Doctor Who: Ein Review – Teil 10: David Tennant by Clive77

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Hier geht es nun um den zehnten Doctor, gespielt von David Tennant, der für drei Staffeln und viele Specials (meistens um Weihnachten) die Rolle übernahm. Da der letzte Artikel über den neunten Doctor (Christopher Eccleston) nur eine Staffel zum Thema hatte, aber doch recht lang wurde, gehe ich ab hier staffelweise vor. Somit wird nun die 28. Staffel mitsamt der zugehörigen Specials besprochen (bzw. die zweite Staffel des Neustarts).

Der zehnte Doctor tritt erstmals in den letzten Sekunden von „The Parting of the Ways“ auf, dem 27. Staffelfinale der Serie. Noch im gleichen Jahr (die 27. Staffel lief im Frühjahr und endete Mitte Juni) gab es im November eine Mini-Episode für Children in Need, in der der Doctor Rose überzeugt, dass er immer noch der Doctor ist und mit den Folgen der Regeneration zu kämpfen hat. Zu Weihnachten gab es das erste Vollzeit-Abenteuer „The Christmas Invasion“, das volle 60 Minuten ging.

…das neue Team

Dort landen der Doctor und Rose (Billie Piper) passend zu Weihnachten in London. Mutter Jackie (Camille Coduri) und Freund Mickey (Noel Clarke) kommen auch gleich angelaufen als sie die TARDIS-Geräusche vernehmen und dürfen die unsanfte Landung der blauen Telefonzelle beobachten, denn der Doctor ist noch angeschlagen von der Regeneration und bricht auch kurz darauf zusammen. Während der Doctor sich erholt, hat Harriet Jones (Penelope Wilton), die inzwischen britische Premierministerin ist, ganz andere Probleme: Die britische Marssonde „Guinevere One“ wurde von Aliens – den sog. „Sycorax“ – abgefangen und die haben als Weihnachtsüberraschung eine Invasion geplant. Mittels einer an Bord der Sonde befindlichen Blutprobe kann der Anführer ein gutes Drittel der Menschheit hypnotisieren und auf Gebäudedächer dirigieren – bereit zum Sprung in den Tod. Als das Raumschiff der Sycorax schließlich über London eintrifft, werden Harriet und einige ihrer Vertrauten an Bord teleportiert und auch Rose und Mickey landen samt TARDIS, in der sie mit dem komatösen Doctor Schutz gesucht haben, kurze Zeit später vor dem Anführer der Sycorax. Die Lage scheint aussichtslos…

Das erste Christmas Special von Russel T. Davies und damit die Einführung des zehnten Doctors ist durchaus gelungen. Vierzig lange Minuten wird der Zuschauer auf die Folter gespannt und muss warten bis der neue Doctor endlich in alter bzw. neuer Form in Erscheinung treten und die Menschheit wieder einmal retten darf. Und das Warten auf die letzten zwanzig Minuten ist es auf jeden Fall wert gewesen: Statt direkt mit den Sycorax zu verhandeln, begrüßt der Doctor erstmal Rose und Harriet. Erst als der Anführer langsam ungeduldig wird und den Doctor drauf aufmerksam macht, dass gerade eine Invasion stattfindet, wendet er sich der Bedrohung zu. Da wird mal eben der große Knopf gedrückt, der besagtes Drittel der Menschheit springen lassen sollte – ein Bluff, wie sich herausstellt, da der Selbsterhaltungstrieb größer ist als die „Blutkontrolle“ und der Anführer anschließend im Zweikampf mit Schwert besiegt. Der neue Doctor nimmt alles mit Humor, selbst als ihm die Hand abgeschlagen wird (die kurz darauf nachwächst, weil die Regeneration weniger als 15 Stunden her ist und der Doctor noch über „zellulare“ Energie verfügt). Besonders witzig war aus meiner Sicht die Rede des Doctors, die er selbst mit den Worten „sorry, that’s the Lion King“ abbricht.

Beeindruckend sind auch die vielen eingebauten Referenzen auf die vorherige Staffel, alleine Rose benutzt gegenüber dem Anführer der Sycorax die Begriffe „Shadow Proclamation“, die Slitheen, die Gelth, den Jagrafess und die Daleks. Dann wären da noch Harriet, Unit, die „komplett anders aussehenden Marsianer“ (Anspielung auf die Ice Warrior?), das Gerüst um Big Ben und Torchwood, was hier erstmals erwähnt wird und von Harriet den Befehl bekommt, das bereits abziehende Raumschiff der Sycorax unter Beschuss zu nehmen. Ein Fehler ihrerseits, prophezeite der Doctor ihr in „World War Three“ noch drei Amtsperioden, bringt er sie hier mit den Worten „Don’t you think she looks tired?“, die er ihrem verbliebenen Vertrauten ins Ohr flüstert, politisch zu Fall. Auch die problematische Regeneration war nicht neu. Jon Pertwee und Peter Davison waren bei ihrem ersten Abenteuer auch die meiste Zeit deswegen außer Gefecht gesetzt. Apropos alte Doctoren, als der Doctor seine neue Kleidung auswählt, sind mir zumindest der Schal von Tom Baker und der Hut von Sylvester McCoy aufgefallen. Laut BBC sind übrigens alle Vorgängerkostüme irgendwo im Kleiderschrank/-raum untergebracht gewesen. Zuletzt sei noch der vom Doctor gebrauchte Ausdruck „Fantastic!“ erwähnt, den sein Vorgänger Christopher Eccleston mindestens einmal in jeder Folge benutzt hat.

Als David Tennant die Rolle annahm, meinte er übrigens, dass er in große Fußstapfen treten wird. Das ist mit diesem einen Special aus meiner Sicht bereits gelungen. Für neue Zuschauer dürfte das Special allerdings kein guter Einstieg in die Serie sein. Neben den ganzen Anspielungen auf die vorherige Staffel dürfte auch die Verwunderung aller über das neue Aussehen des Doctors für Fragezeichen im Kopf sorgen.

Ebenfalls zu Weihnachten gab es noch eine interaktive Mini-Episode namens „Attack of the Graske“, bei der der Zuschauer per Fernbedienung Entscheidungen treffen musste und für den Ausgang des Abenteuers verantwortlich war. Diese Folge gibt es mittlerweile als Spiel auf der offiziellen BBC-Homepage von Doctor Who (http://www.bbc.co.uk/programmes/b006q2x0…k-of-the-graske ). Leider ohne Variation zur Ausstrahlung, was spätestens nach zweimal spielen langweilig wird.

An dieser Stelle eine Anmerkung zur Staffel: Für alle dreizehn Folgen der regulären zweiten Staffel gab es die sog. „Tardisodes“, die in etwa einer Minute Laufzeit eine Vorschau auf die kommende Folge gaben. Diese Minifolgen konnte man sich auf der BBC Webseite ansehen.

Die 28. Staffel startete dann am 15.04.2006 mit der Folge „New Earth“ (wieder von Russel T. Davies), die durchaus als Fortsetzung zu „The End of the World“ gesehen werden kann. Wie bereits im Weihnachtsspecial angedeutet, führt der Doctor Rose noch weiter weg als bisher, ins Jahr Fünf Milliarden und dreiundzwanzig um genau zu sein. Nach der Zerstörung der Erde hat sich die Menschheit einen neuen Planeten als Erde – „New Earth“ – auserkoren. Nach anfänglicher Bewunderung der „New Earth“ bzw. von „New New York“ suchen die beiden ein Hospital auf, das von den „Sisters of Plenitude“ (Katzennonnen, ähm, -schwestern) betrieben wird, weil dort das „Face of Boe“ nach dem Doctor bzw. dem „Lonely God“ verlangt. Der Doctor und Rose werden recht schnell getrennt. Dahinter steckt Cassandra, die keineswegs gestorben ist und einen neuen Körper sucht, den sie mit Rose auch schnell gefunden hat und übernimmt. Der Doctor ist angesichts der tödlichen Krankheiten, die hier erfolgreich behandelt werden, verwundert und erfährt, dass das Face of Boe im Sterben liegt (obwohl es den Legenden nach seit Millionenjahren existiert). Als er wieder auf Rose trifft, merkt er schnell, dass Cassandra ihren Körper übernommen hat. Allerdings geht er mit Cassandra zusammen den geradezu wunderbaren Genesungen nach und stößt dabei auf die Experimente der Sisters of Plenitude, die moralisch sehr fragwürdig sind. Für den Doctor heißt es dann, die (freigelassenen) Experimente zu stoppen, Rose zu retten und nebenbei noch dem Face of Boe eine Visite abzustatten.

