“ beziehungsweise Doppelgänger erinnern kann, liefert sie das Pendant zur anfänglichen Miranda, die einen der Doppelgänger tötet. Miranda macht aber eine Entwicklung bis zum Ende der Folge durch und auch Jimmy und die anderen ändern zum Schluss ihre Ansichten über die Doppelgänger – und andersherum die Doppelgänger über ihre Originale. Die beiden Gruppen finden am Ende zusammen, auch wenn es weitere Verluste zu vermelden gibt. Dass Jimmys Sohn nun mit dem Doppelgänger seines Vaters weiter leben muss, ist zudem eine gelungene Pointe.
Kommen wir zum Doctor und zum Cliffhanger: Das Ende offenbart, dass der Doctor gezielt an dem „Flesh“ interessiert war, weil er in Amy eine Doppelgängerin vermutete und mehr über die programmierbare Materie erfahren wollte. Wir können also davon ausgehen, dass Amy bereits im Staffelauftakt oder vorher (schließlich wäre eine 1:1 Kopie zu dem Zeitpunkt schon schwanger gewesen und somit auch ihr Doppelgänger) ausgetauscht wurde. Damit fügt sich auch die Frau mit der Augenklappe wunderbar ins Bild, die die echte Amy gefangen hält und auch in dieser Doppelfolge mehrere Aufwartungen macht. Matt Smith kann man für seine zweifache Darstellung des Doctors loben. Von beruhigend bis bedrohlich, von heiter bis unheimlich – alles ist dabei, oft in aufeinander folgenden Szenen und sehr überzeugend. Ein nettes Gimmick waren auch die Zitate, die die Kopie des Doctors beim ersten Auftritt bringt: William Hartnell (“One day we shall get back, yes, one day.”), Jon Pertwee („Reverse the polarity of the neutron flow“) und Tom Baker (“Would you like a Jelly-Baby?”) lassen grüßen.
Der Cliffhanger liefert natürlich einen ordentlichen WTF-Moment und man möchte nun wissen, wie es weiter geht. Ein bisschen schade daran ist lediglich, dass das eigentliche Abenteuer der Doppelfolge dadurch gleich etwas in den Hintergrund geschoben wird. Im einen Moment fliegen dem Zuschauer noch die moralischen Fragen durch den Kopf, die durch die Doppelgänger aufgeworfen wurden und im nächsten kommt der Schock mit einer zerfließenden Amy, gefolgt von der echten, bei der gerade die Wehen eingesetzt haben.

Die nächste Geschichte, bestehend aus „A Good Man Goes to War“ und „Let’s Kill Hitler“ (beide von Steven Moffat), wurde durch eine mehrwöchige Pause getrennt. Der erste Teil diente als Mid-Season-Finale und wurde am vierten Juni 2011 ausgestrahlt. Die Fortsetzung wurde (erst) am 27. August gezeigt. Zum ersten Teil machte die BBC außerdem ein Prequel direkt im Anschluss an „The Almost People“ verfügbar. Dort betreibt Dorium Maldovar (Simon Fisher-Becker) einen Handel mit den kopflosen Mönchen, die scheinbar hinter der Entführung von Amy beziehungsweise ihrem Kind stecken, und warnt diese vor dem Doctor.
Da beide Teile mehr oder weniger abgeschlossene Folgen sind, wird die Doppelfolge auch in diesem Artikel getrennt behandelt.

„A Good Man Goes to War“ zeigt, wie der Doctor und Rory eine Menge Verbündete um sich versammeln (sowohl bekannte als auch neue Gesichter sind dabei), um Amy und ihr Neugeborenes aus den Händen von Madame Kovarian (Frances Barber) – der Frau mit der Augenklappe – und ihren Truppen zu befreien. Der Inhalt der Folge lässt sich dabei am besten durch dieses Gedicht zusammenfassen:
Demons run when a good man goes to war;
Night will fall and drown in sun;
When a good man goes to war;
Friendship dies and true love lies;
Night will fall and the dark will rise;
When a good man goes to war;
Demons run but count the cost;
The battles won but the child is lost.

Ein geradezu grandioses Mid-Season-Finale, wo man überhaupt nicht weiß, wo man anfangen soll. Beginnen wir einfach vorne. Amy hat ihr Kind zur Welt gebracht und befindet sich in „Demons Run“, einer Raumstation auf einem Asteroiden im 52. Jahrhundert, wo die Frau mit der Augenklappe, Madame Kovarian, sehr begierig der Neugeborenen Melody Pond entgegenblickt. Das Baby ist als Waffe gegen den Doctor geplant und im Verlauf der Folge machen sich Vorahnungen beim Zuschauer breit, wie diese „Waffe“ eingesetzt wird. Nicht umsonst wurden uns vor Beginn der Episode Ausschnitte von dem Mädchen aus dem Staffelauftakt gezeigt, von dem wir bereits wissen, dass es sich regenerieren kann – und in einem Astronautenanzug haben wir das Kind auch bereits gesehen. Wir erfahren auch, dass Melody Timelord-DNA hat und wahrscheinlich regenerieren kann – eine Eigenschaft, die den Timelords vorbehalten ist – und daraus lässt sich schließen, dass es sich bei dem kleinen Mädchen aus dem Auftakt um Amys Tochter handelt. Aber wie lässt sich das erklären, wenn der Doctor nicht der Vater ist, sondern Rory? Der Doctor gibt die Erklärung: Da Amy und Rory ihre Hochzeitsnacht in der TARDIS verbracht haben, hat sich das auf die Zeugung des Kindes ausgewirkt (der Einfluss der TARDIS auf Personen, die mit dem Doctor reisen, wurde schon des Öfteren mal zur Sprache gebracht und unter Anderem als Erklärung dafür angeführt, weshalb die Mitreisenden des Doctors fremde Sprachen verstehen und auch lesen können). Melody hat zwar keinen „Timehead“ (eine Befürchtung, die Amy in einer vorherigen Folge einmal ansprach), aber einige Eigenschaften der Timelords angenommen. Der eigentliche Knaller der Folge kommt aber zum Schluss: Melody Pond ist River Song! Aber mehr dazu später.
Um Amy und ihr Kind zu befreien, benötigt der Doctor eine kleine Armee. Demons Run wird von den kopflosen Mönchen und menschlichen Soldaten kontrolliert, die allesamt dem Doctor feindselig gegenüber stehen und ihn vernichten wollen. Außerdem steht eine ganze Legion der Cybermen bereit zum Kampf gegen den Doctor. Aber statt nun ein weiteres Abenteuer mit den Kollegen von Mondas aus der Folge zu machen, werden die Cybermen gleich zu Anfang der Folge auf explosive Weise aus dem Weg geräumt – wobei der Doctor auf eine persönliche Erscheinung verzichtet und stattdessen Rory die Ehre eines imposanten Auftritts überlässt.

Rory’s Message for the Cybermen

Der Doctor sammelt anfangs Personen für seine kleine Armee ein. Darunter befindet sich Madame Vastra (Neve McIntosh), eine Silurianerin. Die Darstellerin haben wir zuletzt in der Silurianer-Doppelfolge der letzten Staffel gesehen (sogar in einer Doppelrolle), wo ein abermaliger Versuch, Menschen und Silurianer zu einem friedlichen Zusammenleben auf der Planetenoberfläche zu bringen, gescheitert ist. Es ist nicht klar, warum sich Vastra im London des späten 19. Jahrhunderts befindet. Wir erfahren lediglich, dass sie soeben Jack the Ripper zur Strecke gebracht hat und den Doctor kennenlernte als Bauarbeiten für die Londoner U-Bahn ihren Tiefschlaf beendet haben. Vastras Haushälterin Jenny Flint (Catrin Stewart), die scheinbar nicht nur ein Arbeitsverhältnis mit Vastra hat, ist ebenfalls mit von der Partie. Da dem Doctor später auch andere Silurianer zur Seite stehen, ist anzunehmen, dass er mit Vastras Hilfe silurianische Verstärkung bekommen hat.

Eine weitere neue Figur ist Commander Strax (Dan Starkey, der vorher bereits einige Sontarans spielen durfte), den der Doctor im 41. Jahrhundert (Kampf von Zaruthstra) aufgabelt. Auch hier ist unklar, unter welchen Umständen Strax erstmals auf den Doctor stieß, aber Strax schuldet dem Timelord ebenfalls einen Gefallen. Dorium haben wir bereits vorher gesehen (als er River Song einen Vortex-Manipulator in „The Pandorica Opens“ besorgte und im Prequel zu dieser Folge). Er ist zwar eine zwielichtige Figur, aber scheint dem Doctor ebenfalls einen Gefallen schuldig zu sein, so dass er auch am Kampf um Demons Run teilnimmt. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit den Judoon und in einer kurzen Sequenz kommen auch Captain Avery und sein Sohn vor, die wir zuletzt in „The Curse of the Black Spot“ gesehen haben. Ein kurzer Auftritt von „Danny Boy“ und den weltalltauglichen Spitfires aus „Victory of the Daleks“ wird dem Zuschauer auch gezeigt. Rory wurde losgeschickt, um River Song aus dem Gefängnis abzuholen. Aber River weigert sich und wir sollen später in der Folge erfahren, warum.
Der eigentliche Kampf, in dem der Doctor sehr geschickt die Soldaten und die Mönche gegeneinander ausspielt und schließlich zum Niederlegen der Waffen zwingt, ist einer der Höhepunkte der Folge. Zum Sieg trägt dabei auch eine feindliche Soldatin bei, Lorna (Christina Chong), die den Doctor als Kind bereits einmal gesehen hat und der Armee nur beigetreten ist, um den Doctor wiederzusehen (In „The Official Doctor Who Annual 2013“, erschienen im August 2012, wurde die Vorgeschichte von Lorna übrigens veröffentlicht). Lorna stammt aus den Gamma Wäldern (wo immer die auch sind) und behandelt Amy – im Gegensatz zu ihren Kameraden – freundlich, wobei sie ihr eine Stickerei übergibt, die – wie sich später herausstellt – den Namen Melody Pond in Lornas Heimatsprache trägt: River Song. Damit schließt sich ein weiterer Kreis um die Nachricht, die Idris in „The Doctor’s Wife“ an Rory weiter gegeben hat: „The only water in the forest is the river.“ – somit wurde aus „Pond“ „River“ und aus „Melody“ „Song“ gemacht.
Mit diesen ganzen Informationen werden zwei Dinge klar: 1. River konnte nicht zur Unterstützung mitkommen. Sie wusste bereits, wie der Kampf um Demons Run ausgehen würde und dass es unvermeidlich war, dass Melody weiterhin in der Obhut von Madame Kovarian bleibt – schließlich kennt sie ihre eigene Vergangenheit und kann diese nicht abändern (jedenfalls nicht, ohne dabei ein Paradoxon zu erzeugen). 2. Dem Zuschauer wird deutlich gemacht, dass Melody eine Waffe gegen den Doctor ist. Mit der zusätzlichen Info, dass River wegen des Mordes an einem „guten Mann“ im Gefängnis sitzt (und dieser Folgentitel ebenfalls den „guten Mann“ im Titel trägt), können wir nun drauf schließen, wer in „The Impossible Astronaut“ den Doctor erschießt: Melody/River wurde dazu ausgebildet, den Doctor zu töten.
Was wir noch nicht wissen ist, wie Melody zu River wurde – was in der Zeit passierte, in der sie vom Kind zur Heranwachsenden und schließlich zur jetzigen River Song wurde. Außerdem bleibt noch das große Geheimnis offen, wie der Doctor seinem eigenen Tod entgehen wird. Er hat zwar nun schon vom Ereignis gehört und kann sich zusammenreimen, wer ihn umbringen wird, aber er hat noch nicht alle Informationen (Zeit und Ort des Geschehens sind z.B. noch offen). Somit müssen wir weiter darum bangen, ob und wie er seinen Tod verhindern wird.
Alles in allem wohl eine der besten Folgen der ganzen Serie. Es gibt sehr viele Antworten zum etablierten Staffelbogen, alte und neue Nebenfiguren treten auf und die Geschichte fügt sich nahezu perfekt in die Serie beziehungsweise die aktuelle Staffel ein. Da erscheint die lange Pause bis zur nächsten Folge besonders grausam. Der einzige Kritikpunkt, der spontan ins Auge fällt, ist wohl die Motivation der Antagonisten – vor allem der Soldaten – den Doctor überhaupt zu bekämpfen. Die kleine Bemerkung in Richtung Atraxi oder die Zerstörung der Cybermen (die bekanntlich allen Menschen gegenüber feindseilig handeln) dürften doch kaum genug Anlass sein, im Doctor einen gnadenlosen Kämpfer zu sehen, der vernichtet werden muss, oder?

Am 15. August 2011 wurde ein Prequel zur nächsten Folge von der BBC veröffentlicht. Amy ruft darin in der TARDIS an, hat aber nur den Anrufbeantworter an der Strippe. Sie fleht den Doctor an, weiterhin nach Melody zu suchen und ihr mitzuteilen, sobald er etwas heraus findet. Sie möchte dabei sein, wenn Melody aufwächst.

In „Let’s Kill Hitler“ hat sich der Doctor auf die Suche nach Melody begeben und landet schließlich wieder bei Amy und Rory als plötzlich Mels (Nina Toussaint-White) auftaucht, ein neuer Charakter, der den Rückblicken nach zusammen mit Amy und Rory aufgewachsen ist. Mels zwingt den Doctor, die TARDIS ins Jahr 1938 zu bewegen, um Adolf Hitler zu töten. Wie sich herausstellt, nur ein Vorwand, um den Timelord besser kennen zu lernen und anschließend umzubringen – denn Mels entpuppt sich als Melody Pond a.k.a. River Song, in die sie diese Folge auch regeneriert. River gelingt es, den Doctor zu vergiften – mit einem Gift vom „Judas Tree“, welches eine Regeneration verhindert und wogegen es kein Gegenmittel gibt. Es sieht so aus als wenn weder Amy noch Rory oder die Crew der „Teselecta“ den Tod des Doctors verhindern könnten.

Eine sehr gute Folge, aber nach „A Good Man Goes to War“ auch ein wenig enttäuschend. Während es bei Einzelabenteuern oft erfrischend ist, viele witzige Einlagen zu haben, wirken hier Dinge wie „Hitler im Wandschrank“ oder die freundlichen Aufforderungen der Antikörper des Teselecta („You will experience a tingling sensation and then death.“ ) fehl am Platze. Thematisch gesehen haben wir gerade eine sehr ernste Folge bekommen, wo nicht nur das Leben des Doctors auf dem Spiel stand sondern auch Rivers Verwandlung von „der Waffe gegen den Doctor“ zu seiner Verbündeten (und Geliebten) im Vordergrund stehen. Das Drama wird hier in einen Mantel aus Slapstick gehüllt, der um einiges transparenter hätte sein müssen.
Des weiteren gibt es einige kleinere Ungereimtheiten, die paradox erscheinen: Wie kam die frisch regenerierte Melody aus dem Jahr 1969 dazu, in Amys und Rorys Kindheit wieder aufzutauchen? Warum haben wir Mels in der letzten Staffel nicht schon gesehen, wo weit mehr als nur die Hochzeit von Amy und Rory gezeigt wurde? Dann ist da noch das Paradoxon mit Melodys Namen, den Amy letztlich von ihrer eigenen Tochter bekommen hat.
Aber gut, das sind ein paar Kleinigkeiten, die nicht zu stark ins Gewicht fallen sollten. Rivers Entstehungsgeschichte alleine bietet schon genug Aha-Momente, um das mehr als auszugleichen und sowohl Kingston als auch Toussaint-White (von der man vielleicht gerne noch mehr gesehen hätte) geben eine gute Performance ab. Amys Wunsch aus dem Prequel wurde ebenfalls erfüllt, auch wenn sicher nicht in der Form, wie sie es gerne gehabt hätte. Schön war auch, dass Rory sich in der Folge ganz gut macht und schon beinahe die Züge eines Actionhelden annimmt.
Kommen wir zum Teselecta: Eine hübsche Idee, die dem Doctor am Ende die nötigen Informationen (Ort und Zeit) zu seinem Ableben beschert. Wobei die Crew ähnliche Probleme mit der Genauigkeit von Zeitreisen hat wie unser Timelord. Es mutet schon arg zufällig an, dass sie Hitler fälschlicherweise bereits im Jahre 1938 heimsuchen und der Sinn und Zweck ihrer Missionen („to give’em hell“) wird auch vom Doctor in Frage gestellt. Auf jeden Fall erfahren wir nun eines mit Sicherheit: Obwohl River ihrem Training durch die Silence am Ende der Folge abgeschworen hat, wird sie am Lake Silencio den Doctor erschießen – ein Fixpunkt, wie wir erfahren und damit ein nicht abwendbares Ereignis. Oder?
Der Doctor selbst hat in dieser Folge einiges durchzustehen, wobei wir in einer Szene sämtliche Begleiterinnen seit dem Neustart der Serie in 2005 zu sehen bekommen. Smiths Darstellung lässt dabei kaum zu Wünschen übrig und für den Zuschauer ist es ein kleiner Schock als der Doctor schließlich der Wirkung des Gifts erliegt. Aber River rettet ihn dann doch, indem sie ihn mit ihrer (gesamten) verbliebenen Regenerationsenergie wiederbelebt – womit der Tod des Doctors vorerst rückgängig gemacht wird. Aber da ist ja noch der Fixpunkt aus dem Staffelauftakt. An dieser Stelle sei auch noch einmal explizit angemerkt, dass der Doctor am Ende davon spricht, dass River ihre „verbliebenen Leben“ genutzt hat, um den Doctor zurück zu holen – von möglichen neuen Regenerationen, die er dadurch erlangt haben könnte, wird kein Wort verloren.
Zuletzt noch ein paar Anmerkungen: „The First Question“ wird erwähnt, aber wie die erste Frage genau lautet, bleibt offen. Die Silence werden als religiöse Bewegung oder Orden angegeben. Der Begriff „Spoilers“, den River in früheren Folgen so oft verwendet, wird hier vom Doctor eingeführt – außerdem schenkt er ihr das (noch leere) TARDIS-Tagebuch, welches wir schon öfter gesehen haben. River bekommt von der TARDIS gezeigt, wie man sie bedient und wir wissen nun, weshalb der Doctor zu dem Zeitpunkt verhindert war („Time of Angels“). Zu guter Letzt beginnt River ihr Archäologie-Studium – womit sich ein weiterer Kreis schließt.