Eine gute Folge, die größtenteils sehr lustig daher kommt. Dabei muss man natürlich die neue Fähigkeit des „Body-Hoppings“ von Cassandra akzeptieren, denn so einfach den Körper zu wechseln wäre auch schon in „The End of the World“ ein denkbarer Ausweg gewesen, wurde dort aber nicht genutzt. Auf jeden Fall hat die Folge auch ein stets aktuelles Thema zur Hand: Wie weit will man bei der Bekämpfung von Krankheiten gehen? Viele Leute regen sich schon über Tierversuche auf, was durchaus legitim ist. Aber welche Alternativen gibt es denn, um beispielsweise ein neues Medikament zu testen? „New Earth“ gibt eine erschreckende Antwort darauf.

Kleinere Unstimmigkeiten sind auch wieder dabei, wie z.B. der Aufbruch am Anfang, bei dem es eigentlich schneien müsste (oder blieb der Doctor noch bis Frühjahr bei Jackie & Co.?) oder Cassandras plötzliche Akzeptanz des eigenen Todes. Aber was soll’s, eine gute Folge und mal sehen, ob wir noch erfahren was das Face of Boe dem Doctor zu sagen hat.

In „Tooth and Claw“ (erneut von Russel T. Davies) reisen der Doctor und Rose ins Jahr 1879, obwohl sie eigentlich auf ein Konzert in 1979 wollten. Dort treffen sie auf Queen Victoria (Pauline Collins), die gerade durch die Lande reist. Die Gruppe übernachtet in der sog. „Torchwood Estate“, die allerdings vorher von einer Art Bruderschaft übernommen wurde. Die Bruderschaft hat auch einen Werwolf dabei, um den sich in der Gegend viele Legenden erzählt werden, und hofft, dass Queen Victoria von ihm gebissen wird, um das „Imperium der Wölfe“ einzuleiten.

Ein Werwolf in Doctor Who? Nicht ganz, die Kreatur entpuppt sich als Außerirdischer, der bereits 1540 eine Bruchlandung hinlegte. Nicht das erste Mal übrigens, dass ein Werwolf in der Serie vorkommt. In „The Greatest Show in the Galaxy“ (1988 ) bekam ein Lycanthrop schon einmal einen Auftritt. Eine nette Geschichte, die mich aber nicht so ganz fesseln konnte. Dazu sieht der Wolf zu sehr nach CGI aus, auch wenn dem Doctor beim ersten Blick ein „beautiful“ über die Lippen geht. Die Story, die sich nach und nach entwickelt und wo der Doctor am Ende wieder auf die Lösung des Problems kommt, ist trotzdem schön anzusehen und liefert mit einem Augenzwinkern eine Erklärung für die Fälle von Hämophilie im englischen Königshaus (ob die echte Royal Family wohl amused über die Folge war?). Am Ende erklärt die Queen, dass sie das Torchwood Institute gründen wird, um für zukünftige Begegnungen der dritten Art gewappnet zu sein. Somit scheint der rote Faden sich in dieser Staffel um Torchwood zu drehen. Neben Torchwood gab es noch zwei andere Referenzen: Der Doctor gibt sich anfangs als „James McCrimmon“ aus und imitiert einen schottischen Akzent – Jamie McCrimmon (Frazer Hines) war ein Companion des zweiten Doctors Patrick Troughton. Außerdem erwähnt der Werwolf beim ersten Treffen mit Rose, dass sie „etwas vom Wolf“ in sich trägt und „wie die Sonne brannte“ – ein Hinweis auf das letzte Staffelfinale.

„School Reunion“ (geschrieben von Toby Whithouse) spielt in der Gegenwart. Durch Mickey (Noel Clarke) wurden der Doctor und Rose auf merkwürdige Ereignisse rund um eine Schule aufmerksam gemacht und die beiden gehen der Sache nach. Der Doctor untersucht als Physiklehrer (mit Namen „John Smith“) getarnt die Vorgänge, während Rose in der Schulküche untergebracht wurde. Im Verlauf der Folge stößt eine alte Begleiterin des Doctors dazu, Sarah Jane Smith (Elisabeth Sladen), und hat auch den Roboterhund K-9 dabei, der dringend eine Reparatur nötig hat. Es gilt, die Machenschaften des Schulleiters Mr. Finch (Anthony Head) und seiner Lehrer zu stoppen, die die Kinder zum fressen gern haben und dazu benutzen, das „Skasis Paradigm“ zu lösen, was komplette Kontrolle über das Universum bedeuten würde. Dass Rose und Sarah Jane sich gegenseitig als Konkurrentinnen in Bezug auf den Doctor betrachten, macht die Sache nicht gerade leichter.

Während das Abenteuer an sich mit den kinderfressenden Krillitanes, die die Kontrolle über Raum und Zeit anstreben, vielleicht etwas durchschnittlich daher kommt, ist die Geschichte um Sarah Jane dadurch um so interessanter. Der vierte Doctor (Tom Baker) hat sich damals ohne ein „Auf Wiedersehen“ aus dem Staub gemacht und steht ihr als zehnter Doctor auf einmal mit einer neuen Begleiterin gegenüber. Da war Ärger vorprogrammiert. Man kann sich durchaus fragen, weshalb der Doctor junge Begleiter bevorzugt und dann nach einiger Zeit wieder sich selbst überlässt. Die Antwort ist einfach, dass er wegen seiner langen Lebensspanne alle überleben würde und zu sehen, wie sie alt werden und sterben, das bringt er nicht fertig. Es war jedenfalls schön mit anzusehen, wie Rose und Sarah Jane ihren anfänglichen Wettstreit beiseite legen und alle zusammen sich dem eigentlichen Problem zuwenden. Das Ende war dann sehr rührselig, da geht einem heute natürlich auch durch den Kopf, dass Elisabeth Sladen verstorben ist und keine Gastauftritte mehr haben wird. Dabei stellt diese Folge schon die Weichen für das Spin-off „The Sarah Jane Adventures“, eine Serie für Kinder, die am 1. Januar 2007 auf Sendung gehen sollte und bis zu Sladens Tod im April 2011 produziert wurde. Auch K-9 ist dort in mehreren Folgen mit von der Partie.

… Reunion

Der Doctor bot Sarah Jane am Ende der Folge an, wieder mit ihm zu reisen, was sie allerdings ablehnte. Dafür darf Mickey jetzt mitreisen. Apropos, als Mickey vor seinem Rechner sitzt und recherchiert, gibt es kurz die Meldung „Torchwood – Access denied“ zu sehen, womit Torchwood auch in dieser Folge erwähnt wird. Der Sonic Screwdriver erhält außerdem eine Limitierung: Falls ein Schloss mit einem „Deadlock Seal“ ausgestattet ist, kann es nicht geöffnet werden.

In „The Girl in the Fireplace“ landen der Doctor, Rose und Mickey im 51. Jahrhundert auf einem scheinbar verlassenen Raumschiff. Ein Kamin im Stil des 18. Jahrhunderts erregt die Aufmerksamkeit des Doctors und stellt sich als ein Zeitfenster in die Vergangenheit nach Frankreich heraus. Auf der anderen Seite trifft er auf ein Mädchen und auf Androiden, die hinter dem Mädchen her sind, aber noch auf den richtigen Zeitpunkt warten. Rose und Mickey finden derweil heraus, dass das Schiff mit menschlichen Organen als Teil des Systems ausgestattet ist. Die drei finden mehrere Zeitfenster, die sich alle um das Leben des Mädchens drehen, welches sich als Madame de Pompadour (Sophia Myles) entpuppt. Die Androiden haben die Zeitfenster geschaffen und Körperteile der ehemaligen Crew zur Reparatur des Schiffs verwendet, aber sie benötigen noch ein Gehirn für den Bordcomputer und haben dafür Madame de Pompadour auserkoren, die nur noch das richtige Alter erreichen muss.

Steven Moffat hat mit dieser Folge einen weiteren Hugo Award (2007) an Land gezogen und bezeichnet die Folge selbst als eine Liebesgeschichte für den Doctor. Mickey und Rose fungieren eher im Hintergrund, während der Doctor sich bemüht, Reinette zu helfen und sich dabei in sie verguckt. Das tragischeEnde ist vorauszusehen. Er kann sie zwar vor den Androiden retten und die Zeitfenster schließen (wobei er sich selbst dabei auch kurzzeitig von der TARDIS abschneidet), aber für das Versprechen, ihr die Sterne zu zeigen, kommt er zu spät zurück, die Dame ist bereits verstorben.
Alles, was ihm bleibt, ist ein Brief der Verstorbenen und der Zuschauer bekommt damit ein tragisches Ende präsentiert.

Eine etwas andere Geschichte, die einmal mehr zeigt, dass ein Timelord eine recht einsame Existenz führt. Die Begleiter bleiben nur kurz und für die Liebe ist kaum Platz. Das Universum lastet da zu sehr auf den Schultern, insofern fällt auch eine mögliche Zeitreise mit der TARDIS flach, denn dann würde er den Brief nicht bekommen sondern ein Paradoxon erhalten. Wer in dieser Folge nach einem Hinweis auf Torchwood sucht, wird übrigens enttäuscht, denn der fehlt.

In der Doppelfolge „Rise of the Cybermen“ und “The Age of Steel” (Autor: Tom MacRae) macht die TARDIS kurzzeitig schlapp und der Doctor, Rose und Mickey landen im London einer Parallelwelt. Während Rose gleich nach ihrem Vater sucht, stattet Mickey seiner Großmutter einen Besuch ab, auch wenn der Doctor von solchen Aktivitäten abrät. Aber die drei stehen schnell vor einem größeren Problem, denn John Lumic (Roger Lloyd Pack) arbeitet an einem „Upgrade“ für die Menschheit: Cybermen.

Ich muss zugeben, dass mir Rose im ersten Teil gehörig auf den Senkel ging. Sie hat sich doch schon von ihrem Vater in „Father’s Day“ verabschiedet und in der Folge damals genug Probleme verursacht. Aber wenn es um Pete (Shaun Dingwall) geht, ist sie wohl lernresistent. Der zweite Teil mit dem Kampf gegen die Cybermen gefiel mir da deutlich besser, vor allem die Ansprache des Doctors gegen Ende, bei der er Mickey vor den Augen des Cyber-Controllers Hinweise zukommen lässt, war klasse. Apropos Mickey: Dass sein Alter Ego in der Parallelwelt Ricky heißt war toll (wie oft hat der Doctor seinen Namen schon genau damit verwechselt?) und als Jackie nach Rose ruft und dann ein Hund angelaufen kommt, musste ich ähnlich wie der Doctor auch lachen. Wenn man sich schon immer mal gefragt hatte, wie die Cybermen überhaupt entstanden sind, bekommt man mit dieser Parallelwelt- Geschichte eine gute Antwort darauf.

Torchwood wird gleich zweimal kurz erwähnt: Einmal als Rose anfangs am Handy (was übrigens das Modell gewechselt hat) rumspielt und später auf der Party als Pete eine Person darauf anspricht. Scheinbar gibt es in der Parallelwelt ein ähnliches Projekt zur Alienbekämpfung. Oh, und als John Lumic vom britischen Präsidenten kein grünes Licht für sein Projekt bekommt, macht Pete die Bemerkung „There’s always New Germany…“ – das hat natürlich einen negativen Beigeschmack, aber ich musste trotzdem lachen. Das Thema „Parallelwelt“ wurde übrigens schon einmal in der Jon Pertwee Folge „Inferno“ (1970) aufgegriffen. Mickey nimmt am Ende die Rolle von Ricky in der Parallelwelt ein und ist damit der erste Begleiter der neuen Serie, der freiwillig die TARDIS verlässt.

In „The Idiot’s Lantern“ (geschrieben von Mark Gatiss) will der Doctor Rose zu einem Elvis-Konzert in New York bringen, stattdessen landen sie in London, kurz bevor Queen Elizabeth II. gekrönt wird (1953). Menschen verlieren plötzlich ihr Gesicht vor den Fernsehgeräten und werden von einer geheimen Regierungsorganisation eingesammelt und weggesperrt. Als Rose das gleiche Schicksal wiederfährt, hält den Doctor nichts mehr auf, um der Sache auf den Grund zu gehen. Die Spur führt zu Mr. Magpie (Ron Cook), der für „The Wire“ (Maureen Lipman) haufenweise Haushalte günstig mit Fernsehgeräten versorgt hat. Am Tag der Krönung werden Millionen vor den Geräten hängen und ebenfalls ihr Gesicht in den Fernseher „gesaugt“ bekommen, um „The Wire“ zu stärken und aus ihrem Gefängnis zu befreien.

Eine unheimliche, aber humorvolle Episode. Der Gedanke, das Gesicht und sämtliche Persönlichkeit zu verlieren, quasi nur noch eine Art Marionette ohne Geist und Seele zu sein, gibt dem Zuschauer jedenfalls ein mulmiges Gefühl – dazu der Hintergrund, dass das vorm Fernseher passiert, dem wohl am häufigsten verwendeten Haushaltsgerät. Passend auch das gewählte Ereignis der Krönung, wozu Archivmaterial verwendet wurde (Queen Elizabeth II. trat übrigens schon in „Silver Nemesis“ (1988, verkörpert von einer Schauspielerin) in Doctor Who auf). Heute wäre wohl eine Fußball WM das Ereignis der Wahl. Lustig wurde es immer dann, wenn der Familienvater (Jamie Foreman) von Rose oder dem Doctor für sein eingeschränktes Weltbild kritisiert wurde. Wirklich vorwerfen kann man ihm das zwar nicht, denn wir befinden uns in den Fünfzigern, wo die Rollen von Frau und Mann noch deutlich anders verteilt waren. Aber angesichts der Tatsache, dass er ein ziemlich egoistisches Arschloch ist, das die Schwiegermama an die Regierungsagenten ausliefert, wurde bei mir aus einem Grinsen schnell ein Lachen (besonders köstlich: Als Rose und der Doctor ihn dazu überreden, die britischen Flaggen selbst aufzuhängen).
Als der Doctor die gesichtslose Rose untersucht, erwähnt einer der Regierungsagenten übrigens, dass die Ereignisse Torchwood auf den Plan rufen werden, womit der Staffelbegriff ausgesprochen wurde.

Die Doppelfolge „The Impossible Planet“ und „The Satan Pit“ (Autor: Matt Jones) führt den Doctor und Rose in die Zukunft auf einen Planeten, der sich in der Reichweite eines schwarzen Lochs aufhält – was eigentlich unmöglich sein sollte. Die bereits anwesenden Menschen, die eine ungeheure Energiequelle im inneren des Planeten vermuten, welche ihn durch eine Art Gravitationsstrahl davon abhält, ins schwarze Loch zu fallen, reagieren auf die Neuankömmlinge skeptisch. Die Situation lässt aber nicht viel Raum für Misstrauen, denn der Planet wird von Erdbeben heimgesucht, denen auch die TARDIS zum Opfer fällt. Der Doctor trifft hier erstmals auf die Ood, eine außerirdische Spezies, die den Menschen geradezu sklavisch dient (aber das offenbar aus freiem Willen) und die ihrem Aussehen nach aus der Feder von H. P. Lovecraft stammen könnten. Neben der Unmöglichkeit des Planeten finden der Doctor und Rose auch unmöglich alte Schriftzeichen, bei denen die Übersetzung durch die TARDIS versagt. Etwas sehr altes schlummert unter der Planetenoberfläche und das Team um Captain Flane (Shaun Parkes) versucht durch Bohrungen, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei häufen sich merkwürdige Vorfälle und es gibt einen Todesfall. Der Doctor und Ida (Claire Rushbrook) werden schließlich durch den fertigen Tunnel per Lift hinuntergelassen und die Ood fangen plötzlich an, sich feindselig zu verhalten.

Eine spannende Doppelfolge, in der der Doctor und Rose es mit dem Teufel aufnehmen. Die Soundkulisse wird Spielern von Doom/Doom II bekannt vorkommen (jedenfalls was das Öffnen und Schließen der Türen angeht) und Zuschauer von „Event Horizon“ werden ebenfalls bekannte Elemente in der Doppelfolge wiederfinden. Trotzdem ist der Teufel nichts Neues in der Serie, denn in „Dæmons“ (1971) wurde er bereits in der alten Serie thematisiert. Ab und an gibt es immer mal eine Folge mit übernatürlichen Elementen und diese ist sicher eine der besseren davon.

… mächtig sauer wegen seines langen Grubendaseins

Eine besondere Erwähnung sollten hier noch die folgenden Worte des Doctors finden: „Why did you come here? Why did you do that? Why? I’ll tell you why: Because it was there. Brilliant! Excuse me, Jack, wasn’t it? Just stand there, because I’m gonna hug you.“ – ein Zeichen dafür, weshalb der Doctor die Menschen so sehr mag. Torchwood bekommt indirekt eine Referenz: Einer der Namen, die die Ood für das „Biest“ nennen ist „Abaddon“ – und dieser Zeitgenosse taucht in „End of Days“ auf, dem ersten Staffelfinale von Torchwood.