In „Night Terrors“ (von Mark Gatiss) empfängt der Doctor einen Hilferuf von einem kleinen Jungen. George (Jamie Oram) fürchtet sich vor fast allem und seine Eltern, Alex (Daniel Mays) und Claire (Emma Cunniffe), sind der Verzweiflung nahe. Als der Doctor, Amy und Rory zu Hilfe eilen und im riesigen Wohnkomplex nach dem Jungen suchen, passieren bereits die ersten merkwürdigen Ereignisse und der Doctor bemerkt schnell, dass die Angst des kleinen George vor den Gegenständen in seinem Schrank nicht unbegründet ist.

Diese Folge war für die erste Staffelhälfte geplant und das merkt man ihr (leider) auch an. Mit keinem Wort werden die Ereignisse der letzten Folge erwähnt, stattdessen wird stumpf ein Einzelabenteuer präsentiert, was lediglich am Ende daran erinnert, dass der Doctor ein Ablaufdatum hat. Sieht man darüber hinweg, dürften vor allem die jüngeren Zuschauer der Serie aber ein Abenteuer bekommen, was ihnen schlaflose Nächte bereiten wird. Denn was ist schon unheimlicher für einen kleinen Jungen als das eigene Kinderzimmer, wenn abends das Licht ausgemacht und die Tür geschlossen wird?
Während Amy und Rory relativ zügig in das Puppenhaus verbannt werden – wo auch einige der Nebenfiguren und schließlich Alex und der Doctor landen – und sich vor den unheimlichen Einwohnern darin in Acht nehmen müssen, ergründet der Doctor das Geheimnis um George, der sich als kein normales Kind entpuppt. Es wird gut mit Kinderängsten gespielt, wobei die Geschichte um ein außergewöhnliches Kind nicht unbedingt neu ist – „The Empty Child“ oder „Fear Her“ dürften dem Zuschauer sofort einfallen. Für eine wirklich spannende Geschichte verläuft „Night Terrors“ ein wenig zu geradlinig. Man kann schnell ahnen, wo Amy und Rory gelandet sind und eine echte Überraschung kommt nicht vor. Dafür ist die Atmosphäre aber sehr schön eingefangen und lädt zum Gruseln ein. Als schöne Abwechslung wird in dieser Folge nicht Rory sondern Amy von den „Monstern“ erwischt und verwandelt sich in eine der unheimlichen Puppen – Sorgen um sie macht sich der Zuschauer dabei allerdings nicht und auch Rory scheint gegen Ende keine Zweifel daran zu haben, dass Amy wieder normal wird.
Sicher zusammen mit „The Curse of the Black Spot“ eine der schwächeren Folgen dieser Staffel, auch wenn die jüngeren Zuschauer das vielleicht anders sehen.

In „The Girl Who Waited“ (von Tom MacRae) will der Doctor Amy und Rory den „Ferienplaneten“ Apalapucia zeigen. Dort angekommen, wird Amy von den beiden getrennt und der Doctor muss feststellen, dass der Planet unter Quarantäne steht. Während der Doctor und Rory problemlos zurück in die TARDIS finden, ist Amy in einem anderen „Zeitstrom“ gefangen. Rory eilt zur Rettung und trifft auf die inzwischen um 36 Jahre gealterte Amy.

Normalerweise würde sich der Rezensent hier über das offensichtliche Paradoxon beschweren: Mit Hilfe der älteren Amy wird die jüngere Version gerettet, was dazu führen müsste, dass es die ältere nie gegeben hat, was dazu führen müsste, dass die jüngere nie gerettet wird, usw. – aber wir lassen an dieser Stelle mal die Logik hinter den Geschehnissen außen vor, denn der große Widerspruch wird in der Folge vom Doctor selbst thematisiert (wobei er sich aber nur auf die doppelte Erscheinung seiner Begleiterin bezieht) und ist auch nicht das Thema, was im Vordergrund steht.
„Was wäre, wenn…“ ist das Leitmotiv der Folge. Was wäre, wenn Amy sich 36 Jahre lang alleine durchschlagen müsste, in einer feindlichen Umgebung? Was wäre, wenn sie so lange auf den Doctor und Rory hätte warten müssen? Was wäre, wenn es auf einmal zwei Versionen von Amy gäbe? Was wäre, wenn…
Karen Gillan bekommt hier die Chance, zwei unterschiedliche Versionen von Amy Pond zu spielen, die im Verlauf der Geschichte aufeinander treffen (es war übrigens ihre Idee, auch die ältere Amy zu spielen – ursprünglich hatte man eine andere Schauspielerin dafür vorgesehen). Und sie liefert dabei wohl eine beziehungsweise zwei der besten Darstellungen, die man von ihr bis dato in der Serie zu sehen bekommt. Was man dem Autor MacRae hoch anrechnen muss, ist die Tatsache, dass er keine einfache Lösung wählt, um das Thema „doppelte Amy“ zu beenden. Ungleich „The Almost People“, wo der zweite Doctor am Ende stirbt, um den anderen die Flucht zu ermöglichen, verzichtet „The Girl Who Waited“ auf eine derartige Option (obwohl die sich angeboten hätte). Somit bleibt Rorys Konflikt bis zum (bitteren) Ende bestehen, auch wenn seine Entscheidung nur allzu offensichtlich ausfällt. Die Screentime vom Doctor ist ein wenig eingeschränkt (und besteht meist nur aus technischem Gerede), so dass der Fokus beinahe durchgehend auf Amy und Rory liegt. Weitere Darsteller kommen in dieser Episode nicht vor (sieht man einmal von den paar Stimmen und dem Check-in Girl ab) und dass es sich um eine Low Budget Folge handelt, fällt kaum auf – die meisten Räumlichkeiten sind zwar ziemlich karg gehalten, aber dafür kommt dann z.B. das Set im Garten umso deutlicher zur Geltung.

Goodbye, old Amy!

Alles in allem eine großartige Folge mit einem ernsten Thema, über das der Zuschauer noch längere Zeit nach Ende der Episode nachdenken kann. Nebenbei: Auch „The Girl Who Waited“ wurde für einen Hugo Award nominiert, verlor aber gegen „The Doctor’s Wife“.

In „The God Complex“ (von Toby Whithouse) landen der Doctor, Amy und Rory in einem – wie es scheint – Hotel im Stil der 80er Jahre. Dort treffen sie auf Rita (Amara Karan), Howie (Dimitri Leonidas), Joe (Daniel Pirrie) und den Außerirdischen Gibbis (David Walliams), die den dreien erklären, dass es für jeden von ihnen einen Raum im Hotel gibt, der ihre größte Angst enthält. Die Korridore des Hotels verändern sich, Fenster gibt es nicht und auch hinter der Eingangstür verbirgt sich nur eine Mauer. Obendrein verschwindet auch noch die TARDIS. Bei denen, die ihrer größten Angst entgegen geblickt haben, dauert es nicht lange, bis eine Persönlichkeitsveränderung eintritt. Anschließend werden diese Personen von einer Art Minotauren gejagt und schließlich tot aufgefunden. Während die Gruppe langsam aber sicher dezimiert wird, versucht der Doctor die Hintergründe zu ermitteln und ermahnt alle, sich nicht zu fürchten sondern am eigenen Glauben festzuhalten – ein großer Fehler, wie sich herausstellen soll.

Hat Whithouse letzte Staffel mit „The Vampires of Venice“ noch eine der schwächeren Episoden abgeliefert, kann er mit „The God Complex“ durchaus überzeugen. Das Setting hat einige Ähnlichkeiten mit dem Film „Shining“ und sorgt für eine unheimliche Atmosphäre. Dass die Verstorbenen mit einem Bild an der Wand geehrt werden, auf dem auch ihre größte Angst verzeichnet ist, trägt ebenso dazu bei. Gleichzeitig werden die Bilder genutzt, um auf zahlreiche Spezies hinzuweisen, die der Doctor (und der Zuschauer) bereits getroffen hat.
Von den Nebenfiguren bekommt Rita den markantesten Part. Der Doctor erweckt den Anschein als wenn er sie als seine neue Begleiterin auserkoren hat und Karans Figur bekommt auch am meisten Profil, darf dem Doctor auch den titelgebenden „God Complex“ vorwerfen. Als Rita dann stirbt und der Doctor das nicht verhindern kann, wird dem Zuschauer allmählich klar, worauf die Folge über hingearbeitet wird: Der Doctor verabschiedet sich am Ende von Amy und Rory und setzt die beiden auf der Erde ab, wo er ihnen ein Haus und ein Auto überlässt. Der Abschied ist eine logische Konsequenz, um dem Staffelfinale näher zu kommen. Wir wissen schließlich, dass der Doctor erst in gut 200 Jahren seinem Tod ins Auge blicken muss – Amy und Rory können offensichtlich nicht die ganze Zeit als Begleiter des Doctors dabei sein. In Bezug auf die Geschichte trennt der Doctor sich von den beiden, um sie nicht weiter in Gefahr zu bringen – was mit Blick auf Rita auch Sinn ergibt, aber doch etwas gekünstelt wirkt (in Anbetracht der vergangenen Abenteuer, die nicht weniger bedrohlich waren).
Der Minotaurus entpuppt sich als ein sehr altes Wesen, welches in einem Gefängnis steckt, das nur wie ein Hotel aussieht. Das Gefängnis hat keine Wärter, aber der Mintaurus erwähnt dem Doctor gegenüber einen „Warden“, der immer wieder Leute im Hotel absetzt, um die Kreatur mit Nahrung zu versorgen – er nährt sich dabei nicht von der Angst, sondern vom Glauben der unfreiwilligen Gäste. Als der Doctor das erkennt, ist es beinahe schon zu spät für Amy, die zwar nicht religiös ist, aber an den Doctor glaubt. Folglich bricht der Doctor ihren Glauben an ihn und besiegelt damit auch das Ende des Minotaurus. Diese Zerstörung des Glaubens an den Doctor wurde bereits in „The Curse of Fenric“ (1989) vom siebten Doctor (Sylvester McCoy) bei Ace (Sophie Aldred) angewendet. Die Folge endet damit auf einer recht traurigen Note, auch wenn die drei und Gibbis dadurch befreit werden.
Der Minotaurus (den der Doctor als einen entfernten Verwandten der „Nimons“ aus „The Horns of Nimon“ (1980) identifiziert) hat außerdem bevor er stirbt noch eine Botschaft, die offensichtlich an den Doctor gerichtet ist: „An ancient creature, drenched in the blood of the innocent, drifting in space through an endless shifting maze. For such a creature, death would be a gift.“ Interessant ist auch, dass es neben dem Raum mit Amys größter Angst (wir finden dort die kleine Amelia Pond vor, die auf den Doctor wartet) auch einen Raum (Nr. 11) für den Doctor gibt: Wir sehen zwar nicht, was oder wer genau sich darin befindet. Aber die Worte des Doctors („Of course. Who else?“) lassen auf eine Person schließen und die TARDIS-Geräusche, die wir dabei vernehmen, deuten auf einen Timelord hin. An dieser Stelle lässt sich nur darüber spekulieren, wen der Doctor dort sieht. Aber in der nächsten Staffel wird diese kleine Szene noch einen Sinn ergeben.

In „Closing Time“ (von Gareth Roberts) schaut der Doctor, der nun wieder alleine reist, bei Craig (James Corden) vorbei, den wir bereits in der letzten Staffel in der Episode „The Lodger“ kennen gelernt haben. Eigentlich will der Doctor sich nur kurz von ihm verabschieden, aber es kommt anders und die beiden geraten mitten in eine Cybermen-Invasion.

Zunächst einmal sei angemerkt, dass es ziemlich ungewöhnlich ist, mit der vorletzten Folge der Staffel ein eigenständiges Abenteuer zu bekommen, welches erst gegen Ende den Weg ins Finale einläutet. Aber es funktioniert in diesem Fall ganz gut. Während der Besuch bei Craig und seinem Baby auf die humoristische Art umgesetzt wurde, bei der der Zuschauer sich noch einmal entspannen kann – schließlich hatten wir zuvor gerade zwei emotional sehr schwere Folgen – bringen die letzten Minuten einen guten Gegensatz dazu.
Das Zusammenspiel von Smith und Corden war schon in „The Lodger“ sehr schön anzusehen und bringt nun mit Craigs Baby einen neuen Faktor ins Spiel, der gut genutzt wird. Es gibt zahlreiche Momente, wo man schmunzeln kann und auch ein Cameo von Amy und Rory ist enthalten – mit einem netten Augenzwinkern Richtung „The Girl Who Waited“ (nebenbei bemerkt ist das auch Amys neuer Spitzname). Craig scheint mit der Betreuung seines Babys überfordert zu sein, während Sophie (Daisy Haggard) verreist ist – da kommt der Doctor zum passenden Zeitpunkt vorbei.
Die Cybermen als Bedrohung zu nehmen, funktioniert aber leider nicht richtig. Es ist zwar schön, nun auch in den neuen Staffeln mal ein „Cybermat“ zu Gesicht zu bekommen, aber die Blechmänner wirken nur wenig bedrohlich und die Art, wie Craig am Ende durch die Liebe zu seinem Kind die Cybermen besiegt, wird den Bösewichten nicht gerecht.
Was den Doctor angeht, erfahren wir, dass seine Zeit bald abgelaufen ist und ihm, nachdem er sich von Craig verabschiedet hat, nicht mehr lange bis zum Ereignis am Lake Silencio bleibt. Passenderweise gibt Craig ihm noch einen Stetson mit auf den Weg und der Doctor greift sich ein paar blaue Briefumschläge – womit wir wieder an „The Impossible Astronaut“ erinnert werden. Somit ist der Doctor nun seit gut 200 Jahren alleine unterwegs gewesen, was eine recht große Lücke zu „The God Complex“ ist. Vermutlich hat er in der Zeit unter Anderem die Dinge angestellt, die Amy am Anfang von „The Impossible Astronaut“ in den Geschichtsbüchern wiederfindet. Schweren Herzens geht der Doctor am Ende seinem Schicksal entgegen.
Die letzten Minuten der Episode sind aber River Song gewidmet, die gerade ihren Doktortitel in Archäologie erlangt hat. Madame Kovarian stattet ihr einen Besuch ab und erklärt, dass der Plan der „Silence“ immer noch in Kraft sei. Wir sehen, wie River gegen ihren Willen im Astronautenanzug im Lake Silencio landet. Damit wird endgültig bestätigt, dass sie den Doctor töten wird beziehungsweise im Staffelauftakt getötet hat. Mit Spannung können wir nun dem Staffelfinale entgegen blicken.

Auch zum Finale gab es wieder ein Prequel, welches direkt im Anschluss an „Closing Time“ von der BBC online verfügbar gemacht wurde. Wir sehen dabei eine Einrichtung, in der die Silence scheinbar in Stasis gehalten werden und bekommen River Song mit Augenklappe zu sehen. WTF?

In „The Wedding of River Song“ (von Steven Moffat) muss der Doctor sich schließlich den Ereignissen aus dem Staffelauftakt stellen. River, die im Astronautenanzug steckt, weigert sich aber, die Schüsse auf den Doctor abzugeben und verursacht dadurch eine alternative Zeitlinie, in der alle geschichtlichen Ereignisse auf einen Zeitpunkt, den 22.04.2011 um 17:02 Uhr, zusammengefügt werden. Die Zeit droht zu kollabieren und damit (mal wieder) das Universum und alles Leben zu vernichten. Der Doctor muss den Fixpunkt am Lake Silencio wieder herstellen und benötigt dabei die Hilfe von Amy, Rory und vor allem River. Aber wird er, wenn ihm das gelingt, auch sterben?