Mit „Love & Monsters“ gibt es eine Folge, in der der Doctor und Rose in den Hintergrund treten. Die Geschichte entwickelt sich um Elton Pope (Marc Warren), der erstmals als Kind den Doctor gesehen hat und einige Ereignisse aus der Vorstaffel (die Autons aus „Rose“ und das Raumschiff aus „Aliens of London“) und der letzten Weihnachtsfolge aus seiner Sicht wiedergibt. Zusammen mit Ursula (Shirley Henderson), in die er verliebt ist, und einigen anderen gründet er LINDA (London Investigation N’ Detective Agency), um sich mit Gleichgesinnten über die Ereignisse auszutauschen. Die regelmäßigen Treffen entwickeln sich schon bald zu einer Freizeitaktivität, die mit dem eigentlichen Ziel nichts mehr zu tun hat. Da taucht Victor Kennedy (Peter Kay) plötzlich auf und bringt LINDA wieder auf Doctor-Kurs. Besonders Elton wird auf Doctor-Missionen geschickt, unter anderem zu Roses Mutter Jackie, um über sie Informationen über den Doctor zu erhalten. Dabei verschwinden nach und nach Mitglieder von LINDA – komischerweise immer gerade die, mit denen Victor noch kurz unter vier Augen reden wollte…

Eine deutlich andere Folge, die nur bedingt geglückt ist. Es mag zwar erfrischend sein, eine Geschichte aus der Sicht eines Dritten präsentiert zu bekommen, aber mit dieser Story hat Russell T. Davies sich keinen Gefallen getan. Die Love-Story zwischen Elton und Ursula ist zwar allerliebst, aber ein richtiges Happy End bekommen die beiden nicht. Die Szenen zwischen Elton und Jackie sind das eigentliche Highlight der Folge. Dort wird auch erwähnt, dass Mickey nicht mehr da ist, um Jackie bei Gelegenheit handwerklich Hilfe zu leisten – eine Referenz darauf, dass er in „The Age of Steel“ in der Parallelwelt verblieb. Man kann schon beim ersten Auftritt von Victor erahnen, dass er nichts Gutes im Schilde führt und es wirkt geradezu absurd, dass vom Rest der Gruppe niemand verdacht schöpft. Er händigt der Gruppe übrigens Torchwood-Akten aus, womit der Staffelbegriff genannt wird. Für Elton und somit auch den Zuschauer ist das Ende recht deprimierend. Seine Freundin Ursula besteht nur noch aus einem Gesicht (was nur „a bit of a love live“ möglich macht) und vom Doctor erfährt er, weshalb er ihn als Kind gesehen hat: Er wollte seine Mutter retten, kam aber zu spät. Ach, fast hätte ich es vergessen: Elton John hatte einen kurzen Auftritt in der Folge.

„Fear Her“ aus der Feder von Matthew Graham spielt kurz vor der Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 in London. Die Nachbarschaft bereitet sich auf den Durchlauf des Fackelträgers vor, aber auf den Doctor und Rose wartet zunächst ein anderes Problem: In der Nachbarschaft verschwinden Kinder. Die Spur führt beide zur 12jährigen Chloe Webber (Abisola Agbaje), die durch ihre Malerei Personen verschwinden lassen und auch beliebige Dinge kreieren kann. Durch eine Art von Hypnose findet der Doctor heraus, dass Chloe von einem „Isolus“ besessen ist, der mit seinem Raumschiff auf der Erde abstürzte und nun „Freunde“ sucht. Ehe Rose sich versieht, ist auch der Doctor mitsamt der TARDIS in einem Bild gefangen. Rose muss nun alleine sehen, dass sie das Raumschiff findet und wieder startklar macht, damit der Isolus zu seinen Gefährten aufschließen kann und die Kinder aus den Bildern befreit werden.

Auch wenn diese Folge in die Kategorie Lückenfüller und Low Budget fällt, wird man doch gut unterhalten. Vor allem die schauspielerische Leistung von Abisola Agbaje sticht in der Folge hervor – so junge Darsteller haben es oft nicht leicht, den Zuschauer zu überzeugen. Viele Whovians nahmen diese Folge aber nicht gut auf, vor allem, weil die benutzten Mittel recht billig wirkten. Aber es gab trotzdem ein paar Schmankerl: Der Doctor sagt, er sei kein Katzenfreund und führt das auf eine „Katze im Nonnenkostüm zurück (Anspielung auf „New Earth“). Außerdem findet die „Shadow Proclamation“ eine weitere Erwähnung und Torchwood wird kurz vom Stadionsprecher erwähnt als das Stadion von Chloe entleert wurde (wobei man schon recht genau hinhören muss). Ein kleiner aber feiner Satz des Doctors: „I was a dad once.“ – ein Augenzwinkern Richtung der Enkelin des ersten Doctors (William Hartnell). Und natürlich am Ende der bedeutende Satz Richtung Staffelfinale: „A storm is approaching.“ Zudem durfte der zehnte Doctor sich kurz als Fackelläufer betätigen – etwas, was Matt Smith (der elfte Doctor) im wirklichen Leben machen durfte (da sag’ noch mal jemand, die Briten hätten keinen Humor).

Tadaa. Staffelfinale. Die letzten beiden Folgen dieser Staffel lauten „Army of Ghosts“ und „Doomsday“, geschrieben von Russell T. Davis. In der Eröffnung der ersten Folge gibt Rose dem Zuschauer Aufschluss darüber, dass ihr Ende naht („This is the story of how I died.“).
Der Doctor und Rose statten Jackie einen Besuch ab und müssen feststellen, dass sich einiges in der Welt verändert hat. Seit gut zwei Monaten statten Geisterwesen in regelmäßigen Zeiten den Menschen Besuche ab, woran sich die Welt schnell gewöhnt hat. Die Ursache für diese Erscheinungen finden der Doctor, Jackie und Rose im Londoner Torchwood Institute, das sich in One Canada Square befindet. Dort werden sie von der Direktorin Yvonne Hartman (Tracy-Ann Oberman) empfangen, die einige Erklärungen parat hat: Eine merkwürdige Sphäre kam durch einen Raumzeitspalt dort an und wird vom Doctor als ein „Void Ship“ identifiziert – ein Schiff, dass außerhalb von Raum und Zeit existiert und das Nichts zwischen den Dimensionen durchqueren kann. Das Torchwood Institut will den Raumzeitspalt als Energiequelle nutzen und führt in regelmäßigen Abständen Erweiterungexperimente durch, die vom Doctor als Ursache für die Geistererscheinungen erkannt werden können und sofort gestoppt werden müssen. Doch es ist bereits zu spät. Dem Void Ship folgend sind bereits einige Cybermen im Institut angekommen und auch Mickey (Noel Clarke), der in der Sphäre einen Anführer der Cybermen vermutet. Zum Ende des ersten Teils entpuppen sich die Geistererscheinungen als Cybermen, die sich überall in der Welt manifestieren – keine Invasion, sondern ein direkter Sieg – und die Sphäre öffnet sich. Anstelle des Anführers der Cybermen entsteigen ihr aber eine Reihe Daleks.

Wow, Cybermen und Daleks läuten das Ende der ersten neuen Begleiterin des Doctors ein und treten erstmals gemeinsam als Hauptantagonisten in der Serie auf. Dabei gibt es nicht nur mit Jackie und Mickey ein Wiedersehen, auch Pete Tyler (Shaun Dingwall) darf noch einmal mitspielen. Fangen wir mit ein paar weiteren Besonderheiten an: Als der Doctor und Rose mit den Geistern konfrontiert werden, spielt im Hintergrund eine Musik, die stark an das Theme der Torchwood-Serie erinnert, welche etwas mehr als drei Monate später erstmals auf Sendung ging. Torchwood steht auch in diesem Finale im Vordergrund und ist mehr oder weniger verantwortlich für das Abenteuer – der Gebrauch außerirdischer Technologie machte es möglich. Yvonne ist zudem ein recht aggressiver Charakter, nicht umsonst zählt der Doctor zunächst für sie als Gefangener und sie erklärt ohne Umschweife, dass Torchwood auch Ufos vom Himmel schießt, um an die Technologie zu kommen. Die Cybermen stammen aus der Doppelfolge „Rise of the Cybermen“ und „The Age of Steel“, was auch eine gute Erklärung für den Auftritt von Mickey und Pete gibt. Auch für die vier Daleks, bei denen es sich um den sog. „Cult of Skaro“ handelt (vier auserwählte Daleks des Dalek-Imperators), gibt es eine zufriedenstellende Erklärung: Sie sind dem Time War entkommen und haben die „Genesis Arc“ im Gepäck, ein Dalek-Gefängnis der Timelords, was sie im Verlauf der Folge öffnen können und womit die Dalek-Anzahl in die Millionen steigt.

Das erste Aufeinandertreffen der Cybermen mit den Daleks verläuft wie erwartet feindselig. Die Daleks haben kein Interesse an einem Bündnis und es kommt zum Krieg, wobei die Menschheit im Kreuzfeuer steht (Dalek: „You are superior only in one respect.“ – Cyberman: „What is that?“ – Dalek: „You are better at dying.“) – die Lage scheint aussichtslos für unsere Helden, aber der Doctor hat natürlich eine Idee: Der Spalt zwischen beiden Dimensionen wird dazu benutzt, alle Dimensionsreisende ins Nichts zwischen den Welten einzusaugen und anschließend endgültig verschlossen. Das Problem dabei: Auch der Doctor selbst, Rose, Pete und Mickey würden dank ihrer Dimensionsreisen in den Spalt gezogen – weshalb alle bis auf den Doctor und Rose, die bei ihm bleiben will, in Petes Welt überwechseln, inklusive Jackie, die ihren Augen kaum trauen kann als sie ihren verstorbenen Mann erstmals vor sich hat. Der Plan gelingt fast reibungsfrei, aber Rose kann sich am Ende dem Sog nicht entziehen und wird im letzten Moment von Pete auf die andere Seite geholt – und ist damit vom Doctor für alle Zeit abgeschnitten. Mindestens ein Dalek kann allerdings durch einen „emergency temporal shift“ entkommen (ein Wiedersehen gibt es in Staffel drei, wo sich herausstellen wird, dass der komplette Cult of Skaro durch eine Zeitreise entkommen ist).

… „Rose Tyler, … hast Du ein Taschentuch?“

Bevor das letzte Löchlein des Risses für immer geschlossen wird, kann der Doctor aber Abschied von Rose nehmen – eine Szene, in der der Zuschauer jede Menge Taschentücher bereit halten sollte, denn es ist wohl einer der emotionalsten Abschiede, die man je in der Serie erlebt hat. Kleine weitere Anmerkungen: Freema Agyeman hat ihren ersten Auftritt, allerdings nicht als Martha Jones sondern als Adeola, eine Torchwood-Mitarbeiterin, die in der Folge verstirbt und später (in der dritten Staffel) als Cousine von Martha erwähnt wird. Außerdem darf Catherine Tate in der letzten Szene auftreten und damit einen Hinweis auf das Weihnachtsspecial „The Runaway Bride“ geben. Beide Doppelfolgen waren übrigens auch für den Hugo Award nominiert und das Finale hat einige der besten Bewertungen/Kritiken überhaupt eingeheimst – der Dalek-Cyberman Konflikt und der emotionale Abschied von Rose haben Wirkung gezeigt.

Im einstündigen Weihnachtsspecial „The Runaway Bride“ erscheint Donna Noble (Catherine Tate) im Brautkostüm in der TARDIS. Der Doctor ist sichtlich irritiert („What?!“) und versucht, die Braut zu ihrer Hochzeit zurück zu bringen als plötzlich die als Weihnachtsmänner getarnten Roboter (erstmals in „The Christmas Invasion“ gesehen) auftauchen und Donna entführen wollen. Der Doctor steht vor einem Rätsel: Wie konnte Donna in der TARDIS erscheinen und warum ist sie für die Person, die hinter den Robotern die Fäden zieht, so wichtig? Er findet heraus, dass sie „huon particles“ in sich trägt. Die Spur führt über ihren Arbeitsplatz zu einer unterirdisch gelegenen Torchwood-Anlage, wo er, Donna und ihr Bräutigam Lance (Don Gilet) Bekanntschaft mit der „Empress of the Racnos“ machen. Diese will ihre Kinder, die seit Milliarden Jahren im Erdkern schlummern, wieder an die Oberfläche holen und die Menschheit soll als Futter dienen. Dass Lance sich dabei als Verbündeter der Racnos-Königin entpuppt, macht die Sache nicht gerade einfach.

Ein sehr gelungenes Weihnachtsspecial (danke, Russel T. Davis), was durchaus für Neueinsteiger in die Serie funktioniert. Es werden zwar einige Referenzen auf das letzte Special und vor allem auf Rose gegeben, aber die sind nicht zwingend notwendig, um der Geschichte zu folgen. Der Doctor hat sichtlich Probleme mit dem Verlust von Rose, bleibt aber stets äußerst erklärungsbereit gegenüber Donna. Die Entstehung der Erde wird auf Dr. Who – Art erklärt und in das Abenteuer eingebunden, was den eingefleischten Whovian an die Entstehung des Lebens auf der Erde in „City of Death“ (1979) erinnern dürfte. Donna bekommt jedenfalls einen kleinen Ausflug zur Entstehung der Erde spendiert und kann sich somit von der Zeitreise-Fähigkeit der TARDIS überzeugen. Für Donna selbst dürfte der Tag aber einer der schrecklichsten ihres Lebens gewesen sein: Abgesehen vom phänomenal schlecht gelaufenen Hochzeitstag entpuppt sich ihr Bräutigam als Diener der Racnos-Königin und geht hops. Und der Doctor bleibt nicht zum Weihnachtsschmaus. Dumm gelaufen.
Der Zuschauer bekommt außerdem zu sehen, dass der Doctor nicht verärgert werden sollte: Die Racnos-Königin, die die Folge nicht überlebt, wird ihren Entschluss, das erste Angebot des Doctors auszuschlagen, auf jeden Fall bereut haben. Denn er kannte anschließend kein Erbarmen und hat ihre Brut mit den Wassern der Themse ertränkt. Donna wiederum reist (vorerst) nicht mit dem Doctor mit, rät ihm aber, einen neuen Begleiter zu finden, um ihn vor zu grausamen Taten zu stoppen.

… hat dem Bräutigam die Augen verdreht

Der zehnte Doctor kann wohl als redegewandt, witzig, locker, irgendwie frech und gewitzt bezeichnet werden. Seine Laune ist normalerweise gut bis sehr gut und erreicht manchmal ungeahnte Höhen, wenn er in „The Impossible Planet“ z.B. die rhetorische Frage danach stellt, weshalb die Crew sich überhaupt aufgemacht hat, den Planeten zu erforschen. Er kann aber auch gnadenlos sein und vergibt keine „zweite Chance“, wenn er z.B. den Anführer der Sycorax in den Tod stürzen lässt oder in „The Runaway Bride“ die Racnos-Brut ertränkt. Es gibt auch oft eine sehr emotionale Seite am zehnten Doctor zu sehen, wie z.B. in „The Girl in the Fireplace“ oder beim Abschied von Rose (ob er wohl wirklich „Rose Tyler, I love you.“ gesagt hätte?). Die Performance von David Tennant macht den Rest und liefert einen der besten Doctoren der Serie ab, der viele menschliche Züge aufweist und den Zuschauer damit in seinen Bann zieht. Brilliant.

Weiter geht es mit der 29. bzw. dritten Staffel von Doctor Who. Der zehnte Doctor (David Tennant) ist weiterhin am Start und ohne Begleitung, nachdem Rose (Billie Piper) in der letzten Staffel von ihm abgeschnitten wurde und Donna (Catherine Tate) im Weihnachtsspecial 2006 („The Runaway Bride“) keine Lust verspürte, den Doctor nach dem Abenteuer weiter zu begleiten.

Die Staffel sollte ursprünglich am 17. März 2007 auf Sendung gehen, wurde aber zweimal verschoben, um etwaiger Konkurrenz (Dancing on Ice – Finale auf ITV1 sowie ein Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft eine Woche später) aus dem Weg zu gehen. Am 31. März war es dann aber soweit und die erste Folge „Smith and Jones“ aus der Feder von Russel T. Davies flimmerte über die Mattscheiben. Am 30. Juni lief schließlich die 13. und letzte Episode der Staffel und am 16. November folgte das Mini-Special „Time Crash“ (im Rahmen von Children in Need) und schließlich „Voyage of the Damned“, das 72minütige Weihnachtsspecial (wie gewohnt am 25.12.).

New Team

In „Smith and Jones“ lernt der Zuschauer Martha Jones (Freema Agyeman) kennen, die im Zuge ihres Medizin-Studiums in einem Londoner Hospital zusammen mit anderen Studenten ausgebildet wird. Sie trifft schon auf der Straße kurz auf den Doctor („Like so, see?“) und sieht ihn direkt im Krankenhaus als Patient „John Smith“ wieder. Eine Reihe von Merkwürdigkeiten deutet das bevorstehende Abenteuer an und gipfelt in einem entführten Krankenhaus auf dem Mond, wo die Judoon (eine Art Weltraumpolizei/Kopfgeldjäger) kurze Zeit später auftauchen und Jagd auf ein gefährliches Alien machen, einen Plasmavore (ein Shapeshifter, der Blut trinkt/assimiliert). Da die Judoon nur ein Alien vermuten und auch nicht sehr gesprächig sind, droht dem Doctor von ihnen Gefahr, denn ihr Auftrag lautet, das Alien zu eliminieren.