Gleich zu Beginn der Folge ist die Verwirrung ziemlich groß: Wir bekommen London am oben besagten Datum zu sehen und die Geschichte / die Zeit spielt verrückt. Dabei bekommen wir einige Figuren zu Gesicht, die bereits aus älteren Folgen bekannt sind, wie z.B. Winston Churchill (Ian McNeice), der mit Caesar angesprochen wird, oder Charles Dickens (Simon Callow, aus „The Unquiet Death“), der Pläne für ein Weihnachtsspecial verkündet. Wie es zu diesem Wirrwarr gekommen ist, wird uns in Rückblicken erzählt. Verantwortlich ist River, die den Fixpunkt am Lake Silencio verhindern will. Aber in diesem Fall ist „Time can be rewritten“ keine Option. Mehr dazu später.
Zunächst einmal wollen wir uns anschauen, wie es zum veränderten London gekommen ist: Nach „Closing Time“ war der Doctor nicht untätig. Von einem Dalek erhält er Informationen über die Silence, was ihn zu Gideon Vandaleur (Niall Greig) führt, ein ehemaliges Mitglied der Silence. Der entpuppt sich als Teselecta, dessen Crew wir bereits in „Let’s Kill Hitler“ kennengelernt haben. Von denen führt die Spur weiter bis der Doctor bei Dorium Maldovar (Simon Fisher-Becker) landet, der zwar in „A Good Man Goes to War“ enthauptet wurde, aber dessen Kopf durchaus lebendig ist (wer von den kopflosen Mönchen enthauptet wird, ist keineswegs tot). Der Doctor geht der Frage nach, weshalb die Silence ihn töten wollen. Die Antwort betrifft die Zukunft des Doctors und kommt aus einer Prophezeiung: „On the fields of Trenzalore, at the fall of the eleventh, when no living creature can speak falsely or fail to answer, a question will be asked, a question that must never, ever be answered.” – die Frage, bereits bekannt als “the first question”, hören wir zunächst nicht, scheint aber am Ende der Folge auf “Doctor Who?”, den echten Namen des Doctors, hinauszulaufen. Ein Thema, was erst in der kommenden Staffel weitergeführt wird.
Trotz Doriums Ausführungen ist dem Doctor aber nicht danach, seinem schicksalhaften Treffen am Lake Silencio entgegen zu blicken. Erst als er vom Tod eines alten Bekannten, Brigadier Lethbridge-Stewart (Nicholas Courtney, der Schauspieler verstarb am 22.02.2011 und durch diese Szene wurde ihm Tribut gezollt), erfährt, ist er bereit, sich zum Lake Silencio aufzumachen und akzeptiert scheinbar den eigenen Tod. Zuvor trifft er sich aber noch einmal mit der Crew des Teselecta, die die Briefe für Amy, Rory, River, Canton und sein jüngeres Ich verteilen soll. An der Stelle kann man auch bereits ahnen, wie der Doctor gedenkt, dem Tod doch noch von der Schippe zu springen. Aber der Anschein, dass er tatsächlich zu sterben bereit ist, wird zunächst gewahrt. Und die River, die im Astronautenanzug steckt, will das verhindern und ist scheinbar erfolgreich damit, was zum oben genannten Zeitchaos führt.

An dieser Stelle ist die Episode etwa zur Hälfte vorbei und der Doctor und Winston sehen sich plötzlich den Silence gegenüber, die nach wie vor den Doctor tot sehen wollen – Wirrwarr hin oder her. Was wir ab hier zu sehen bekommen, ist ein Kampf gegen die Silence einerseits, an der auch Amy und Rory mit geänderten Persönlichkeiten teilnehmen und andererseits der Versuch des Doctors, River davon zu überzeugen, dass die Ereignisse am Lake Silencio genau so stattfinden müssen, wie im Staffelauftakt gezeigt. Am Ende gibt River nach, nachdem sie vom Doctor etwas in Ohr geflüstert bekam, was angeblich sein Name gewesen ist. An der Stelle kommt auch der Titel der Folge zu tragen, denn River und der Doctor werden vermählt – eine Szene, die leider nicht so emotional ausfällt, wie man es erwarten würde.

The Wedding of River Song

40 Minuten sind nun vergangen und es sieht aus, als wenn der Doctor am Lake Silencio durch Rivers Hand gestorben ist. Die Silence haben ihr Ziel erreicht, der Doctor ist tot. So musste es kommen, wie uns die ganze Folge immer und immer wieder eingetrichtert wurde – von den Silence, von Dorium und auch vom Doctor selbst. Aber ist er wirklich tot?
Nein. Er war zwar dort, aber er hat es mit Hilfe eines Teselectas geschafft, seinen Tod nur vorzutäuschen. Auf der einen Seite wirkt das wie ein billiger Trick, da immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass der Doctor doch sterben müsse und genau das der Fixpunkt sei. Auf der anderen Seite ergibt sich durch diesen Trick kein Widerspruch mit dem Staffelauftakt. Die Gegner des Doctors halten ihn für tot, zunächst kennt nur River sein Geheimnis, was er ihr mit dem Satz „look into my eye“ während des Ehebunds preis gegeben hat. Und Dorium, der ihn am Ende erneut an die Prophezeiung erinnert.

Im Großen und Ganzen funktioniert das Finale damit, auch wenn dabei kleinere Ungereimtheiten zurück bleiben. Da wäre z.B. die Sache mit der Berührung zwischen dem Doctor und River, wodurch der Fixpunkt wieder hergestellt wird. Wenn er doch im Teselecta ist, weshalb sorgt dann die Berührung zwischen Teselecta und River zur Wiederherstellung? Oder sollte es die Zerstörung des Teselectas gewesen sein, die von Anfang an notwendig war? Oder ist der Doctor im Teselecta erst zur Hand spaziert (als sich die beiden erstmals berühren) und später beim Kuss in den Mundbereich? Witzige Vorstellung.
Die ganze Reboot-Sache fühlt sich dabei in etwa so an wie in „The Big Bang“, kommt aber etwas logischer daher und nutzt auch Amys besonderes Erinnerungsvermögen, welches bereits in der letzten Staffel etabliert wurde. Rory sorgt mal wieder für einige der witzigeren Szenen und wird von den Silence lustigerweise als „the man who dies and dies again“ bezeichnet.
Insgesamt bleibt eine verrückte Achterbahnfahrt, wie man es von der Serie gewohnt ist und die durchaus zu überzeugen weiß. Rivers Geschichte ist nun abgeschlossen, der Doctor muss demnächst leiser treten und was es mit Trenzalore und der ersten Frage auf sich hat, bleibt zunächst offen.

Rückblickend ist es wohl eine der besten Staffeln bisher gewesen. Selbst die etwas schlechteren Einzelabenteuer konnten gut mithalten und der Staffelbogen hatte eine deutlich größere Bedeutung als es bisher der Fall war. Dadurch, dass man die meisten Abenteuer damit verwebt hat – statt wie sonst nur kurze Hinweise darauf zu geben, wie es seit „Bad Wolf“ der Fall war – bekommt die Staffel eine größere Bedeutung und das merkt man vor allem bei Amy und River, die hier eine enorme Entwicklung durchgemacht haben. Aber auch der Doctor bekommt mehr Profil als sonst zugeschrieben, da bleibt vor allem „The Doctor’s Wife“ im Gedächtnis. In diesem Stil dürfen die Staffeln jedenfalls gerne weitergehen, die Mischung zwischen einzelnen Abenteuern und bedeutungsvollen für die gesamte Staffelhandlung wurde abgesehen von kleineren Ausnahmen nahezu perfekt getroffen. Auf der anderen Seite hat die Serie dadurch an Komplexität zugenommen. Die Aufmerksamkeit des Zuschauers wird mehr gefordert als bisher (teilweise ist es ratsam, sich eine Folge zweimal anzusehen). Gerade die jüngeren Zuschauer dürften dabei Probleme bekommen, dem Geschehen zu folgen. Um es vorweg zu nehmen: Dieser Weg wurde in der nächsten Staffel nicht beibehalten, es wurde wieder in Richtung Einzelabenteuer zurückgeschraubt – aber mehr dazu im nächsten Artikel.

Am gleichen Tag wie das Finale lief außerdem auf BBC Three im Rahmen von „Doctor Who Confidential“ die Mini-Episode „Death Is the Only Answer“. Die Episode wurde von den Schülern der „Oakley CE Junior School“ geschrieben, womit diese einen Skript-Wettbewerb gewannen. Einen Link dazu gibt es hier.

Die nächste und letzte Folge, die an dieser Stelle besprochen wird, ist das Weihnachtsspecial vom 25.12.2011. In „The Doctor, the Widow and the Wardrobe“ (geschrieben von Steven Moffat) gibt sich der Doctor gegenüber der kürzlich verwitweten Madge Arwell (Claire Skinner) und ihren Kindern Cyril (Maurice Cole) und Lily (Holly Earl) als Hausverwalter aus. Es liegt auch schon ein großes Geschenk vom Doctor für die morgige Bescherung unter dem Weihnachtsbaum, welches Cyril sich schon des Nachts ansehen möchte. Darin befindet sich ein Portal zu einem anderen Planeten. Nach und nach folgen zunächst der Doctor und Lily und schließlich auch Madge dem kleinen Jungen in einen weihnachtlichen Wald. Aber der Wald steht kurz davor, einem Säureregen ausgesetzt zu werden.

Für ein Weihnachtsspecial ganz angenehme 60 Minuten, auch wenn die ersten Minuten die Grenze des Glaubwürdigen mehrfach überschreiten – da wollte man wohl unbedingt einen großen Auftritt des Timelords reinbringen. Dafür ist die Geschichte um Madge, Cyril und Lily aber sehr gut gelungen und sorgt vor allem mit dem Happy End für eine weihnachtliche Stimmung. Dass die Geschichte Anleihen von C.S. Lewis „The Lion, the Witch and the Wardrobe“ nimmt, ist nicht ungewöhnlich, hatten wir doch letztes Mal bereits eine veränderte Version von Charles Dickens „A Christmas Carol“. Die Ideen, wie der Doctor das Haus umgestaltet hat, wussten jedenfalls zu gefallen (welches Kind hätte nicht gerne einen dritten Wasserhahn, der Limonade hergibt?) und der „Weihnachtswald“ sorgte für eine nette Atmosphäre – ein passender Gegensatz zur Epoche, in der die Handlung angesiedelt ist.
Kritisieren ließe sich der etwas aufgesetzt wirkende Umweltschutz-Aspekt sowie die drei Figuren, die mit ihrem Gefährt kurz vor dem Säureregen unterwegs sind (und nebenbei die einzigen Bösewichte – falls man sie überhaupt so nennen kann – der Folge sind).
Das Ende beschert uns auch eine kurze Szene mit Amy und Rory, die der Doctor im Anschluss an das Abenteuer besucht. Zwar wissen sie bereits, dass er im Staffelfinale nicht gestorben ist und er bekommt eine kurze Schelte, weil er ihnen das nicht mitgeteilt hat. Aber natürlich darf der Doctor am Weihnachtsschmaus teilnehmen – der Platz ist, wie jedes Jahr, bereits gedeckt.

Mit der 33. beziehungsweise siebten Staffel von Doctor Who änderte die BBC den Ausstrahlungszeitraum der vergangenen Jahre – mal wieder. Statt im April mit der neuen Staffel zu beginnen, mussten die Fans bis zum ersten September 2012 warten. Zudem wurde die Staffel geteilt, denn nach der fünften Folge am 29.09.2012 gab es eine Pause bis zur Weihnachtsfolge, die erneut am 25.12. gesendet wurde und erst am 30.03.2013 ging es dann mit den verbleibenden Folgen weiter bis zum Staffelfinale am 18.05.2013. In diesem Artikel wird ebenfalls die Folge zum 50. Jubiläum am 23.11.2013 und die darauf folgende Weihnachtsfolge besprochen, in welcher der elfte Doctor, gespielt von Matt Smith, schließlich seine Abschiedsvorstellung gab und Peter Capaldi als neuer zwölfter Doctor das Ruder übernimmt.
Anmerkung: Zur Zählweise der Doctor-Inkarnationen wird es später noch eine Erläuterung geben, denn die Jubiläumsfolge verkompliziert die Sache etwas.

Als Begleiter stehen dem Doctor zunächst wieder Amy (Karen Gillan) und Rory (Arthur Darvill) zur Seite, die aber mit der fünften Folge verabschiedet wurden. Als neue Begleiterin betritt dann etwas später die mysteriöse Clara Oswald (Jenna-Louise Coleman) die TARDIS.

Old and new Team.

Bevor die siebte Staffel los ging, gab es am 24.05.2012 im Rahmen der CBBC Sendung „Blue Peter“ die Mini-Episode „Good as Gold“ (Laufzeit: Etwa drei Minuten) zu sehen, die von den Schülern der „Ashdene School“ geschrieben wurde. Ähnlich wie zuvor die Mini-Episode „Death Is the Only Answer“ entstand die Folge durch einen Schreibwettbewerb.

Außerdem gab es die fünfteilige Reihe „Pond Life“ vorab zum Start der neuen Staffel. In den etwas mehr als fünf Minuten bekommen wir einige witzige Einblicke in das Leben der Ponds und eine Art Ankündigung kommender Abenteuer zu sehen. Außerdem zeigt das Ende, dass die Beziehung zwischen Rory und Amy stark kriselt.
Die regulären Folgen wurden zudem des Öfteren von kurzen Prequels begleitet – eine Methode, die bereits in der letzten Staffel mehrfach zum Einsatz kam.

Mit „Asylum of the Daleks“ (von Steven Moffat) ging die siebte Staffel schließlich an den Start. Jenna-Louise Coleman sollte bereits hier einen Überraschungsauftritt haben. Aber zunächst zur Episode an sich: Die Ponds sind gerade dabei, sich scheiden zu lassen, als sie von Daleks entführt werden und dabei wieder auf den Doctor treffen, der ebenfalls von seinen Erzfeinden in eine Falle gelockt und entführt wurde. Wie sich herausstellt, soll der Doctor den Daleks helfen, denn die haben Probleme mit ihrem Asylum – einer Art Irrenhaus-Planeten für durchgedrehte Daleks. Der Doctor, Amy und Rory werden nun auf dem Planeten abgesetzt, um das planetenweite Schutzschild auszuschalten und den Daleks damit zu ermöglichen, den Planeten zerstören zu können.

Die Folge an sich ist clever geschrieben, bietet tolle Sets und Special Effects, zeigt verschiedene Dalek-Sorten (wenn man sich z.B. im großen Dalek-Raumschiff genau umsieht, sind da neben den neuen auch ältere Schwarz/Weiß-Modelle und größere rote Daleks vertreten) und liefert einige neuartige Hybriden zwischen Dalek und Mensch. Das Tempo ist hoch, Zeit zum Durchatmen bleibt kaum und der Auftritt von Jenna-Louise Coleman als Oswin Oswald bietet zum Ende einen interessanten Twist, der ein Wiedersehen mit der Figur selbst für Who-Maßstäbe unmöglich gestalten sollte.
Was an der Folge stört, sind einige Logiklöcher, die der Doctor teils selbst anspricht: So scheint es ziemlich merkwürdig, dass die Daleks ihre durchgeknallten Kollegen nicht in gewohnter Form exterminieren (wie es in älteren Folgen durchaus öfter mal der Fall gewesen ist), sondern auf dem Irrenhaus-Planeten abgesetzt haben – die Erklärung, dass man den „Hass“ der fehlgeleiteten Daleks bewundere, mutet dabei dürftig an. In dem Fall würden schließlich auch andere Spezies, die sich dem Bösen verschrieben haben, nicht von den Daleks ausgelöscht sondern in eine solche Verbannung geschickt werden. Was auch ziemlich absurd klingt: Das Schutzschild lässt sich nur von innen abschalten, aber es gibt keine Wachen im vollautomatischen Irrenhaus. Wenn man ein Gefängnis für Wahnsinnige macht, mutet es doch merkwürdig an, die Kontrolle über ein Schutzschild im Gefängnis anzubringen, oder? Zumal man ja möchte, dass sie dort für immer gefangen gehalten werden. Und wer hat denn überhaupt die Daleks angekettet und eingesperrt, die unsere Helden dort vorfinden wenn es dort keinerlei Wachen gibt? Mit anderen Worten: Diese beiden Logiklöcher führen das ganze Abenteuer eigentlich ad absurdum.
Toll war allerdings der Auftritt von Coleman, der sich wirklich sehen lassen konnte. Das Wortspiel mit „eggs“ und „exterminate“ war auch gelungen, wenn auch vielleicht ein bisschen zuviel des Guten, denn damit ließ sich der Twist mit Oswin, die sich als Dalek entpuppt, bereits erahnen.
Die Trennung von Rory und Amy beziehungsweise der Grund dafür mutete eher schwach an – nach allem, was die beiden bereits zusammen durchgestanden haben, war Amys Unfruchtbarkeit seit „Demon’s Run“ jedenfalls eher Anlass für einen Facepalm-Moment als ein triftiger Trennungsgrund. Für den Doctor gab es auch genug zu tun, wobei es Spaß machte, Smith in der Rolle zu sehen – egal welche Szene, mittlerweile hat er den Doctor im Blut. Was die Daleks angeht, bekamen die zuletzt mit „Victory of the Daleks“ ein Abenteuer, das sie zurück auf die Bildfläche brachte und wurden mit dieser Episode wieder in einen unheimlicheren Gegenspieler verwandelt, auch wenn sie nun nichts mehr vom Doctor wissen (ein Punkt, der ebenfalls etwas unlogisch erscheint).
Insgesamt eine gute Episode mit logischen Abzügen, wobei zum Ende gerne noch ein Satz über die Nano-Wolke hätte verloren werden können – denn auf Amys Verwandlung wurde leider nicht mehr eingegangen als das Abenteuer vorbei war.