Ein guter Auftakt mit spannenden und witzigen Momenten („Judoon platoon on the moon“), der auch für Neueinsteiger in die Serie geeignet ist, sofern die verrückt wirkenden Einlagen verkraftet werden. Apropos, dass die hohe Dosis Röntgenstrahlung dem Doctor nicht viel ausmacht, wird auch bei eingefleischten Whovians Fragezeichen im Kopf verursachen, denn die dritte Inkarnation des Doctors (Jon Pertwee) regenerierte in „Planet of the Spiders“ wegen einer Überdosis Strahlung.
Die frisch eingeführte Martha vermutet gleich Aliens hinter dem entführten Hospital und erwähnt einige Events aus den beiden vorherigen Staffeln, unter anderem auch Adeola, die sie als (vermisste) Cousine bezeichnet und im letzten Staffelfinale ebenfalls von Freema Agyeman gespielt wurde. Die Familie von Martha (Bruder, Schwester und getrennte Eltern) wird am Rande vorgestellt und Streit beim Familientreffen sorgt dafür, dass Martha erstmal eine Auszeit nimmt und dem Doctor in die TARDIS folgt. Ob sein Kuss, der als Ablenkung für die Judoon gedient hat, wohl Eindruck hinterlassen hat? Oder war es der Beweis, dass die TARDIS auch eine Zeitmaschine ist („Crossing into established events is strictly forbidden – except for cheap tricks.“) ?
Gegen Ende der Folge wird übrigens ein „Mr. Saxon“ im Radio erwähnt und in der Gasse, wo Martha nach dem Familientreffen dem Doctor samt TARDIS gegenübersteht, ist im Hintergrund ein „Vote Saxon“-Plakat zu erkennen. Ähnlich den Begriffen „Bad Wolf“ und „Torchwood“ und den letzten Staffeln wird uns der Name „Saxon“ noch öfter über den Weg laufen und erst in den Finalfolgen erklärt werden. Interessante Information: Auf die Frage, ob der Doctor einen Bruder hat, antwortet er mit „Not any more.“ – ein Wink zum Buch „Tears of the Oracle“ (aus der „New Adventures“-Reihe) und vielleicht etwas, was in der Serie noch mal aufgegriffen wird.

„The Shakespeare Code“ (geschrieben von Gareth Roberts) schlägt übernatürliche Pfade ein. Der ursprüngliche Titel der Episode lautete „Love’s Labour’s Won“ in Anlehnung an ein scheinbar verlorenes Stück von Shakespeare, wurde aber als Referenz auf „The Da Vinci Code“ entsprechend abgeändert.
Marthas erster Ausflug mit der TARDIS führt ins London des Jahres 1599, wo ein gewisser William Shakespeare (Dean Lennox Kelly) unter Einfluss von Hexerei sein – zuvor genanntes – neues Stück „Love’s Labour’s Won“ fertig stellt. Die drei Hexen, die vom Doctor im Verlauf der Folge als „Carrionites“ identifiziert werden können und deren Macht sich durch gesprochene Worte manifestiert, planen das Ende der Welt durch die Freilassung ihrer gefangenen Artgenossen und die letzten Zeilen des neuen Shakespeare-Stücks dienen als Schlüssel dazu. Dass die Carrionites ihr Hexen-Handwerk verstehen und auch „Voodoo“-Puppen (u.a. vom Doctor) anfertigen können, macht die Sache nicht leichter.

Eine durchaus gelungene Geschichte, wenn man sich erstmal an die magischen Eigenschaften der Carrionites/Hexen gewöhnt hat. Es gibt eine Menge Referenzen zu Shakespeare, die oft vom Doctor in den Mund genommen und von William mit „I might use that.“ kommentiert werden. Es fällt auch gegen Ende der Begriff „Sycorax“ (die Aliens aus „The Christmas Invasion“), den Shakespeare interessant findet – tatsächlich wurde der Begriff damals aus einem seiner Werke (The Tempest / Der Sturm) von den Autoren stibitzt, wo es der Name einer Hexe (!) ist. J. K. Rowling dürfte sich auch über die Folge amüsiert haben, erwähnt der Doctor doch kurz, dass er den letzten Harry Potter Band schon gelesen hat (die Folge wurde drei Monate vor der Veröffentlichung ausgestrahlt) und lobt „Good old J.K.“ für das Wort „Expelliarmus“, welches Martha einfällt und womit William die Carrionites zurück in die Verbannung schickt. Apropos Harry Potter, David Tennant spielte übrigens Barty Crouch, Jr. im vierten Teil der Potter-Reihe.
Andere Referenzen kommen aber auch vor: Der Doctor stellt sich als „Sir Doctor of TARDIS“ vor, eine Bezeichnung, die ihm von Queen Victoria in „Tooth and Claw“ gegeben wurde. Lilith (Christina Cole) will den Doctor beim Namen nennen, aber „there is no name.“ und die Eternals aus „Enlightenment“ (eine Folge des fünften Doctors Peter Davison) werden erwähnt.
Neben diesen ganzen Winks auf andere Werke gibt es am Ende noch einen für die Zukunft: Als Königin Elisabeth I. (Angela Pleasence) auftaucht, um sich das neue (jetzt verlorene) Stück anzusehen, erkennt sie den Doctor als ihren Todfeind – „What?!“, fragt sich neben dem Doctor auch der Zuschauer und muss sich für eine Erklärung diesbezüglich noch etwas länger gedulden. Ferner könnten die drei Hexen auch in Zukunft noch einmal eine Rolle spielen, denn die werden durch Williams Bannworte in der eigenen Glaskugel gefangen und vom Doctor fortan in der TARDIS verwahrt.
Der Staffelbegriff „Saxon“ wurde allerdings nicht genannt oder gezeigt – vielleicht ist es mir auch einfach nur entgangen bei den ganzen anderen Bemerkungen.

„Gridlock“ (von Russell T. Davies geschrieben) ist eine Art Fortsetzung zu „The End of the World“ (2005) und „New Earth“ (2006), wobei erneut etwas weiter in die Zukunft gesprungen wird, ins Jahr 5 Milliarden und 53 um genau zu sein. Ursprünglich hatte der Doctor nur eine Reise in der TARDIS für Martha vorgesehen, aber er erweitert sein Angebot auf eine Reise in die Zukunft. Als Martha den Heimatplaneten des Doctors – Gallifrey – vorschlägt, gerät dieser kurzzeitig ins Schwärmen, lehnt aber ab, weil es für ihn „kein Spaß“ wäre und so geht es für den Zuschauer ein drittes Mal nach New New York. Die beiden landen in der unteren Stadt, die nicht gerade so paradiesisch wirkt, wie die vorangegangenen Reisen vermuten ließen. Martha wird prompt entführt, um ihren beiden Kidnappern eine schnellere Reise mit deren Gefährt zu ermöglichen: Die Straßen der unteren Stadt bestehen aus einem gewaltigen Verkehrsstau und man braucht drei Insassen, um Zugang zur schnellen Spur zu erhalten. Doch dort lauert eine große Gefahr. Der Doctor muss sehen, dass er Martha wiederfindet und wird bei seiner Suche von einer alten Bekannten unterbrochen, die ihn zum Face of Boe bringt.

So absurd die Idee des unmöglich erscheinenden jahrelangen Verkehrsstaus mit seinen Teilnehmern auch sein mag, mit der nötigen Prise Humor ist es eine tolle Folge. Daran kann man sich zurück erinnern, wenn man selbst mal im Stau steht und sich denken „es könnte schlimmer sein“ ;) . Für Fans der Classic-Folgen gibt es mit den Macra ein Wiedersehen, auch wenn sie sich seit „The Macra Terror“ (1967) etwas zurückentwickelt haben.
Das Face of Boe ist am Ende neben dem Doctor für die Rettung zuständig und gibt mit seinen letzten Worten einen wichtigen Hinweis an den Doctor weiter: Er ist zwar der letzte seiner Art, aber er ist nicht allein. Da Martha damit offensichtlich nicht gemeint ist, scheint die Aussage etwas widersprüchlich, die Auflösung wird aber am Staffelende gegeben und ist ein Ersatz für den Staffelbegriff „Saxon“, der in dieser Folge abermals nicht vor kommt.

Japanese Poster

Für Zuschauer mit Japanischkenntnissen dürfte das Poster im obigen Bild interessant sein: Die Schriftzeichen 悪狼 bedeuten soviel wie „Evil Wolf“ und sind ein Wink Richtung erster Staffel. Für Martha gibt es am Ende der Folge noch einige Wahrheiten über den Doctor und seinen Heimatplaneten, wobei auch die Daleks erwähnt werden.

In der Doppelfolge „Daleks in Manhattan“ und „Evolution of the Daleks“ (beide geschrieben von Helen Raynor) darf Martha schließlich Bekanntschaft mit den Erzfeinden des Doctors machen. Die beiden landen im Jahre 1930 in New York und erfahren von vermissten Leuten, die aus den Elendsvierteln („Hooverville“) im Central Park verschwinden. In der Kanalisation New Yorks finden sie eine wabbelige Masse außerirdischen Ursprungs und werden von Schweinewesen (bzw. -sklaven) attackiert. Dahinter stecken die letzten vier Daleks, die dem letzten Staffelfinale durch einen Zeitsprung entkamen. Diese haben aus noch unbekannten Gründen großes Interesse an der Fertigstellung des Empire State Buildings (mit leichten Modifikationen) und ihr Anführer Dalek Sec will die Daleks verändern, wozu er mit dem skrupellosen Geschäftsmann Mr. Diagoras (Eric Loren) eine Union auf genetischer Ebene eingeht. Menschliche Daleks sind sein Ziel und als der Doctor dahinter kommt und schließlich auf den neuen Dalek Sec trifft, scheint er – im Gegensatz zu den anderen drei Daleks – von der Idee recht angetan.

Dalek-Folgen sind immer eine Besonderheit, vor allem, wenn sie als Doppelfolgen daher kommen. Der Cult of Skaro ist schon seit seiner Einführung in das Whoniverse bekannt dafür, außerhalb der gewöhnlichen Daleks zu „denken“. Insofern macht das Ziel von Dalek Sec durchaus Sinn. Die ungeahnten Folgen seiner Verschmelzung mit Diagoras sind allerdings Emotionen und damit setzt eine Vermenschlichung ein, die den anderen drei Daleks zuwider ist. Als Dalek Sec auch noch den Doctor vor seiner Hinrichtung rettet, ergreifen die drei den Plan, statt einer gemischten Rasse aus Dalek und Mensch den menschlichen Faktor wieder zu entfernen. Doch die Rechnung geht am Ende nicht auf, weil der Doctor dazwischen funkt: Anstelle einer neuen Dalek-Armee, die auf jeden Befehl hört, bekommen sie einen Trupp, der seine Befehle hinterfragt (so ziemlich die beste Szene in der Doppelfolge: „Exterminate!“ – „Why?“).
Die Autorin vermochte es zudem, neben einer spannenden Dalek-Geschichte auch andere Werke in die Geschichte mit einzubauen. Die Beziehung von Laszlo (Ryan Carnes) und Tallulah (Miranda Raison) erinnert stark an Das Phantom der Oper, die Erweckung der neuen Dalek-Armee trägt Züge von Frankenstein und bei den Schweinewesen und der Verschmelzung von Dalek Sec mit Diagoras kommt einem Die Insel des Dr. Moreau in den Sinn. Es wird aber auch auf viele andere Dalek-Folgen angespielt, wobei das Empire State Building in „The Chase“ (1965 mit William Hartnell als ersten Doctor) erstmals kurz in der Serie vorkam. Den Satz des Doctors, als er den ersten Dalek sieht („They always survive while I lose everything.“), dürfte eine Anspielung auf die vielen Male gewesen sein, die er die Daleks vernichtet geglaubt hat. Ferner wird erwähnt, dass der Heimatplanet der Daleks – Skaro – zerstört wurde, was in „Remembrance of the Daleks“ (1988 mit dem siebten Doctor Sylvester McCoy) geschah. Der letzte Dalek (Dalek Caan) kann am Ende entkommen und es bleibt nur eine Frage der Zeit, bis die beliebten Salzstreuer wieder auftauchen.
Letzte Anmerkung: Der Begriff „Saxon“ kommt erneut nicht vor und es wird auch nicht erklärt, weshalb Martha eine weitere Reise mit dem Doctor unternehmen darf. Man kann nur vermuten, dass das abschließende Gespräch in „Gridlock“ ihre Reisezeit um dieses Abenteuer verlängert hat.

In „The Lazarus Experiment“ (von Stephen Greenhorn) will der Doctor Martha wieder zu Hause abliefern und die beiden landen in Martha’s Wohnung. Allerdings erregt ein Interview im Fernsehen mit Prof. Richard Lazarus (Mark Gatiss) die Aufmerksamkeit des Doctors und so stürzt er sich mit Martha ins nächste Abenteuer. Marthas Schwester Tish (Gugu Mbatha-Raw) arbeitet für Lazarus und so sind auch Marthas Bruder Leo (Reggie Yates) und ihre Mutter Francine (Adjoa Andoh) dabei als der Professor einer geladenen Gesellschaft sein neuestes Experiment vorführt und sich in einer Maschine um gut 35 Jahre verjüngt. Das Experiment hat aber ungeahnte Folgen und so mutiert Lazarus bereits kurze Zeit später zu einem Monster. Der Doctor hat wieder alle Hände voll zu tun.

Hungry!

Eine typische Folge, die dem Traum vom ewigen Leben und Jungsein nachgeht. Für Lazarus das größte Ziel von dem er sich auch durch den Doctor und nach zahlreichen Toten nicht abbringen lässt. Die Ausführungen des Doctors beim Gespräch in der Kirche lassen den Zuschauer dabei aufhorchen, denn der Preis für ein sehr langes Leben ist hoch, wie er deutlich genug und sichtlich mitgenommen erklärt.
Beim Thema „Regeneration“ (nichts anderes versucht Lazarus mit sich selbst durchzuführen) fragt man sich auch gleich, ob die angewendete Technik vielleicht ähnlich der der Timelords ist – in früheren Folgen wie „Underworld“ (1978, Tom Baker) oder „Mawdryn Undead“ (1983, Peter Davison) wurde diese Technologie der Timelords anderen Rassen zur Verfügung gestellt, meist mit fatalen Folgen. Zudem macht der Doctor einige Bemerkungen über die Technik, mit der er vertraut zu sein scheint und verhindert beim ersten Einsatz auch eine Katastrophe. Apropos Technik, als der Doctor und Martha heile aus der Maschine steigen, macht er eine Bemerkung („reverse the polarity – must have been out of practice“), die eindeutig ein Wink Richtung Doctor Nr. 3 (Jon Pertwee) ist.
Wurde in den letzten Folgen noch mit dem Staffelbegriff „Saxon“ gespart, wird er hier gleich mehrmals erwähnt und bekommt den Vornamen „Harold“. Mr. Saxon steht in dieser Folge hinter dem Experiment (vermutlich nicht nur als Geldgeber) und ein mysteriöser Mann (Bertie Carvel) warnt Marthas Mutter vor dem Doctor, der sich anschließend beim nächsten Aufeinandertreffen mit ihr eine Ohrfeige einfängt („All of the mothers, everytime.“).

In „42“ (von Chris Chibnall) hat der Doctor gerade Marthas Handy mit der „Universal Roaming“-Funktion ausgestattet, damit sie während der Reisen mit dem Doctor ihre Familie anrufen kann, als die TARDIS einen Notruf empfängt. An Bord der S. S. Pentallian angekommen, werden sie sogleich von der TARDIS abgeschnitten und erfahren von der Crew, dass das Raumschiff in nur 42 Minuten in die Sonne des Torajii-Systems stürzen wird. Eile ist geboten, denn um dem Stern zu entkommen, muss die Brücke erreicht und diverse Reparaturen durchgeführt werden. Zum engen Zeitrahmen gesellt sich außerdem noch eine andere Gefahr: Ein Crew-Mitglied wurde scheinbar von irgendwas infiziert und macht sich daran, ein Besatzungsmitglied nach dem anderen auszuschalten.

Spannend, temporeich und mit einigen humorvollen Stellen kommt „42“ daher. Vor allem die Idee mit den Fragen bei den „deadlock seal“-versiegelten Türen (bei denen der Sonic Screwdriver nicht weiter hilft, siehe „School Reunion“) hat gefallen. Die fröhlichen Primzahlen gibt es übrigens wirklich.
An Dramatik fehlte es der Folge auch nicht und als Zuschauer hatte ich erstmals das Gefühl, dass Martha dem Doctor doch mehr bedeutet als er bisher durchklingen lassen hat. Der Vertrauensbeweis mit dem TARDIS-Schlüssel am Ende der Folge unterstreicht das noch mal.
Für das Staffelthema waren natürlich die Gespräche zwischen Martha und ihrer Mutter interessant. Dass die sich Sorgen macht, wo sie gerade erfahren hat, dass vom Doctor Gefahr ausgeht, ist verständlich. Aber dass sie gleich die Leitung von Saxons Leuten abhören lässt, deutet schon darauf hin, dass Saxon Interesse am Doctor hat und in der Bevölkerung ein angesehener Mann ist (Kunststück, er hat sich ja zur Wahl aufstellen lassen, auch wenn die bisher gezeigten Plakate kein Gesicht trugen). Glücklicherweise gibt Martha diesbezüglich keine Informationen weiter.