Die zweite Folge der Staffel nennt sich „Dinosaurs on a Spaceship“ (von Chris Chibnall) und spielt im Jahre 2367. Ein unbekanntes Raumschiff steuert auf die Erde zu und wird von der heimischen Weltraumbehörde abgeschossen werden, sollte es seinen Kurs nicht ändern. Der Doctor versammelt ein Team um sich und stattet dem Weltraum-Gefährt einen Besuch ab. Dabei kommen sie dem Bösewicht Solomon (David Bradley) auf die Schliche und treffen auf allerhand Gefahren, die – wie der Titel schon sagt – hauptsächlich ausgestorbener Natur sind.

Eine Episode, die vor allem Spaß machen soll und dies auch größtenteils schafft. Von kleineren Gags wie der „Indian Space Agency“ bis zu einem Ritt auf einem Triceratops ist vieles dabei, was den Zuschauer schmunzeln oder lachen lässt. Bei den Sauriern wurde dabei auf eine Mischung aus CGI und echten Modellen gesetzt, was optisch gut funktioniert. Neben den Ponds stehen dem Doctor dabei die ägyptische Königin Nofretete (engl.: „Nefertiti“, gespielt von Riann Steele), der Großwildjäger John Riddell (Rupert Graves) und Rorys Vater Brian (Mark Williams) zur Seite. Aufgrund der Fülle an Figuren wirkt die Episode damit auch etwas überladen, was den irrsinnigen Spaß aber nur bedingt schmälert. Eine Bereicherung ist auf jeden Fall Brian, der von allen Nebenfiguren noch die meiste Screentime bekommt und der auch die besten Gags machen darf. Außerdem hätte ich gerne noch seine Solo-Reisen mit dem Doctor gesehen. Nofretete und Riddell bleiben zu blass, wobei man sich ohnehin fragt, wie der Doctor zu einer Freundschaft mit einem Tierjäger gekommen ist. Die Ponds dürfen sich in ihren Szenen nützlich machen und gehen das Abenteuer sehr professionell an, was den beiden gut steht.
Ernsthafte Momente sind nur selten zu finden. An einer Stelle führen Amy und der Doctor ein Gespräch, welches den kommenden Abschied der Ponds andeutet und kurzzeitig für ernste Stimmung sorgt. Wirklich düster wird es aber erst, als Solomon die Spielfläche betritt und sich als derjenige entpuppt, der die Crew der silurianischen Arche ermordet hat. Überhaupt interessant, dass die Silurianer ein Raumschiff gebaut haben, um das Überleben ihrer Art zu sichern. Bisher waren solche Archen meist von Menschen gebaut, wenn sie in der Serie vorkamen. Es gibt aber auch Dinge, die Kopfzerbrechen bereiten. So fies und böse Solomon auch ist, ihn am Ende sterben zu lassen widerspricht der sonstigen Haltung des Doctors und sorgt für einen bitteren Nachgeschmack. Der Doctor den wir kennen, hätte Solomon wohl eher dingfest gemacht und nicht kaltblütig von den Indern aus dem Weltraum schießen lassen.
Ein kleineres Manko wäre noch, dass der Doctor trotz TARDIS den sechsstündigen Countdown wählt, statt sich und den anderen zu Beginn des Abenteuers mehr Zeit zu verschaffen und die Arche schon zu betreten, bevor diese erst von der Erde aus wahrgenommen wird.
Insgesamt eine tolle, herrlich verrückte Folge, die durch Solomons Ende auf einer etwas zu düsteren Note endet. Anmerkung: Der Doctor wird von Solomons Gerät nicht erkannt – eine Anspielung auf seinen vorgetäuschten Tod in der letzten Staffel.

In „A Town Called Mercy“ (von Toby Whithouse) landen der Doctor, Amy und Rory im Wilden Westen, obwohl sie eigentlich zum „Day of the Dead”-Festival in Mexiko wollten. Die Stadt Mercy, in der die Handlung spielt, wird dabei von einem Cyborg – „The Gunslinger“ (Andrew Brooke) – belagert, der auf die Auslieferung von Kahler-Jex (Adrian Carborough) – auch „The Doctor“ genannt – besteht, um diesen zu töten. Jex wird dabei vom ortsansässigen Marshall Isaac (Ben Browder) geschützt, da er seit seiner Ankunft in Mercy vor 10 Jahren viel Gutes für die Stadt vollbracht hat. Nachdem der Doctor die Hintergründe über die beteiligten Außerirdischen erfahren hat, sieht er sich einem moralischen Dilemma gegenüber.

Eine sehr ernste Folge, dessen zentrale Fragestellung wohl stets aktuell bleiben wird. Sollte man eine Person opfern, wenn man hunderte dadurch retten kann? Jex hat die Frage mit einem deutlichen „Ja“ beantwortet als er die Cyborgs damals geschaffen hat und sich damit zum Kriegsverbrecher machte, um seinem Volk zum Sieg zu verhelfen. Der Doctor ist kurzzeitig auch drauf und dran, Jex dem Gunslinger auszuliefern – eine Aktion, bei der Isaac sein Leben verliert und Amy den Doctor in einer der stärksten Szenen der Folge über moralisch richtiges Handeln aufklären darf. Es gibt in dieser Episode keine guten und keine bösen Figuren, kein Schwarz und kein Weiß. Vielmehr wird mit Graustufen gearbeitet und die zentrale Fragestellung von mehreren Seiten beleuchtet, was die Episode sehr erwachsen macht. Eine richtige Lösung des Problems gibt es freilich nicht und Jex’ Selbstmord am Ende mag dahingehend etwas unbefriedigend wirken, ist aber sicher keine schlechte Wahl, um das Abenteuer zu beenden und den Zuschauer auch nach der Folge noch mit der Fragestellung zu beschäftigen.
Die Episode wurde übrigens in Almería, Spanien, gedreht – eine Provinz, in der bereits zahlreiche Western wie z.B. „Für eine Handvoll Dollar“ (1964) vor die Kamera gingen. Für mich die bisher beste Folge von Toby Whithouse, der das klassische Western-Setting gekonnt mit den Science-Fiction Elementen der Serie verbindet und sich dabei auf das oben angesprochene ernste Thema konzentriert. Amy und Rory kommen allerdings in der Episode zu kurz und es war schade, dass Ben Browder – dessen Rolle für das passende amerikanische Flair sorgte – nur in der ersten Folgenhälfte dabei war.
Es war übrigens erst das zweite Mal seit dem Start von „Doctor Who“ in 1963, dass ein Western-Setting gewählt wurde. Witzigerweise wurde in „The Gunfighters“ (1966 mit William Hartnell als ersten Doctor), wo die Schießerei am O.K. Corral thematisch behandelt wurde, der Doctor ebenfalls mit einer anderen Person verwechselt: Doc Holliday (Anthony Jacobs).
Letzte Anmerkung: Moralische Fragestellungen ähnlicher Natur sind keine Neuheit in der Serie und wurden schon öfter behandelt. Spontan würde mir als ein Beispiel „Genesis of the Daleks“ (1975 mit Tom Baker als vierten Doctor) einfallen. Dort bekommt der Doctor eine Chance, die Daleks für immer zu vernichten bevor sie überhaupt gefährlich wurden. Er führt den Genozid an den Daleks, der vielen anderen Spezies das Leben retten würde, aber schließlich doch nicht durch. Er weigert sich, es seinen Erzfeinden ähnlich zu tun, obwohl die Timelords ihn genau deshalb in das Abenteuer schickten. Ebenfalls eine starke Episode der Serie.

Die vierte Folge der Staffel heißt „The Power of Three“ (von Chris Chibnall). Überall auf der Erde erscheinen über Nacht schwarze Würfel, die sich wie ein Ei dem anderen ähneln. Der Doctor und seine Gefährten stehen vor einem Rätsel, was es damit auf sich hat, wo die Würfel herkommen und welchen Zweck sie erfüllen. Über ein Jahr erstreckt sich die Handlung in der Episode bis die Würfel schließlich anfangen, merkwürdige Dinge zu tun und sich als eine Bedrohung entpuppen.

Der Fokus der Folge liegt eindeutig auf Amy und Rory sowie deren Verhältnis zum Doctor. Die „langsame Invasion“ steht in den ersten zwei Dritteln im Hintergrund. Das Konzept der Serie wird damit ein wenig auf den Kopf gestellt, denn nun ist es der Doctor, der Amy und Rory in deren Alltag begleitet und nicht umgekehrt. Sinn und Zweck des Ganzen scheint zu sein, dem Zuschauer einmal vor Augen zu führen, was die Ponds so treiben, wenn sie mal nicht mit dem Doctor unterwegs sind – was aus mehr oder weniger alltäglichen Dingen besteht. Chris Chibnall leitet damit schon einmal den bevorstehenden Abschied von den Ponds ein, der in der nächsten Episode stattfinden wird. Deutlich wird das auch aus den Gesprächen zwischen dem Doctor und Brian, der neugierig nachhakt, was denn mit den vorherigen Begleitern des Timelords passiert ist: „Some left me, some got left behind, and some … not many, but … some died.“ Wenn Amy und Rory da am Ende wieder mit dem Doctor in die TARDIS steigen, bildet sich beim Zuschauer bereits die Vermutung, dass der Doctor im nächsten Abenteuer nicht in der Lage sein wird, Brians einzigem Wunsch nachzukommen und die beiden zu schützen.
Im Folgenverlauf gibt es zudem viele Referenzen auf frühere Episoden. Da ist der Mix aus Rückblicken am Anfang der Folge, der gemeinsame Snack bestehend aus „Fishfingers and custard“ und mitunter sind da auch Verweise auf viel ältere Abenteuer. Die Einführung von Kate Stewart (Jemma Redgrave), die Tochter vom verstorbenen Brigadier Lethbridge-Stewart und die nun ebenfalls für UNIT arbeitet, eine Erwähnung der Zygons – bekannt aus „Terror of the Zygone“ (1975) – oder eine indirekte Referenz auf den „Metallhund“ K-9. Solche Sachen sorgen für eine kleine Portion Nostalgie.
Was leider nicht funktioniert, ist die Bedrohung, die sich schließlich durch die Aktionen der schwarzen Würfel offenbart. Spannungstechnisch wurde das zwar gut aufgebaut, aber das Ende ist zu abrupt und auch zu einfach, um wirklich zu überzeugen. Da wird einmal kurz der Sonic Screwdriver benutzt und alles ist gut (abgesehen von den anderen Entführten, die auf dem fremden Raumschiff zurückgelassen werden und in der Explosion wohl umgekommen sind). Es bleibt auch fraglich, weshalb überhaupt einige Menschen aus dem Krankenhaus entführt wurden – scheinbar nur, damit es einen Weg für unsere Helden auf das Raumschiff gibt.
Insgesamt höchstens eine nette Idee, mal den Spieß umzudrehen und den Doctor eine Zeit lang bei den Ponds verweilen zu lassen. Abenteuertechnisch aber eher eine Enttäuschung. Fun Fact: Der Physiker Brian Edward Cox und der englische Großindustrielle Alan Michael „Lord“ Sugar sind in Cameos zu sehen – beide sind Langzeitfans der Serie.

In „The Angels Take Manhattan“ (von Steven Moffat) steht schließlich der Abschied von Amy und Rory an. In der Eröffnungssequenz bekommen wir zunächst zu sehen, wie der Privatdetektiv Sam Garner (Rob David) im Auftrag von Mr. Grayle (Mike McShane) im New York der 1930er Jahre auf die „Weeping Angels“ trifft und einer düsteren Zukunft entgegen blickt. Der Doctor und die Ponds haben es sich derweil im Central Park in der Gegenwart gemütlich gemacht. Ihr Abenteuer startet mit Rorys Verschwinden, welches in dem Buch, welches der Doctor in seinen Taschen gefunden hat und gerade liest, ebenfalls beschrieben wird. Amy und der Doctor folgen den Beschreibungen, um Rory vor dem gleichen Schicksal zu bewahren, welches Sam Garner heimgesucht hat. Die Reise führt sie über Umwegen ins Jahr 1938, wo sie auch auf River Song (Alex Kingston) treffen. Wird Amy ihren Mann vor den „Weeping Angels“ retten können?

Poster zur Folge.

Man merkt Steven Moffat an, dass er Probleme damit hatte, die Geschichte zu schreiben. Dabei sind die Zutaten, die er verwendet, eigentlich gut eingesetzt worden. Die Engel sind und bleiben bedrohlich, wurden noch durch die Cherubs und andere Formen ein wenig erweitert und die Winter Quay Apartments als „Battery Farm“ sind ein gruseliger Gedanke. Gut, die Freiheitsstatue als einen „Weeping Angel“ zu zeigen (mehrfach), war ein wenig over the top – andererseits wurde sie mit Absicht in die Geschichte genommen, da einige Fans diesen Gedanken bereits seit der Folge „Blink“ äußerten. Auch der Einsatz von River Song als Melody Malone funktioniert prächtig (wobei man bei dem Namen „Melody“ recht schnell drauf kommen kann, wer hinter der Figur aus der Geschichte steckt, die der Doctor gerade liest). Sie fungiert zwar hauptsächlich als plot device, bekommt aber auch genug persönliche Momente, die passend in die Handlung eingebaut werden. Der sonst übliche Vergleich der Zeitlinien zwischen River und dem Doctor fällt aber dabei dieses Mal weg. Es wird nur deutlich gemacht, dass sie aus dem Gefängnis entlassen wurde und bereits Professorin ist. Eine Anmerkung zur Regenerationsenergie: Der Doctor heilt Rivers Handgelenk und handelt sich dafür eine Ohrfeige ein. Diese Energie könnte ein Überschuss von dem sein, was River ihm in „Let’s Kill Hitler“ vermacht hat und die Ohrfeige ein erster Hinweis darauf, dass ihm keine Regeneration mehr zur Verfügung steht. Wir erinnern uns: Der zehnte Doctor (David Tennant) verbrauchte bereits eine Regeneration in „Journey’s End“, ohne sein Aussehen zu verändern. Damit bliebe nur noch eine Regeneration übrig, sofern die „Zwölfer-Regel“ beibehalten wird – aber es wurde bislang noch nichts darüber erwähnt, was zwischen der achten und neunten Inkarnation des Doctors alles passiert ist.

Zurück zur Folge: Es ist schade, dass Rory in seiner Abschiedsfolge kein großer heldenhafter Moment gegönnt wird. Dabei hat er schon so oft zeigen können, was in ihm steckt. Hier wird die Figur leider wieder etwas dümmlich gezeigt und kann am Ende sogar dafür verantwortlich gemacht werden, dass die Ponds aus der Serie scheiden. Sein größter Moment war da noch die Entscheidung zum Selbstmord, um seinem Schicksal durch ein Paradoxon zu entgehen. Die eingesetzten Paradoxien sind dann auch das, was die Folge ein wenig madig gestaltet. Ihnen wohnt zwar eine gewisse Logik bei, aber es bleibt das Gefühl, dass Moffat sich diese Widersprüche zurecht biegt. Dabei macht er den Zuschauern gegen Ende Hoffnung, dass das Abenteuer gut ausgeht, um schließlich doch noch die Pond-Ära zu beenden. Endgültig. Der Grabstein auf dem Friedhof zeigt schließlich die Namen der beiden, die im hohen Alter verstorben sind. Ein Fixpunkt, der sich nicht mehr ändern lässt – wie alles, was zuvor vom Doctor oder seinen Begleitern in dieser Episode gelesen wurde.
Bei der Gelegenheit werden Erinnerungen an Folgen wie „The Girl Who Waited“ wach, wo trotz widersprüchlicher Lösung alles gut ausging. Aber nicht hier. Insofern wird der Zuschauer mit einem „Warum ist es diesmal endgültig?“ zurück gelassen. Bei Rose (Billie Piper) oder Donna (Catherine Tate) waren die Abschiede besser und nachvollziehbarer gelöst. Hier wirkt es leider zu forciert, auch wenn der Effekt ähnlich stark auf die Tränendrüse drückt.
Insgesamt bleibt die Folge ein bittersüßes Ende für Amy und Rory, was den Doctor sichtlich mitgenommen hat und Folgewirkungen auf ihn haben dürfte. Diese Episode heimste übrigens zusammen mit „Asylum of the Daleks“ und „The Snowmen“ eine Nominierung für den Hugo-Award ein, den sich allerdings die Serie Games of Thrones mit der Folge „Blackwater“ an Land zog.

Als ein kleiner Epilog wurde außerdem kurz darauf die Mini-Webisode „P.S.“ veröffentlicht, die – abgesehen von einem Intro, welches es in „The Power of Three“ bereits zu sehen gab – lediglich aus Storyboard-Zeichnungen besteht. Dort erhält Rorys Vater Brian einen Brief von seinem Sohn, überbracht von seinem Adoptiv-Enkel Anthony Brian Williams.
Gut zu wissen, dass Brian noch eine kleine Erklärung zum Verschwinden der beiden bekam.

Danach hieß es wieder mehr als zwei Monate warten, bis schließlich das einstündige Weihnachtsspecial „The Snowmen“ (von Steven Moffat) am 25.12.2012 auf Sendung ging. Allerdings gab es im Vorfeld mehrere Prequels zum Special: „The Great Detective“, „Vastra Investigates“ und „The Battle of Demon’s Run – Two Days Later“ (leider nicht über Youtube zu finden). Alle drei legen schon einmal die Stimmung für die Weihnachtsfolge fest und erklären die Hintergrundgeschichten zu Madame Vastra (Neve McIntosh), Jenny Flint (Catrin Stewart) und Strax (Dan Starkey), die wir zuletzt in „A Good Man Goes To War“ gesehen haben – vor allem das letzte Prequel schließt dabei eine Lücke und erklärt, weshalb der damals tödlich verwundete Strax noch dabei ist.

In der Weihnachtsfolge selbst erlebt der Zuschauer einen Doctor, der sich aus dem Geschäft zurück gezogen hat. Die Bedrohung durch die Schneemänner und Dr. Simeon (Richard E. Grant) nimmt er zwar zur Kenntnis, aber erst durch Clara (Jenna-Louise Coleman), die ein stark ausgeprägtes und leicht mysteriöses Interesse an unserem Timelord hat, schreitet er schließlich ein – unterstützt durch das detektivische Team um Madame Vastra. Zusammen finden sie schließlich heraus, wer oder was sich hinter den unheimlichen Ereignissen befindet.

Zunächst einmal sei angemerkt, dass mit diesem Special Veränderungen in der Serie stattgefunden haben. Es gibt einen neuen Vorspann, der Doctor hat sein altes Kostüm abgelegt (was er normalerweise nur nach einer Regeneration macht) und das Innenleben der TARDIS hat eine neue Form angenommen. Der Bruch zu den ersten fünf Folgen dieser Staffel wird damit mehr als deutlich gemacht – wir haben es mit einer Art Neustart zu tun. Dazu passt natürlich auch das Verhalten des Doctors, dem der Verlust von Amy und Rory ins Gesicht geschrieben steht. Überhaupt handelt es sich bei diesem Special um eine sehr starke Charakter-Folge mit dem Doctor und der neugierigen Clara im Fokus. Die zusätzlichen Figuren Vastra, Jenny und Strax spielen zwar auch eine nicht unbedeutende Rolle, drängen sich aber nicht zu sehr auf und sorgen (vor allem Strax) für erheiternde Abwechslungen. Wer allerdings gerne mehr zu tun hätte haben können, ist der Bösewicht Dr. Simeon sowie die fädenziehende „Great Intelligence“ (gesprochen von Ian McKellen). Sowohl Grant als auch McKellen kommen leider ein wenig zu kurz.
Jenna-Louise Coleman weiß aber auf ganzer Linie zu überzeugen. Ihre Clara Oswald ist etwas Besonderes. Voller naiver Neugierde und Energie bringt sie frischen Wind als potenzielle neue Begleiterin des Doctors in die Episode und lässt sich mit vorherigen Companions nur schwerlich Vergleichen – zur Verwunderung des Zuschauers und auch des Doctors. Das Drehbuch schreibt ihr dabei einige pointiert witzige Situationen vor, die sie prima zu nutzen weiß. Die Verbindung zwischen ihr und Oswin Oswald aus „Asylum of the Daleks“ ist es schließlich auch, die wieder Neugierde im Doctor wecken und ihn dazu veranlassen kann, seinen „Ruhestand“ aufzugeben. Schade allerdings, dass diese Version von Clara in der Folge ihr Leben lassen muss.
Zum Abenteuer an sich: Für eine Weihnachtsfolge recht deprimierend und düster, da ändern auch die humorvollen Einlagen wenig dran. Die Auflösung zur Niederlage der „Great Intelligence“ durch die Trauer der Latimers um Clara war zudem recht platt und löste nicht die sonst übliche fröhliche Stimmung aus, die sich aus anderen Weihnachtsfolgen ergeben hat. Was am Ende bleibt, ist lediglich die Neugierde darauf, wer die neue Clara Oswin Oswald sein wird – also, charakterlich – und wie die drei Figuren zusammen hängen. Interessant in Bezug auf die „Great Intelligence“ ist allerdings, dass diese Episode ein Prequel zu „The Web of Fear“ (1968 mit Patrick Troughton als zweiten Doctor) darstellt, wo der Gegner sich im Londoner U-Bahn System einnistet (welches er in dieser Episode noch nicht kennt, bis der Doctor es erwähnt) und eine Robo-Yeti-Attacke auf die Bevölkerung loslässt. Ihren ersten Auftritt hatte die „Great Intelligence“ übrigens in „The Abominable Snowmen“ (1967) und wir werden sicher in Zukunft noch von ihr hören.
Insgesamt weiß das Special aber schon zu gefallen und gehört sicher zu den besseren seiner Art, auch wenn es nicht unbedingt weihnachtliche Stimmung auslöst.

Die regulär sechste Folge der Staffel, „The Bells of Saint John“ (von Steven Moffat), lief am 30. März 2013 über die Bildschirme und bekam ebenfalls ein Prequel vorweg. Dort unterhält sich der Doctor mit einem kleinen Mädchen und beschreibt seine Suche nach Clara – ohne zu wissen, dass er sie bereits vor sich hat.
In der Episode hat er dann den Rat der jungen Clara befolgt und sich in ein Kloster im Jahre 1207 zurück gezogen, um darüber nachzudenken, wie er sie wiederfinden kann. Dort erhält er einen „unmöglichen“ Anruf von seiner zukünftigen Begleiterin (die Nummer wurde ihr als „beste Hilfe im Universum“ nahe gelegt) aus der Gegenwart, woraufhin die beiden ins nächste beziehungsweise erste Abenteuer gestürzt werden: Durch einen ominösen WiFi-Anbieter werden Personen oder vielmehr deren „Geist“ in eine Datenwolke hochgeladen und auch Clara steht dieses Schicksal bevor, kurz nachdem der Doctor bei ihr eingetroffen ist. Die beiden machen sich daran, die Drahtzieher hinter der Verschwörung aufzudecken. Ms. Kizlet (Celia Imrie) und ihr Team scheinen dort nicht das Ende der Fahnenstange zu sein.

Dass die „Great Intelligence“ bereits in dieser Folge wieder auftaucht, lässt die Vermutung aufkommen, dass es sich hier um einen Staffelgegner handelt. Dem ist aber nicht unbedingt so, denn im Vordergrund steht natürlich Clara beziehungsweise deren Rettung. Die Folge ist dabei eine schräge Achterbahnfahrt und nimmt sich eine heute allgegenwärtige Technik als Aufhänger für unheimliche Gedanken.

Zunächst einmal zu Clara Nr. 3: Mir hat die zweite Persönlichkeit aus „The Snowmen“ mehr zugesagt. Jenna-Louise Coleman macht ihre Sache zwar gut und gibt nun eine dritte Interpretation zum Besten, aber diese Figur ist auch ein gutes Stück „normaler“ und somit dichter an den anderen Begleiterinnen des Doctors dran. Die schöne Andersartigkeit von Clara Nr. 2, die gerade nicht die übliche Phrase von wegen „it’s bigger inside“ bringt, geht leider verloren. Außerdem wäre es nett gewesen, wenn sie ihre übliche Phrase „Run you clever boy and remember.“ noch mit dem Vorschlag gekrönt hätte, ihm ein Soufflé anzubieten. Trotzdem wohnt dem Charakter eine gewisse Magie bei und es dürfte noch spannend werden, wenn es um die Auflösung des Mysteriums geht.
Matt Smith darf erneut überzeugend seine Rolle als Doctor verkörpern und als solcher von seinen Fähigkeiten Gebrauch machen. Zudem sind seine Szenen auf dem Motorrad zum Schießen komisch und liefern jede Menge Pep. Gruselig wirkte seine „Spoonhead“-Darstellung, wobei es überhaupt ziemlich unheimlich wirkte, wenn die „Server“ ihren Kopf drehten und dabei einen fehlenden Hinterkopf zeigten. Was aber nicht so gut ins Bild passt, ist die Auflösung der Geschichte. Der Doctor fragt zwar mehrmals nach, wer hinter den unheimlichen Geschehnissen steckt, aber als das Abenteuer vorbei ist, weiß er nicht, mit wem er es zu tun hatte und es scheint ihn auch nicht mehr zu interessieren. WTF? Es ist zwar verständlich, dass er Clara mehr Beachtung entgegen bringt und ihr Geheimnis lüften will, aber die Hintermänner der Aktion zu vernachlässigen, passt nicht so recht zu seiner Natur. Da könnte ein neuer Angriff schließlich schon morgen vor der Tür stehen.
Aus Sicht der „Great Intelligence“ war es freilich ein Abenteuer mit Rückschlägen. Jahrelang wurde der Plan aufgebaut, schließlich durchgeführt und nun ist er gescheitert. Aber warum wurde jetzt abgebrochen? Schön und gut, die Ereignisse in „The Shard“ wurden aufgedeckt, aber ein neuer Stützpunkt ließe sich leicht einrichten. Die Möglichkeiten des Internet sind unbegrenzt und die Kontrolle über die Menschen scheinbar auch. Es wirkt auf jeden Fall komisch, dass der Befehl zum „Reboot“ erteilt und damit einfach aufgegeben wird. Aber eins ist klar: Dieser Gegner ist noch lange nicht abgeschrieben.
Insgesamt würde ich die Folge als gut bewerten, auch wenn mir einige Dinge nicht so recht geschmeckt haben. Smith und Coleman passen zu einander, die Chemie stimmt. Das Abenteuer hatte seine Schwächen, lässt aber auch Raum für Fortsetzungen, was generell positiv ist. Leider erinnert die Geschichte dabei stark an „The Idiot’s Lantern“, was die Originalität ein wenig schmälert. Dennoch ein ordentlicher Start mit der neuen Begleiterin, der zwar ein wenig getrübt wurde, aber doch zu überzeugen weiß.
Letzte Anmerkung: Das Buch, was Clara dabei hat, stammt von Amelia Williams – ein Wink auf Amy.

In „The Rings of Akhaten“ (von Neil Cross) reist Clara erstmals zusammen mit dem Doctor durch Raum und Zeit. Ziel: „Something awesome.“ Als die beiden einer Zeremonie beiwohnen, die einen alten Gott besänftigen soll, wird das Mädchen Merry Gejelh (Emilia Jones) von diesem entführt. Der Doctor und Clara machen sich daran, das Kind zu retten. Aber ihr Gegner scheint übermächtig.

Die Episode beginnt mit Ausflügen in Claras Vergangenheit. Dabei lernen wir viel über ihre Eltern, ihre Kindheit und wie sie zu der Persönlichkeit wurde, die nun den Doctor auf seinen Abenteuern begleitet. Diese Charakterisierung ist wichtig und notwendig, zeigt sie uns doch, wie Clara tickt, was sie bisher schon durchgemacht hat und was es mit dem Ahornblatt auf sich hat, welches wir bereits in der letzten Folge gesehen haben. Für einen Großteil der Episode macht sich zudem der Doctor etwas rar, so dass Clara eine Zeit lang alleine die Ringe von Akhaten erforschen darf und im Gespräch mit Merry weitere Informationen über ihre Vergangenheit (insbesondere über ihre früh verstorbene Mutter) preis geben darf. Am Ende ist es dann auch ihr Ahornblatt, welches den Gegner in die Knie zwingt und das Problem der Akhatener endgültig löst.
Visuell (und auch gesangstechnisch) ist es eine wunderschöne Folge, die stellenweise richtig magisch wirkt. Allerdings muss man dafür über physikalische Unmöglichkeiten hinweg sehen und darf sich nicht fragen, wie beispielsweise die Atmosphäre der Ringe wohl beschaffen ist oder wie die Schwerkraft dort funktioniert. Die verschiedenen Aliens wecken Erinnerungen an die Bar-Szene aus Star Wars und auch das seltsame Weltraummotorrad könnte dieser Filmreihe entstammen. Die Idee von einem schlafenden alten Gott erinnert wiederum an den Lovecraft’schen Cthulhu-Mythos. Die ganze Mischung kommt dabei recht beeindruckend zur Geltung, allerdings geht der Folge gegen Ende dann ein wenig die Puste aus.
Da mutet es widersprüchlich an, dass „Großvater“ auf das Opfer der kleinen Merry besteht und nicht direkt auf den Doctor oder Clara ausweicht, die ein viel größeres Pensum an Erinnerungen und Erfahrungen zu bieten haben – eine Waffe, mit der er schließlich auch besiegt wird. Der Vampir im Glaskasten wirkte zudem leicht verschenkt. Statt diese Kreatur zu nutzen, wird der wahre Gegner am Ende erhüllt und lässt die Geschichte dann leider künstlich aufgeblasen wirken. Ein planetengroßer Parasit? Dieser riesige Smiley wirkte leider eher lächerlich als furchteinflößend. Als der Doctor seinen Monolog hält, hatte man außerdem den Eindruck, die Szene schon zig Mal in anderen Situationen erlebt zu haben. Erfrischend neu war hingegen, dass er es alleine nicht schafft, den alten Gott in die Knie zu zwingen und erst Clara dazu kommen muss, um den Todesstoß zu versetzen.
Insgesamt eine beeindruckende Episode, die uns und dem Doctor Clara etwas näher bringen konnte, aber noch keine Verbindung zu ihren anderen beiden Versionen durchblicken lässt. Leider machen die letzten zehn Minuten einiges kaputt. Anmerkung: Der Doctor meint, mit seiner Enkelin schon einmal die Ringe von Akhaten besucht zu haben – eine Anspielung auf den ersten Doctor (William Hartnell) und dessen Enkelin Susan Foreman (Carole Ann Ford).
Einen kleineren Fehler innerhalb des Serienuniversums gab es auch noch: Dor’een (Karl Greenwood) spricht kein englisch, obwohl die TARDIS übersetzen sollte.

Die achte Episode heißt „Cold War“ (von Mark Gatiss) und spielt im Jahre 1983 in der Gegend um den Nordpol in einem sowjetischen U-Boot. Clara und der Doctor wollten eigentlich nach Las Vegas. Stattdessen treffen Sie auf Captain Zhukov (Liam Cunningham) und dessen Crew, die vor kurzem ein im Eis eingeschlossenes Fossil an Bord genommen haben, welches sie für ein Mammut halten. Das U-Boot havariert als die Kreatur ausbricht und wird vom Doctor als ein „Ice Warrior“ identifiziert. Skaldak (Spencer Wilding, gesprochen von Nicolas Briggs) erklärt der Besatzung den Krieg, nachdem er angegriffen wurde und die TARDIS verschwindet auf mysteriöse Art und Weise. Es beginnt ein Katz- und Mausspiel mit dem Eiskrieger, der schließlich damit droht, die nuklearen Sprengköpfe des U-Boots abzufeuern und damit einen weltweiten Atomkrieg auszulösen.

Ice Warrior – naked.

Die Folge bietet eine klaustrophobische und spannende Atmosphäre, hat sehr gute Nebendarsteller und bringt mit den Eiskriegern alte Bekannte in die Serie zurück, die zuletzt in „The Monster of Peladon“ (1974 mit Jon Pertwee als dritten Doctor) zu sehen waren. Somit liegt der Fokus der Episode auf Skaldak, der gut 5000 Jahre im Eis eingeschlossen war. Wirkten die Eiskrieger in den älteren Folgen noch größtenteils plump und büßten dadurch einiges an Bedrohlichkeit ein, kommt Skaldak wesentlich agiler daher. Das liegt natürlich auch daran, dass er seine Rüstung verlässt – was nicht unbedingt positiv von den Langzeitfans der Serie aufgenommen wurde. Aber diese Erweiterung war eine der Voraussetzungen, die Showrunner Moffat an die Rückkehr der Eiskrieger stellte. Skaldak verkommt dabei nicht zu einer simplen Bedrohung, sondern hat genügend Hintergrund und Charakter, um aus Zuschauersicht seine Lage und Aktionen nachvollziehen zu können. Sein Verhalten schwankt allerdings zwischen psychotisch und verhandlungsbereit hin und her, was nicht gerade gut ausbalanciert wirkt.
Abgesehen von Liam Cunningham und David Warner (Professor Grisenko) dienen die Nebendarsteller hauptsächlich als Kanonenfutter für den Eiskrieger. Der Professor ist dazu da, die Atmosphäre zwischendurch immer wieder aufzulockern, vor allem in den gemeinsamen Szenen mit Clara. Das wirkt stellenweise etwas merkwürdig, gerade mit Blick auf den Kalten Krieg, der 1983 in vollem Gange war und hier zur angespannten Situation beitragen soll. Für Clara ist es das erste Abenteuer, in dem ihr wahrhaft bewusst wird, wie gefährlich die Abenteuer des Doctors werden können. Der Anblick der Leichen und die Erwähnung des Doctors, dass der Verlauf der Geschichte sich verändern kann, geben ihr gehörig zu denken. Normalerweise könnte man bemängeln, dass die TARDIS zum ungünstigsten Zeitpunkt verschwindet und der einfache Ausweg aus der misslichen Lage mal eben entfernt wird. Aber die Erwähnung des „Hostile Action Displacement System“ (H.A.D.S.) sorgt wieder für ein Schmunzeln beim Whovian – schließlich stammt dieses System ebenfalls aus den älteren Folgen der Serie und wurde beispielsweise in „The Krotons“ (1968 mit Patrick Troughton als zweiten Doctor) schon eingesetzt. Überhaupt erinnert das Szenario an einige Folgen aus der Troughton-Ära, in der auch die Eiskrieger erstmals auftraten.
Insgesamt hat mir die Folge sehr gut gefallen. Kleinere Mängel sind zwar vorhanden, fallen aber nicht schwer ins Gewicht. Die Eiskrieger dürfen jedenfalls gerne weitere Auftritte bekommen.

In „Hide“ (von Neil Cross) landen der Doctor und Clara in einer dunklen und stürmischen Nacht im November 1974 und unterstützen Professor Alec Palmer (Dougray Scott) und seine Assistentin Emma Grayling (Jessica Raine) bei der Geisterjagd in einem Anwesen, in dem es schon seit Jahrhunderten spukt.

„Hide“ ist eine der Folgen, die mit einem sehr kleinem Budget und einem Minimum an Darstellern ausgestattet sind. Neil Cross hat sich nach eigenen Angaben dabei „The Quartermass Experiment“ von 1953 als Vorlage gewählt, aber für meinen Geschmack finden sich aufgrund der Geisterhaus-Thematik eher Anleihen von Filmen wie „Poltergeist“ (1982) in der Folge wieder. Das Konzept hinter der Episode ist durchaus interessant und verwebt die Geister-Thematik sehr gut mit dem Science-Fiction Element der Serie. Die Idee, eine Zeitreisende (Kemi-Bo Jacobs) als Ursache für die unheimlichen Aktivitäten im Haus zu nehmen, fühlt sich jedenfalls frisch und unverbraucht an. Nebenbei werden noch diverse Liebesgeschichten ins Spiel gebracht, die es vielleicht nicht unbedingt gebraucht hätte, aber die auch nicht störend wirken. Der Twist mit dem verliebten Monsterpärchen war ebenfalls eine erfrischende Wendung, die sich nicht erahnen ließ.
Problematisch ist da schon eher, dass die unheimliche Atmosphäre nicht die ganze Folge über gehalten werden kann. Spätestens wenn der Doctor mit Clara durch die Erdgeschichte fliegt, um Fotos vom Ort zu unterschiedlichen Zeiten zu schießen, verpufft das unheimliche Element kurzzeitig und beschert dem Zuschauer einen spürbaren Bruch, der sich später nur schwer wieder flicken lässt.
Clara wird bei den Reisen vom Anfang bis zum Ende der Erde bewusst, dass der Doctor uns Menschen mit ganz anderen Augen sehen muss und fragt ihn danach, wie er uns Menschen überhaupt sieht. Seine Antwort, die wohl hauptsächlich auf seine mysteriöse Begleiterin bezogen ist, sich aber mehrdeutig auslegen lässt, lautet: „You are the only mystery worth solving.“
Des Weiteren hat Clara erneut mit dem Wohlgefallen der TARDIS zu kämpfen, die ihr schon in „The Rings of Akhaten“ den Einlass verwehrte. Das weckt natürlich Spekulationen darauf, ob die TARDIS vielleicht mehr über Clara weiß als der Doctor. Aber dieses Problem kann Clara in der Folge scheinbar lösen und darf den Doctor aus einer misslichen Lage (gefangen im Pocket-Universe) retten.
Insgesamt eine ordentliche Episode, die mit einigen Abstrichen kämpft, aber trotzdem die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gut zu nutzen weiß. Der Whovian horcht bei der Erwähnung von Metebelis III auf – der Planet, den der dritte Doctor in „The Green Death“ (1973) und „Planet of the Spiders“ (1974) bereits aufsuchte. Außerdem wird das „Eye of Harmony“ erwähnt, welches in „The Deadly Assassin“ (1976) erstmals in der Serie eingeführt wurde.

Der Titel der zehnten Folge der Staffel lautet „Journey to the Centre of the TARDIS“ (von Stephen Thompson). Die TARDIS steht der neuen Begleiterin des Doctors immer noch nicht wohl gesonnen gegenüber. Um die beiden „Damen“ einander näher zu bringen, lässt er Clara an die Kontrollen und schaltet sein Schiff dafür in den Basismodus – wobei auch diverse Schilde dabei gesenkt werden. Wie es der Zufall so will, entdecken Gregor (Ashley Walters), Bram (Mark Oliver) und Tricky (Jahvel Hall) die TARDIS auf ihren Monitoren und versuchen, das scheinbar führerlos vor sich hin treibende Objekt zu bergen. Die TARDIS wird dabei beschädigt. Während der Doctor sich schließlich außerhalb seiner „Telefonzelle“ in der Runde der Plünderer wiederfindet, steckt Clara in den Untiefen der TARDIS fest. Es gilt, sie zu retten, wobei es für den Doctor nicht einfach ist, Gregor und seine Leute dabei zu überzeugen, die Finger vom Innenleben seines Schiffes zu lassen.

Der Vorschau nach hätte die Folge ein großartig schräges Abenteuer werden können. Es kommt nicht oft vor, dass der Zuschauer tiefe Einblicke in das gigantische Innenleben der TARDIS bekommt, welches der Doctor in dieser Episode mit unendlich beschreibt. Wir bekommen den Swimmingpool, die Bibliothek, (erstmals) das „Eye of Harmony“, ein Buch über den Time War und vieles mehr zu sehen und dürfen an verschiedenen Stellen Audio-Aufnahmen vergangener Abenteuer hören (mit dabei: „An Unearthly Child“, „Colony in Space“, „The Robots of Death“, „Rose“, „Smith and Jones“, „The Beast Below“, „The Doctor’s Wife“ und „The End of Time“ ). Gewürzt wird das alles mit einem sich verändernden Labyrinth, durch das unsere Protagonisten sich kämpfen müssen, neuen Monstern und einer großen Portion „Timey-Wimey“. Für die Geeks unter den Whovians sollte die Folge ein wahres Fest sein. Sollte. Wenn da denn das Ende nicht wäre.
Der „Big Friendly Button“, der in den letzten Minuten für einen Reset sorgt und die ganze Geschichte ungeschehen macht, kann zwar durchaus als ironisches Mittel des Autors gewertet werden, ist aber trotzdem wie ein Schlag ins Gesicht. Alle Dinge, die Clara in der Folge über die TARDIS und den Doctor (seinen echten Namen!) lernen durfte, sind damit für sie wieder futsch. Sie ist nach dem Abenteuer genau so schlau wie vorher. Zudem erinnerte das Ende sehr stark an das fünfte Staffelfinale – der Riss, eine explodierende TARDIS und schließlich ein Reset – in leicht variierter Form haben wir das bereits gesehen. Aber halt, so richtig neu gestartet wurde dann doch wieder nicht. Zumindest hat Gregor sich (ohne erkennbaren Grund) verändert und behandelt Tricky nach dem Reset so als wenn er das Abenteuer erlebt hätte – auch das Foto der Van Baalen Familie ist am Ende komplett. Warum? Bleibt offen. Oder soll es vielleicht als Hinweis gesehen werden, dass auch Clara sich durch das Erlebnis irgendwie verändert hat?
Abseits davon bleibt aber dennoch ein nettes Abenteuer übrig. Die Gastauftritte der Van Baalens waren in Ordnung, man konnte Clara bei der Erkundung der TARDIS zusehen (auch wenn es anfangs nur aus Schreien und Wegrennen bestand) und der Doctor durfte neben seinen Überredungskünsten und Erklärungen ein paar gute Momente mit seiner Begleiterin abliefern.
Insgesamt bleibt die Folge damit hinter den Erwartungen zurück, wird durch das Ende für manche vielleicht sogar ruiniert. Trotzdem nicht unbedingt eine schlechte Episode. Anmerkung: In „The Invasion of Time“ (1978 mit Tom Baker als vierten Doctor) gab es schon einmal einen sehr tiefen Einblick in die Größe der TARDIS – allerdings muteten die Sets dort selbst für die damalige Zeit recht billig an.

In „The Crimson Horror“ (von Mark Gatiss) spielt das Abenteuer im Jahr 1893 in Yorkshire und wird zunächst aus der Sicht von Madame Vastra und ihren beiden Kollegen erzählt. In Yorkshire werden seit geraumer Zeit Leichen mit roter Hautfarbe aus dem Fluss gefischt und der letzte Fund hat ein Bild vom Doctor auf seiner Retina (ein sogenanntes Optogramm). Die Spuren führen nach Sweetville, wo Mrs Gillyflower (Diana Rigg) und ihre Tochter Ada (Rachael Stirling) die kommende Apokalypse predigen. Jenny wird in Sweetville eingeschleust und stößt dabei auf den Doctor, der von Ada gefangen gehalten wird. Es gilt, Clara ebenfalls aus den Fängen von Mrs Gillyflower zu retten und deren teuflischen Plan zu verhindern.

Diese Episode experimentiert ein wenig an verschiedenen Ecken und Enden. Der verzögerte Auftritt vom Doctor und Clara gibt dem Trio um Vastra, Jenny und Strax eine größere Bedeutung und zeigt uns, wie die drei üblicherweise an ihre Fälle heran gehen. Es wäre durchaus mal interessant, eine komplette Episode aus der Sicht des Trios zu sehen. Einzig die Sprüche von Strax fangen langsam an, ein wenig zu nerven. Man sollte jedenfalls annehmen, dass er mittlerweile weiß, dass Jenny eine Frau ist. Witzig war hingegen der Auftritt von Thomas Thomas (Jack Oliver Hudson), der Strax den Weg weist (TomTom, anyone?) oder der Running Gag mit dem Auftraggeber (Brendan Patricks), der ständig in Ohnmacht fällt.
Als der Doctor dann schließlich befreit und sein normaler Zustand wieder hergestellt wurde, gab es ein weiteres Experiment in Form der Vorgeschichte, die wie auf altem Film gedreht gezeigt wurde. Auch wenn das aktuelle Geschehen dafür etwas zurückstecken musste, eine gute Idee und sehr passend für die Zeit, in der die Folge spielt. Hier merkt man dem Doctor auch einen lockeren Umgangston mit Clara an – er hat nach dem letzten Abenteuer (woran er sich scheinbar erinnern kann) akzeptiert, dass sie ein normales Mädchen ist und behandelt sie daher wie eine Begleiterin und nicht mehr wie eine Geheimnisträgerin. Claras Auftritt sorgt natürlich bei Vastra und Co. für Verwunderung – schließlich ist die Clara, die die drei kannten, in „The Snowmen“ gestorben. Der Doctor gibt aber auf Nachfrage keinerlei Erklärung dafür (kann er auch nicht). Selbst wie er die neue Clara gefunden hat, behält er für sich.
Das Abenteuer selbst erinnert ein wenig an die Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ (im Original: „The Avengers“ ), in der Diana Rigg als Emma Peel unterwegs war. Was hier wirklich prima funktioniert ist das Verhältnis zwischen Mrs Gillyflower und ihrer Tochter Ada – die Rollen wurden angeblich auch extra von Gatiss für die beiden Darstellerinnen geschrieben. Besonders Stirling stach dabei hervor. Die Enthüllung von Mr Sweet als vorzeitlicher „Red Leech“ fügte sich ganz gut in die Geschichte ein, auch wenn man sich dabei fragen dürfte, wie intelligent denn überhaupt so ein Blutegel sein kann. Was hingegen starke Bauchschmerzen bereitete, war der Start der Rakete. Das sah nicht nur vergleichsweise günstig gemacht aus, sondern hätte unsere Protagonisten unter halbwegs realen Bedingungen mindestens mit stärkeren Brandverletzungen zurücklassen müssen – sie standen schließlich im engen Startschacht als das Ding in die Luft ging.

In den letzten zwei Minuten – nach bestandenem Abenteuer und zurück in der Gegenwart – bekommen wir Angie (Eve de Leon Allen) und Artie (Kassius Carey Johnson) zu sehen, die anhand von alten Bildern herausgefunden haben, dass ihr Kindermädchen Clara eine Zeitreisende ist. Dabei kann man sich durchaus fragen, wer denn wohl die Fotos geschossen hat, die Clara in „Cold War“, „Hide“ und „The Snowmen“ zeigen. Dieser kleine Cliffhanger wird in der nächsten Folge sicher aufgegriffen, wobei die Kinder bei mir keine große Begeisterung auslösen. Aber dass Clara herausgefunden hat, dass es ein Bild von ihr im viktorianischen London gibt, dürfte für interessante Nachfragen beim Doctor sorgen und das Mysterium der mehrfachen Existenz von Clara wieder in den Vordergrund rücken.
Insgesamt wusste diese Episode zu gefallen, die etwas unüblicher daher kommt, ihre Mittel aber sehr gut zu nutzen weiß – von einigen Abstrichen abgesehen. Anmerkung: Als der Doctor und Clara in Yorkshire eintreffen, erwähnt der Doctor „a gobby Australian“. Das ist eine Referenz auf Tegan Jovanka (Janet Fielding), die durchgehend mit dem fünften Doctor (Peter Davison) unterwegs war. Auch der Spruch „Brave Heart, …“ wurde vom fünften Doctor öfter zu Tegan gesagt. Fun Fact: Diana Rigg und Rachael Stirling sind auch im wahren Leben Mutter und Tochter. Als solche standen sie hier erstmals gemeinsam vor der Kamera.

In „Nightmare in Silver“ (von Neil Gaiman) bringt der Doctor Clara, Angie und Artie in einen außerirdischen Vergnügungspark – „Hedgewick’s World of Wonders“. Allerdings ist der Park schon lange nicht mehr in Betrieb, stattdessen treffen die vier auf die Einheit von Captain Alice Ferring (Tamzin Outhwaite) sowie auf Webley (Jason Watkins) und Porridge (Warwick Davis). Webley zeigt den vieren einige ausrangierte Cybermen und die Aufmerksamkeit des Doctors wird durch „Cybermites“ geweckt. Es dauert nicht lange, bis die vermeintlich besiegten Cybermen sich wieder erheben und sowohl Angie und Artie als auch den Doctor mit ihrer Technologie infizieren. Der Kampf beginnt.

Die Episode erlangte im Vorfeld unter anderem dadurch Aufmerksamkeit, dass ein Skript vor der Ausstrahlung in einem Taxi in Cardiff aufgefunden wurde. Die Finderin, Hannah Durham, sorgte dafür, dass das Manuskript zurück zur BBC gelangte und spoilerte nichts vom Inhalt.
Zur Folge: Die Cybermen sind schon seit den Anfängen der Serie in den 1960er Jahren dabei und gehören damit zu den stets wiederkehrenden großen Gegnern der Reihe. Während in der alten Serie der Ursprung der Blechmänner beim Planeten Mondas liegt, wurden sie in den neuen Folgen durch eine Parallelwelt / -Dimension eingeführt. Gaiman vermischt in dieser Folge beide „Sorten“ und referenziert zahlreiche Aspekte vergangener Cybermen-Abenteuer – unter anderem auch den „Cyber Planner“, der in „The Wheel in Space“ oder „The Invasion“ (beide von 1968 mit dem zweiten Doctor Patrick Troughton) bereits vorkam – allerdings nur als eine stationäre mechanische Einheit. Die Bedrohlichkeit dieses Langzeitgegners wurde hier wieder gesteigert, wenn auch mit bekannten Elementen wie den „Upgrades“. Was dabei stört, ist die Ähnlichkeit der Cybermen mit den Borg aus Star Trek. Wenn der Doctor und andere mit den maschinellen Prothesen im Gesicht herumlaufen und in eine Art Kollektiv von „Mr Clever“ aufgenommen werden, sind die Parallelen nicht von der Hand zu weisen. Das ist schade, denn es raubt der Episode damit einen guten Teil an Originalität, zumal der innere Kampf des Doctors gegen die Assimilation im Fokus steht.
Apropos Doctor, Smith kann mit seinem Schauspiel durchaus überzeugen und wechselt zwischen seinen beiden Persönlichkeiten gekonnt hin und her. Auch Warwick Davis, der wahrscheinlich vielen durch die Leprechaun- oder Harry Potter Filme bekannt ist, hebt sich darstellerisch von den anderen ab. Probleme sieht man da eher bei den Kinderdarstellern – weder Allen noch Johnson konnten großartig als Angie und Artie glänzen.
Die Geschichte ist aber – trotz der oben erwähnten Abstriche – durchaus clever geschrieben und spannend. Es gehört schon einiges dazu, so viele bekannte Merkmale der Cybermen zusammen mit den Figuren in einer Folge unter zu bringen und nebenbei noch viele andere vergangene Ereignisse zu referenzieren (z.B. die 699 Wunder oder die letzte Regeneration des Doctors oder wer Schach erfunden hat oder …). Ein Fehler dürfte aber sein, dass die Identität von Porridge erst von Angie aufgedeckt wird – schließlich sollten zumindest die Soldaten wissen, wie ihr Imperator aussieht. Auch die Rettung durch Teleportation lässt sich diskutieren, kam das Schiff doch recht plötzlich und just im passenden Moment dazu. Nett aber, dass in der letzten Szene noch ein funktionstüchtiges „Cybermite“ gezeigt wird – somit wird eine weitere Rückkehr der Cybermen angeteasert.
Insgesamt eine eher durchwachsene Folge, obwohl sich Gaiman mit dem Skript Mühe gegeben hat. Die Frage nach Clara wird am Ende passenderweise wieder aufgenommen und somit auf das Staffelfinale übergeleitet. Fun Fact: Dies war bereits das elfte Mal, dass ein Doctor-Darsteller eine andere Figur / Persönlichkeit in einer Episode mimt als den Doctor.

Mit „The Name of the Doctor“ (von Steven Moffat) endete die Staffel. Im Vorfeld gab es wieder einige Mini-Episoden: „She Said, He Said“, „Clarence and the Whispermen“ und drei Videos mit Strax, einmal „Strax Field Report – The Name of the Doctor”, dann „Strax Field Report: A Glorious Day” und schließlich „Strax Field Report: The Doctor’s Greatest Secret”. Diese Fülle an Teasern zeigt schon, dass die Folge einige wichtige Dinge klären wird und das letzte Video spoilerte bereits einen überraschenden Gastdarsteller der Episode.

In der Folge selbst bekommt Madame Vastra entscheidende Informationen vom überführten Verbrecher Clarence (Michael Jenn) über einen geheimen Ort (Trenzalore), der das größte Geheimnis des Doctors beinhaltet. Sie beruft daraufhin eine Art Séance ein, an der neben Jenny und Strax auch Clara und River Song teilnehmen. Während die fünf sich austauschen, werden Jenny, Vastra und Strax von den „Whispermen“ entführt, was den Doctor schließlich dazu veranlasst, entgegen aller Gefahren Trenzalore zusammen mit Clara aufzusuchen, um das Trio zu retten. Dabei kommen eine Menge Geheimnisse um den Ort zum Vorschein und es wird erklärt, weshalb Clara bereits zuvor zwei Auftritte als eine scheinbar andere Person in der Serie hatte.

Nach der ersten Sichtung dieser Episode ist man zunächst verwirrt. Es gibt viele Dinge, die auf den ersten Blick keinerlei Sinn zu ergeben scheinen oder gar absurd wirken. Aber wenn man das Gesehene einmal sacken lässt, kann man doch sehr zufrieden mit der Folge sein. Eigentlich bleiben dann nur zwei zentrale Fragen zurück: Wie konnte die Great Intelligence von dem Ort erfahren und warum war es am Ende doch kein Problem für den Doctor, die eigene Zeitlinie zu betreten, um Clara zu retten?
Abseits davon ist diese Episode ein wilder Trip in Moffats Gedankenwelt und schnürt ein Abenteuer zusammen, was alle Elemente der Serie in sich vereint. Wir haben das Trio um Madame Vastra, welches der Doctor beziehungsweise Clara trotz aller Warnungen zu retten vermag. Sie sind ihm wichtig, weshalb er die Reise nach Trenzalore erst unternimmt und alles aufs Spiel setzt, was er bisher geleistet hat. Hätte er kein Interesse an einer Rettung gehabt, wäre alles ganz anders gekommen und die Great Intelligence hätte ziemlich alt aus gesehen – da wäre keine Chance gewesen, in das Grabmal des Doctors einzutreten. Aber der Doctor setzt hier alle Hebel in Bewegung, trotzt den Gefahren und kann am Ende seine Freunde retten – so, wie es auch sein sollte. Dann die Auftritte von River Song, die neben dem emotionalen Moment mit ihrem Ehemann mal wieder zeigen kann, wie wichtig diese Figur geworden ist. Sie kennt den wahren Namen des Doctors (der natürlich nicht preis gegeben wird), macht Bekanntschaft mit Clara und liefert durch ihre Auftritte einen beträchtlichen Teil zur Auflösung um The Impossible Girl bei. Es geht hier nicht nur um den Doctor und seine Geheimnisse. An erster Stelle stehen seine Begleiter und die werden sehr gut in der Geschichte untergebracht.
Clara: Die Katze ist jetzt aus dem Sack. Alles, was nötig war, wurde in dieser Episode geklärt. Ihr vorherigen Auftritte in „Asylum of the Daleks“ und „The Snowmen“ lassen sich mit den vielen Versionen erklären, in die die Figur beim Eintritt in den Zeitstrom des Doctors aufgesplittet wurde. Es ist gut möglich, dass wir in Zukunft noch auf weitere Versionen von ihr treffen, die dem Doctor zu Hilfe eilen und den Einfluss der Great Intelligence bekämpfen. Dass sie in ältere Inkarnationen des Doctors eingebaut wurde (ohne dass diese sich daran erinnern können), war zudem ein tolles Gimmick, was in jedem Langzeit-Seher der Serie Begeisterung auszulösen vermag. Wann bekommt man schon den ersten Abflug von Gallifrey mit der TARDIS zu sehen? Noch dazu mit William Hartnell als ersten Doctor und dessen Enkelin Susan? Sehr schön eingebaut waren auch die Szenen mit den anderen Doctoren, denn es wird der gesamten Serie damit Tribut gezollt.

Der Höhepunkt ist aber sicherlich der Auftritt von John Hurt als eine Inkarnation des Doctors, die zuvor noch nicht erwähnt wurde. Wir können bereits erahnen, dass er im „Time War“ eine große Rolle gespielt hat und dass hier das Special zum 50. Jubiläum angeteasert wird. Ein Doctor, der dem Namen „Doctor“ nicht gerecht wurde? Möglicherweise die Inkarnation, die den Untergang der Timelords herbeigeführt hat? Das weckt große Erwartungen an das kommende Special.
Insgesamt ein Staffelfinale, durch das man erstmal durchsteigen muss, um zu erkennen, wie gelungen es doch eigentlich ist. Nach der Erstsichtung bleibt ein gewaltiger Mindf*ck zurück, obwohl es eigentlich sehr konsistent zur Serienmythologie beiträgt – o.k., abgesehen von den zwei Fragen, die oben angesprochen wurden und der üblichen Dosis an Paradoxien, die Moffat vielleicht ein wenig zu oft benutzt, um den Zuschauer zu verwirren. Claras Existenz hat schließlich doch irgendwo ein ähnliches Dilemma wie die Frage danach, was zuerst da war – die Henne oder das Ei: Sie musste den Zeitstrom des Doctors betreten, um in „Asylum of the Daleks“ und „The Snowmen“ aufzutauchen – erst dadurch hat der Doctor nach der dritten (echten) Clara-Version Ausschau gehalten und seine Neugierde wurde geweckt. Aber erst diese dritte Version ist es, die den Zeitstrom des Doctors betritt. Die Schlange beißt sich in den Schwanz. Der Anfang ist gleichzeitig das Ende und es gibt eine (Zeit-)Schleife, die sich nicht linear erfassen lässt. Timey-Wimey.

Das nächste Special nennt sich “The Day of the Doctor” (von Steven Moffat) und sollte am 23. November 2013 auf Sendung gehen – auf den Tag genau 50 Jahre nachdem die Serie 1963 an den Start ging. Und für dieses Jubiläum hat die BBC sich ordentlich ins Zeug gelegt. Nicht nur, dass die Zuschauer daheim das Ereignis am TV sehen konnten, in 94 Ländern weltweit wurde das Special auch simultan im Kino gezeigt und bekam damit einen Eintrag in das Guiness Buch der Rekorde. Bevor es dann aber soweit war, gab es noch fünf Mini-Episoden. Dreimal durfte Strax seine Berichte verkünden. Einmal zu „Trafalgar Square“, einmal zu „The Zygons“ und einmal zu „Queen Elizabeth“. Die anderen zwei Mini-Episoden sollen hier zunächst etwas genauer besprochen werden, bevor es um das eigentliche Special geht.

In „The Night of the Doctor“ (von Steven Moffat) kehrt Paul McGann erstmalig seit dem TV Film von 1996 als achter Doctor zur Serie zurück. Der Time War ist bereits in vollem Gange und der Doctor hat sich aus dem Krieg weitestgehend heraus gehalten. Die Timelords sind mittlerweile genau so in Ungnade gefallen wie die Daleks und der Versuch des Doctors, die Pilotin Cass (Emma Campbell-Jones) zu retten, stößt auf keine Gegenliebe. Cass weigert sich, die TARDIS zu betreten und das Schiff stürzt schließlich ab. Am Boden wird der Doctor von dem Schwesternorden von Karn für kurze Zeit wiederbelebt und Ohila (Clare Higgins) überzeugt ihn schließlich, dass er in den Krieg eingreifen muss – er sei der einzige, der den Time War beenden könnte. Daraufhin nimmt der Doctor einen Trunk zu sich, der die Regeneration zum War Doctor (John Hurt) einleitet.

Die knapp sieben Minuten dieser Episode schließen eine Lücke, die seit dem Neustart der Serie in 2005 vorhanden war. Wir sehen das Ende des achten Doctors und seine Regeneration in einen jungen War Doctor (dazu wurde Archivmaterial von einem jüngeren John Hurt verwendet). Der Doctor hat eingesehen, dass er nicht länger zuschauen kann, wie die Timelords und Daleks sich bekämpfen und dabei das Universum und die Realität selbst zunichte machen. Auf Ohilas Drängen entschließt er sich, zu einem Krieger zu werden – passend dazu auch die abschließenden Worte vom War Doctor: „Doctor no more.“
Somit wissen wir nun, wie es zur Inkarnation von John Hurts War Doctor gekommen ist. Der Schwesternorden von Karn ist übrigens bereits durch „The Brain of Morbius“ (1976 mit Tom Baker als vierten Doctor) bekannt. Außerdem zählt der achte Doctor bevor er den Trank zu sich nimmt die Namen seiner Begleiter auf – ein Wink auf die Hörspiele zum achten Doctor, die von Big Finish Productions noch heute produziert und die normalerweise nicht zum Serienkanon gezählt werden.
Die Kurzfolge kam derart gut beim Publikum an, dass ernsthaft über ein Spin-off mit dem achten Doctor nachgedacht wurde. Es gab sogar eine Petition, die über 15.000 Stimmen dafür verzeichnen konnte. Allerdings meinte Showrunner Steven Moffat, dass es immer nur einen Doctor geben sollte (mit Ausnahme diverser Specials) und erteilte dem Spin-off damit eine Absage.

In der letzten Mini-Episode, „The Last Day“ (von Steven Moffat), bekommen wir aus den Augen eines Soldaten zu sehen, wie die Lage in Arcadia – dem „sichersten Ort“ auf Gallifrey – aussieht. Nach kurzen Instruktionen werden wir Zeugen davon, wie die Daleks ihren Angriff auf Arcadia beginnen.

Ein weiterer kleiner Teaser auf die kommenden Geschehnisse. Arcadia ist dabei keine kleine unbekannte Stadt, sondern eine der wichtigsten Städte auf Gallifrey. Der zehnte Doctor (David Tennant) hat den Untergang von Arcadia durch die Daleks während des Time Wars bereits in „Doomsday“ erwähnt und auch angegeben, dabei gewesen zu sein. Wir können uns für das Special also auf einiges gefasst machen.

In „The Day of the Doctor“ ging es dann in gut 75 Minuten endlich ans Eingemachte. Hier werden zwei Geschichten behandelt, die sich über verschiedene Orte und Zeitlinien erstrecken und mit einander verwoben werden. Auf der Erde droht dabei eine Invasion durch die Zygons, die bereits im 16. Jahrhundert auf unserem Planeten auftauchten und nun in der Gegenwart zuschlagen wollen. Gleichzeitig steht beim War Doctor während des Time Wars ein entscheidender Moment an: Er hat eine geheime Waffe der Timelords – „The Moment“ – entwendet und kann damit nun die Daleks und die Timelords auslöschen. Aber die Waffe hat ein Bewusstsein (gespielt von Billie Piper) und führt ihm zunächst vor Augen, was mit ihm passiert, wenn er sie einsetzt. Dabei trifft er auf den zehnten und elften Doctor, steht ihnen bei deren Zygon-Abenteuer bei und muss schließlich eine Entscheidung fällen.

Poster zur Folge.

Wow wäre noch untertrieben. Wo fängt man hier am besten an? Zunächst einmal kann sich dieses Special wirklich als 50. Geburtstag der Serie auffassen. Es ist alles vorhanden, was die Serie ausmacht und Moffat hat eine gute Mischung aus Drama und Humor gefunden. Die ernsten Momente sitzen genau so gut wie die witzigen, es gibt zahllose Referenzen auf vergangene Episoden und Abenteuer, ohne dass die Geschichte darunter leidet. Die Handlung ist komplex, springt oft hin und her, aber verwirrt dabei den Zuschauer nicht (zu sehr), bietet oft sogar Hilfestellung zum Verständnis. Die Aufmerksamkeit des Zuschauers wird gefordert und auch belohnt. Großartige Momente häufen sich gegen Ende des Abenteuers und lassen den Zuschauer schließlich mit offener Kinnlade zurück. Ganz großes Kino im Sinne der Serie und ein Liebesbrief an jeden Whovian. Danke Moffat.

Aber bevor das jetzt zu sehr nach reiner Lobhudelei klingt, zunächst ein paar negative Punkte: Da ist der Time War also in vollem Gange und der Kriegsschauplatz Arcadia wurde fantastisch in Szene gesetzt. Nur: Wo war der Rest? Hieß es nicht, das Universum wäre dabei, in Flammen aufzugehen? Was wir sehen, ist nur Gallifrey und die Dalek-Flotte drum herum. Das hätte man sich doch irgendwie größer vorgestellt, oder nicht? Dahingehend sorgt das Ende auch für Verwirrung: Gut, Gallifrey wurde gerettet und konserviert. Aber weshalb sind die Daleks nun weg? Die werden sich kaum alle gegenseitig im Kreuzfeuer kaputt geschossen haben und es waren mit Sicherheit nicht sämtliche Daleks des Universums damit beschäftigt, Gallifrey auseinander zu nehmen. Der Kampf sollte auch an anderen Ecken toben. Außerdem ist es doch fraglich, ob sich auch alle Timelords auf Gallifrey aufhielten – ein Volk, was über die Möglichkeit von Raumzeitreisen verfügt, wird wohl auch fern der Heimat versuchen, gegen die Daleks zu bestehen. Von daher macht das Ende leider wenig Sinn – wenn nur der Planet Gallifrey verschwindet, wäre der Krieg noch nicht vorbei.
Eine andere Sache ist die Rollenverteilung von gut und böse der beiden Kriegsparteien. Abgesehen vom General der Timelords (Ken Bones) bekommen wir zu oft Szenen mit Gallifrey-Kindern zu Gesicht und von Soldaten, die verzweifelt versuchen, ihre Stadt und die Einwohner zu verteidigen. Weshalb sind denn nun die Timelords genau so in Ungnade gefallen wie die Daleks, wie es halt in „The Night of the Doctor“ gezeigt wurde? Dass die Daleks nicht Gutes im Schilde führen, ist klar. Aber die Timelords werden hier nur in der Opferrolle gezeigt und es wird sich hauptsächlich auf Kinder fokussiert. Das passt nicht so ganz zur Vorgeschichte mit Paul McGann und dazu, dass die Timelords ähnlich grausam wie die Daleks gekämpft haben sollen. Allein ein Verweis vom General darauf, dass verbotene Waffen (abgesehen von „The Moment“ natürlich) benutzt wurden, reicht da nicht.
Die einzige Erklärung für diese beiden größeren Minuspunkte wäre, dass der Kampf im letzten Stadium ist und sich alle Timelords und Daleks auf bzw. um Gallifrey befinden – sämtliche Timelords in die Enge gedrängt und ohnehin am Rande der kompletten Vernichtung. Die letzten Züge des langen Krieges, dessen Ende absehbar ist. Aber so wird es leider nicht geschildert. Smiths Doctor befürchtet an einer Stelle sogar, dass die Daleks um Verstärkung rufen würden, wenn sie wüssten, dass sie es mit mehr als nur einem Doctor zu tun haben.

Aber gut, dafür ist alles andere vollkommen stimmig und einfach nur großartig gemacht. Schon der Anfang mit dem alten Vorspann von „An Unearthly Child“ (1963), den ersten Sekunden in schwarz/weiß, das Schild zum Schrottplatz von „I.M. Foreman“ in der Totter’s Lane und die Coal Hill Schule, wo einst Ian Chesterton (William Russell) und Barbara Wright (Jaqueline Hill) lehrten, geben einen Vorgeschmack von Nostalgie. UNIT und Jemma Redgrave als Kate Stewart durften natürlich nicht fehlen, schließlich hat der dritte Doctor (Jon Pertwee) lange Zeit für diese Organisation gearbeitet – zur Verwunderung von Clara. Neu eingeführt wurde für das Special die Rolle der Osgood (Ingrid Oliver), die ebenfalls bei UNIT arbeitet und einen Schal vom vierten Doctor (Tom Baker) trägt. Dabei bekommen Kate und Osgood genug Persönlichkeit und eigene kleine Momente verpasst, dass sie sich prima in das Geschehen einfügen ohne blass zu bleiben. Brigadier Lethbridge-Stewart (auf einem Foto in den Black Archives zu sehen, wie viele andere ehemalige Begleiter des Doctors ebenfalls) wäre stolz auf die beiden.
Der Auftritt von Tennants Doctor lüftet schließlich das Geheimnis um die Hochzeit des Doctors mit Queen Elizabeth I. (Joanna Page) – eine Sache, die schon vor längerer Zeit erwähnt wurde. Hier findet sich auch ein passender Einstieg für den Zygon-Plot (die kamen übrigens 1975 schon einmal in „Terror of the Zygons“ vor) und das Aufeinandertreffen der drei Doctoren. Als der War Doctor erscheint, werden dabei Erinnerungen an „The Three Doctors“ (1973) wach, wo der erste Doctor seine beiden Nachfolger ähnlich skeptisch betrachtet und ihnen auch abfällige Namen verpasst (Clown und Dandy, wenn ich mich nicht irre). Außerdem mochte auch Troughtons Doctor das neue Innenleben der TARDIS nicht und gab genau die gleichen Worte von sich wie Tennant in Smiths TARDIS ( „Oh, you redecorated. I don’t like it.“). Ach, es gab so viele Hinweise und Verneigungen vor vergangenen Abenteuern – sie alle aufzuzählen, scheint unmöglich. Aber vielleicht ein paar Worte zu Billie Piper: Es war eine gute Entscheidung, sie nicht als Rose zurück zu bringen – deren Geschichte ist abgeschlossen und sollte es auch bleiben. Das Hintertürchen mit dem Bewusstsein von „The Moment“, welches nur der War Doctor sehen kann, passte da schon gut ins Bild. Und die Bad Wolf Referenz sowieso. Kleineres Manko hier: Wenn der War Doctor ihr Gesicht bereits kannte, hätte der neunte Doctor (Christopher Eccleston) anders auf das erste Treffen mit Rose Tyler reagieren müssen.

Nun zu den Hauptakteuren: Smith und Tennant hätten gerne öfter mal zusammen in der Serie vorkommen können. Die beiden hatten sichtlich Spaß an der Sache und geben ein prima Team ab. Für Hurts Figur sollte es vielmehr ein Blick in die eigene Zukunft sein und dass er anders als die anderen Doctoren ist, konnte er gut vermitteln. Die schwere Entscheidung, die auf seiner Figur lastet beziehungsweise ihr bevor steht, schwingt in seiner Stimmung stets mit und wird nur selten abgelegt. Trotzdem steckt ein echter Doctor hinter der bärtigen Fassade und der Spaß am Abenteuer und der (spätere) Stolz darauf, was trotz der Auslöschung der Timelords aus ihm werden kann, bricht immer wieder an die Oberfläche. Last but not least: Clara. Sie spielt zwar in größeren Teilen der Episode nur eine Nebenrolle – die Show gehört schließlich den drei Doctoren – aber gibt schließlich den Ausschlag, um eine alternative Lösung zur ultimativen Massenvernichtung zu suchen. Dabei wird auch das Versprechen erwähnt, was hinter dem Namen „Doctor“ steht: Never cruel or cowardly. Never give up. Never give in. Ab hier jagt dann auch ein großer Moment den nächsten, wie es sich für ein gutes Episoden-Finale gehört. Zunächst der Auftritt der drei Doctoren beim General von Gallifrey mit dem Lösungsvorschlag über den Smiths Doctor Jahrhunderte lang nachdenken konnte und der die Folge über mit dem Zygon-Plot schon angekündigt wurde. Dann das Zuschalten der anderen Doctoren, um die nötige Zeit für die Berechnungen zu haben – ebenfalls vorher angekündigt mit dem Screwdriver-Trick. Und schließlich der Knaller: Peter Capaldis Kurzauftritt als „dreizehnter“ Doctor. Awesome.

Nach dieser Lösung fragt man sich automatisch, ob sich nun durch die Veränderung auch die Zeitlinien der Doctoren verändern. Dem ist aber nicht so und die Erklärung dafür ist leider etwas platt. Weder der War Doctor noch der zehnte Doctor noch die anderen (älteren) Doctoren werden sich an das nun veränderte Ereignis erinnern können, weil … weil es so ist. Lediglich Smiths Doctor verfügt über das Wissen, dass Gallifrey noch existiert. Hier kommt dann auch der Überraschungsauftritt von Tom Baker, der einen recht mysteriösen Kurator mimt. Andeutungsweise könnte er eine zukünftige Inkarnation vom Doctor sein, die sich zur Ruhe gesetzt hat und nur zufällig Ähnlichkeit mit dem vierte Doctor hat. Aber das bleibt offen. Er bestätigt dem elften Doctor lediglich, dass die Aktion erfolgreich verlaufen ist und Gallifrey noch existiert – oder besser: Gallifrey falls no more.

Insgesamt war das Special sehr dicht an der Perfektion dran und stellt mit Leichtigkeit einen Höhepunkt der Serie dar. Moffat spielt gekonnt mit seinen Möglichkeiten, verwebt die Geschichte auf vielen Ebenen zu einem (größtenteils) stimmigen Ganzen, welches sich auch als Kinofilm sehen lassen konnte. Der Übergang von der alten zur neuen Serie ist damit vollzogen – zumindest was die Person und Inkarnationen des Doctors angeht.

An dieser Stelle vielleicht ein kurzer Einwurf zur Zählweise und den Regenerationen, auch wenn die erst nach dem Weihnachtsspecial deutlich gemacht wurden.
Regenerationen: Durch den War Doctor wurde eine weitere Regeneration verbraucht und Matt Smith liefert somit das zwölfte Gesicht des Timelords. Tennants Doctor hat eine zusätzliche Regeneration verbraucht, womit Smiths Doctor die letzte Inkarnation sein sollte (denn das vormals festgelegte Limit ist damit aufgebraucht).
Zählweise: Der War Doctor wird nicht als regulärer Doctor gezählt, somit bleibt Smith der elfte Doctor und Capaldi wird der zwölfte Doctor werden.

Zusätzlich zur Jubiläumsfolge machte die BBC kurz darauf „The Five(ish) Doctors Reboot“ (von Peter Davison) verfügbar. Diese komödiantische halbe Stunde zeigt, wie Colin Baker, Sylvester McCoy und Peter Davison sich daran machen, im Jubiläumsspecial dabei zu sein. Dabei treffen sie auf allerlei Leute, die mit der Serie zu tun haben oder hatten.
Ein sehr witziger Nachschlag, der die Altdarsteller auf köstliche Art und Weise durch den Kakao zieht.

Außerdem erwähnenswert ist an dieser Stelle: „An Adventure in Space and Time“ (von Mark Gatiss) – ein Doku-Drama mit William Hartnell (gespielt von David Bradley) im Mittelpunkt. Gezeigt werden die Anfänge der Serie mit ausführlichen Blicken hinter die Kulissen und Macher von „Doctor Who“ in den sechziger Jahren. Ein sehr empfehlenswerter Film für Interessierte.

Mit der Serie ging es dann wie gewohnt zu Weihnachten mit einem einstündigen Special weiter, welches den Abschied vom elften Doctor Matt Smith darstellte. Auch zu „The Time of the Doctor“ (von Steven Moffat) gab es im Vorfeld wieder einige Mini-Episoden in Form der „Strax Field Reports“. „The Doctors“, „A Sontaran’s View of Christmas“ und „The Doctor has regenerated“.

Aber nun zum Special: In „The Time of the Doctor“ sendet ein Planet, der sich später als Trenzalore entpuppt, eine Nachricht durch Raum und Zeit aus. Diese Nachricht hat bereits zahlreiche Feinde des Doctors angelockt, bevor er selbst dieser Botschaft folgte. Obwohl das Signal sich nicht entschlüsseln lässt, übermittelt es ein Gefühl von Furcht. Dank Tasha Lem (Orla Brady) und ihrer Kirche (Auftritt der Silence) ist der Doctor schließlich der erste, der den Planten betritt und zusammen mit Clara in der Stadt „Christmas“ landet. Hier spricht jeder stets die Wahrheit und der Doctor findet einen allzu bekannten Riss vor, hinter dem sich die Quelle der Botschaft befindet: Gallifrey. Die Timelords suchen einen Weg zurück aus der Verbannung und stellen die bekannte Frage „Doctor Who?“, die nur der Doctor beantworten kann. Damit steht unser Timelord auch gleich seinem Dilemma gegenüber: Spricht er seinen Namen, kommt Gallifrey zurück und dank der zahlreichen Gegner wird der Time War neu gestartet. Verlässt er den Planeten, droht dessen Zerstörung und die Timelords müssten sich einen anderen Heimweg suchen. Ganz zu schweigen davon, dass sämtliche Bewohner von Trenzalore der Vernichtung entgegen blicken.

Poster.

Wenn Steven Moffat eines mit diesem Special geschafft hat, dann ist es ein gutes Ende für den elften Doctor gewesen. Matt Smith gibt eine sehr gelungene Abschiedsvorstellung und darf dabei sämtliche Facetten seines Doctors ausspielen, was er wunderbar hinbekommt. Obwohl die Maske der älteren Doctor-Versionen nicht immer so überzeugend wirkt, schafft es Smith stets, die Persönlichkeit seines Doctors treffend zu verkörpern und da ist von Humor und Neugierde bis hin zu Trauer und Ernsthaftigkeit so ziemlich alles vertreten. Und lügen darf er natürlich auch. Kurzum: Der Doctor steht hier erneut im Mittelpunkt – genau so, wie es auch sein sollte.

Was Clara – unser „Impossible Girl“ – betrifft, ist sie zwar in gewissem Sinne eine Art Beiwerk, aber keineswegs unwichtig. Zugegeben, scheinbar ist die Figur in erster Linie deshalb vertreten, um den Zuschauer daran zu erinnern, dass es sich um eine Weihnachtsfolge handelt – Familientreffen, Truthahn, usw. Aber sie bekommt zum Glück dann doch etwas mehr zu tun und ist am Ende wieder einmal für den erfolgreichen Abschluss der Folge verantwortlich – so wie es eben ihre Bestimmung ist, den Doctor zu retten. Es war jedenfalls ein guter Kniff, die Auflösung des Abenteuers und der Regenerationsfrage mit einer einfachen Bitte von Clara an die Timelords zu lösen. Kein großer Hokus-Pokus mit Timey-Wimey, sondern schlichtweg ein Hilferuf an die Timelords, um den Doctor zu retten. Genial.
Womit Moffat sich allerdings übernimmt – vermutlich wäre ein Zweiteiler besser gewesen als diese 60minütige Tour de Force – ist die Geschichte an sich. Er will einfach zuviel und überlädt das Abenteuer geradezu mit Informationen, um einen großen Bogen über sämtliche Smith-Staffeln zu schlagen. Die Geste ist gut und sicher keine schlechte Idee, aber die Geschichte verlangt dem Zuschauer damit extrem viel in einem hohen Tempo ab und verheddert sich leider (abermals) in diversen Widersprüchen. Die Frage nach dem Riss wird zum Beispiel erneut auf „Henne oder Ei“ – Art gelöst: Gallifrey macht sich die Narbe vom Riss zunutze, ist aber gleichzeitig die Ursache für den Riss, der durch die Silence (und die TARDIS-Explosion aus „The Big Bang“ ), die sich von Tashas Kirche abgespalten haben, verursacht wurde. Trenzalore wurde in „The Name of the Doctor“ als sein Grabmal präsentiert und jetzt bekommt er einen neuen Regenerations-Zyklus – wenn man es genau nimmt, hätte „The Name of the Doctor“ damit nie stattgefunden oder wird bestenfalls in die Zukunft verfrachtet. Überhaupt, der Doctor war schon auf Trenzalore und erkennt den Planeten nicht gleich, nachdem er dort ankommt? Solche Fehler sind nur schwer wegzudenken und kratzen doch stärker an der Geschichte, wenn man darüber nachdenkt. Ein weiterer Kritikpunkt sind die vielen Gegner, die hier auftreten. Sicher, es ist schon ganz cool, hier wieder auf Cybermen, Silence, Daleks, Weeping Angels, Sontarans, usw. zu treffen. Aber es bleibt das Gefühl, dass auch ein Gegner (Daleks) und ein Verbündeter genug gewesen wären. Der Plot um die Verteidigung des Planeten hätte auch gerne ausgebaut werden können. Hier gibt es viele kleine Einblicke zu sehen, aber im Großen und Ganzen bleibt das Geschehen doch eher fad – hölzerner Cyberman hin oder her. Und weshalb fliegt man überhaupt zu einem Planeten, wenn man die Nachricht nicht entschlüsseln kann und nur Angst durch sie empfindet? Punkt wäre: Mit mehr Zeit hätte sich das Ganze wahrscheinlich besser verkauft und wäre vermutlich weniger überladen gewesen.
Was witzig war: Die Holo-Kleidung. Da konnte wohl jeder lachen und die Idee einer Kirche, in der man nackt auftreten muss, hat durchaus was für sich. Dann die Perücke des Doctors. Matt Smith hat sich für einen Film, den er vor diesem Special gedreht hat, die Haare vom Kopf rasiert und entsprechend stets künstliche Haarpracht getragen. Sehr schön, wie das hier eingesetzt wurde.
Zu guter Letzt war da noch der Auftritt von Karen Gillan, von der der Doctor Abschied nimmt. Einerseits eine tolle Szene, die da sein musste, andererseits zeigt es aber auch, dass der elfte Doctor nicht sehr viele Begleiter hatte – trotz seiner langen Lebenszeit. Bei Peter Capaldis Übernahme ging es derweil recht fix, mit einem kleinen Nieren-Witz und einer neuen Bedrohung – sei es auch nur, herauszufinden, wie man die TARDIS steuert. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie er sich als zwölfter Doctor schlagen wird.
Zum Thema Referenzen: Die meisten sind wohl recht eindeutig auf die früheren Abenteuer des elften Doctors ausgelegt (der Riss, „Silence will fall“, River Song (indirekt – schade, dass sie hier keinen Auftritt hatte), usw.), aber eine kleine andersartige Referenz sollte vielleicht dennoch extra erwähnt werden: Der Doctor benutzt zur Entschlüsselung der Nachricht ein Siegel der Timelords, welches er vom Master gestohlen hat. Das ist eine Anspielung auf „The Five Doctors“ (1983).

Rückblick auf die Staffel: Es war auf jeden Fall sehr abwechslungsreich und die visuellen Effekte hatten größtenteils Blockbuster-Niveau. Für mich war es ein wilder Ritt durch Einzelabenteuer, die in einer Trilogie aus „The Name of the Doctor“, „The Day of the Doctor“ und „The Time of the Doctor“ endeten. Nicht alles war gut, aber vieles wusste doch zu gefallen. Nicht das Beste, was die Serie jemals abgegeben hat, aber doch irgendwie gut und mit Neuorientierungen innerhalb der Serie. Man darf jedenfalls gespannt sein, wie der nächste Doctor weiter macht.
Die Ponds haben fünf weitere Abenteuer bekommen, die durchaus o.k. waren. Der Abschied hinkt allerdings anderen früheren Begleitern des Doctors hinterher. Da hätte sich vielleicht ein anderer Weg angeboten, der den beiden ein glückliches Happy End verschafft hätte, ohne sie als Opfer der Weeping Angels hinzustellen. Moffat hätte da z.B. mal auf die alte Serie schauen können, wo einige Begleiter den Doctor schlichtweg verlassen haben, um ihr eigenes Leben zu führen. Nicht gerade sehr dramatisch, zugegeben, aber doch eine vernünftige Lösung, zumal der Doctor sich zuletzt nicht sehr häufig bei den Ponds blicken ließ.
Clara als neue Begleiterin ist dichter am Doctor dran als alle ihre VorgängerInnen. Das verspricht eine gute Ausgangslage für künftige Abenteuer, stellt die Autoren aber gleichzeitig vor ein Problem: Wenn sie den Zeitstrom des Doctors betreten hat, sollte sie bereits mehr gesehen haben, als die Zukunft von Coleman in der Serie hergibt. Man kann Trenzalore als nicht fixiert betrachten – vermutlich sollte man das sogar nach dem Weihnachtsspecial. Dennoch ist Vorsicht geboten und Moffat sollte versuchen, ihrer Figur in Zukunft mehr von einer Begleiterin zu geben als sich mit ihrer Vergangenheit zu beschäftigen. Sie sollte dem zwölften Doctor gut unter die Arme greifen, aber nicht in eine Notwendigkeit verfallen. Genau wie der Doctor ist auch Clara nur für eine gewisse Zeit in der Serie vertreten. Sollte sie „zu wichtig“ werden, wird ihr Abschied ein großes Problem darstellen. Aber die Musik, die jedes Mal angespielt wird, wenn sie auftritt, hat durchaus was für sich – hätte bei früheren Begleitern durchaus auch Verwendung finden können.
Matt Smith hat einen tollen Doctor abgegeben und seiner Version einen deutlichen Stempel aufgedrückt. Der „Raggedy Man“ mit einer Vorliebe für „Bow Ties“ und der niemals an einem Fes vorbei geht, ohne ihn aufzusetzen, war durchaus gelungen. Seine Energie hat der Darsteller oft positiv auf die Rolle übertragen und ließ sein fiktives Alter oft durchblicken. Das muss man erstmal schaffen, wenn man den jüngsten Doctor verkörpert. Hut ab dafür.
Die Staffel mit ihren Specials war dennoch nicht mein Favorit. „The Day of the Doctor“ war toll und einige Episoden schlichtweg sehr gut. Aber es fehlte etwas. Vielleicht der große Handlungsbogen? Clara war gut (auch wenn ich die Version aus „The Snowmen“ als die bessere empfinde), aber nicht genug, um einen Spannungsbogen aus vorherigen Staffeln hinzubekommen. Von der „Great Intelligence“ brauchen wir gar nicht erst reden – da wäre deutlich mehr drin gewesen, auch wenn die Hoffnung auf weitere Auftritte bleibt. Von daher bleibt die Staffel etwas zwiespältig, auch wenn das große Ganze in Ordnung war.

Nachdem ich mich nun ausgiebig über Matt Smiths letztes Kapitel ausgelassen habe: Wie hat euch denn die Staffel gefallen? Wie waren die Specials? Der 50. Geburtstag der langlebigsten Science-Fiction Serie aller Zeiten: Eindrucksvoll? Oder doch eher mau? Ich freue mich wie immer über jeden Kommentar!

 

 

Danke an Clive77 für die Erlaubnis der Veröffentlichung. Originalpost bei Bereitsgesehen.de

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