In der Doppelfolge „Human Nature“ und „The Family of Blood“ (geschrieben von Paul Cornell) sind der Doctor und Martha auf der Flucht vor „The Family“. Diese Alien-Familie macht Jagd auf den Timelord, um durch ihn dem eigenen Tod zu entgehen und kann ihn überall und zu jeder Zeit aufspüren. Als Ausweg bleibt dem Doctor nur, die sog. „Chameleon Arch“ zu verwenden. Er selbst wird dadurch (auch physisch) ein Mensch mit einer gänzlich anderen Persönlichkeit und sein Timelord-Wissen, seine wahre Identität, in einer Taschenuhr gelagert. Die Geschichte spielt sich im Jahre 1913 ab, wo John Smith (der Doctor) ein Lehrer und Martha (die einzige Person, die um seine wahre Identität und die Taschenuhr bescheid weiß) eines seiner Dienstmädchen ist. Nur in seinen Träumen bekommt John Hinweise auf sein wahres Ich und diese schreibt er im „Journal of Impossible Things“ nieder. Als John sich in Joan Redfern (Jessica Hynes) verliebt, verkomplizieren sich die Dinge für Martha. Die Lage spitzt sich weiter zu, als die Familie an der Schule auftaucht und die Taschenuhr verschwindet.

Wow, wo soll man da anfangen? David Tennant darf hier eine komplett andere Persönlichkeit spielen, die zwar aussieht wie der Doctor, vom Charakter her aber so ziemlich das Gegenteil ist. Besonders zum Ende des zweiten Teils hin, wo John Smith klar wird, dass er in seinem Journal keine Geschichten aufgeschrieben hat, sondern er selbst nur eine Fiktion zur Tarnung des Doctors ist, fühlt man die Verzweiflung der Figur mit. John ist klar, dass er wieder zum Doctor werden muss, aber er will nicht. Gerade jetzt wo er frisch verliebt ist, will er einfach nur ein normaler Mensch sein und bekommt sein mögliches zukünftiges Leben sogar vor Augen geführt. Kein Wunder, dass Tennant sich mit seiner Darbietung einen Constellation Award eingeheimst hat. Der zweite Doctor Patrick Troughton durfte in „The Enemy of the World“ (1967/1968 ) übrigens ebenfalls in einer Doppelrolle glänzen.
Martha bekommt neben ihrer eigentlichen Aufgabe Gelegenheit, dem Zuschauer einmal mehr zu vermitteln, dass sie weit mehr für den Doctor empfindet: „You had to fall in love with a human. And it wasn’t me.“ – wenn das mal keine klare Aussage ist. Abgehen davon wird ihre Figur auch genutzt, um die Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts – insbesondere die strikten Rollenverteilungen, Klassenunterschiede und Vorurteile aufzuzeigen (so kann laut Joan z.B. eine Frau kein Doktor werden, erst recht nicht mit Marthas Hautfarbe). Vor dem Hintergrund, dass die meisten Jungen der Schule 1914 in den ersten Weltkrieg ziehen werden (was in der Folge ebenfalls thematisiert wird), bekommt der Zuschauer einen weiteren Knoten im Magen verpasst.
Für eingefleischte Whovians gab es zudem viele Leckerbissen: Jedes Mal, wenn im Journal geblättert wurde oder Tim Latimer (Thomas Sangster) die gestohlene Taschenuhr öffnete, gab es einiges aus vergangenen Folgen zu erblicken, inklusive einiger Doctoren aus der Classic-Serie. Und Tim ist es auch, der auf die Frage hin, weshalb er (vor dem Doctor) Angst hatte, eine schöne Charakterisierung des Timelords geben darf: „Because I have seen him. He’s like fire and ice and rage. He’s like the night and the storm in the heart of the sun. He’s ancient and forever. He burns at the centre of time and he can see the turn of the universe. And he’s wonderful.” Was Zorn im Zusammenhang mit dem Doctor bedeuten kann, erfährt die Familie schließlich: Der Doctor ist vor ihnen geflohen, weil er nett sein wollte („He was kind.“) und nicht, weil er machtlos gegen sie ist. Da wird mal eben das Raumschiff gesprengt und ewiges Leben in unterschiedlichen (teils richtig fiesen) Gefängnissen gewährt.
Alles in allem eine der besten Doppelfolgen, die die Serie jemals hervorgebracht hat. Hut ab!

In „Blink“ (von Steven Moffat) treten der Doctor und Martha in den Hintergrund und überlassen Sally Sparrow (Carey Mulligan) das Feld. Sally hat (in der Gegenwart) ein verlassenes altes Anwesen entdeckt, wo sie Fotos macht und entdeckt hinter einer teilweise abgefallenen Tapete eine Nachricht vom Doctor, der sie vor den „Weeping Angels“ warnt – Steinstatuen in Form von Engeln, die ihre Hände in weinender Pose über das Gesicht halten. Als sie am nächsten Tag mit ihrer Freundin Kathy Nightingale (Lucy Gaskell) dem Anwesen einen weiteren Besuch abstattet, klingelt es plötzlich an der Tür. Während sich der Bote, der Sally einen Brief und ein paar Fotos übergibt, als Kathys Enkel vorstellt, verschwindet Kathy spurlos. Als Sally klar wird, dass die weinenden Engel, die sich nur dann bewegen können, wenn sie unbeobachtet sind (ein Blinzeln mit den Augen reicht), Leute durch Berührung in der Zeit zurück versetzen, folgt sie mit Kathys Bruder Larry (Finlay Robertson) den Hinweisen, die der Doctor und Martha – beide sind ohne TARDIS im Jahr 1969 gefangen – ihr hinterlassen haben. Es gilt, die TARDIS zu finden und zum Doctor zurück zu schicken.

Mit den Weeping Angels betritt ein neuer unheimlicher Gegner die Serie. Gratulation an Steven Moffat, der sich damit einen weiteren Hugo Award sicherte. Carey Mulligan heimste mit der Darstellung von Sally Sparrow übrigens einen Constellation Award ein. Verdient? Auf jeden Fall, besonders für eine Folge, bei der der Doctor eher im Hintergrund agiert (Erinnerungen an die schwache Folge „Love & Monsters“ aus der letzten Staffel werden wach), müssen die neuen Protagonisten durchweg überzeugen und den Zuschauer jede Sekunde mitfiebern lassen – und das schaffen Sally und Larry.
Was den Gegner, die Weeping Angels, angeht, sind die auf den zweiten Blick eher harmlos. Ihre Opfer werden in der Zeit zurück versetzt und leben dort ein ganz normales Leben, während die Engel sich an der frei gewordenen Energie laben, die dadurch entsteht. Aber die Vorstellung, dass Statuen sich bewegen, wenn man sie nicht ansieht, geht natürlich unter die Haut (und wird in der Schlusssequenz der Folge noch einmal deutlich gemacht). Auch die Gesichter der Engel sorgen für eine Gänsehaut:

Don’t blink!

Was man trotz allem an der Folge kritisieren kann, sind natürlich die vielfältigen Zeit-Paradoxa, die die Thematik mit sich bringt. Sämtliche Informationen, die der Doctor von Sally am Ende der Folge erhält (er selbst hat das Abenteuer noch vor sich), kann er nur bekommen, wenn Sally das Abenteuer übersteht. Aber dazu braucht sie die Informationen, die der Doctor ihr während des Abenteuers gibt und die von ihr stammen (die Schlange beißt sich dort in den Schwanz). Normalerweise würde ich eine solche Folge hier auseinandernehmen und mich über dieses gigantische Logik-Loch beschweren. Aber das hat Herr Moffat wohl voraus gesehen und lässt die Paradoxa-Thematik direkt in die Folge einfließen (wer besser als der Doctor kann das wohl erklären): „People assume that time is a strict progression of cause to effect, but actually, from a non-linear, non-subjective viewpoint, it’s more like a big ball of wibbly-wobbly, timey-wimey… stuff.“ Mit anderen Worten: Man darf die Zeit nicht linear betrachten, Ursache und Wirkung können die Plätze tauschen und es ist kompliziert. Im Prinzip kann man damit erstmal jedes Logikloch, das aus Zeitreisen entsteht, für gültig erklären. Das geht mir persönlich zwar gegen den Strich, aber dem Doctor will ich an dieser Stelle nicht widersprechen. Damit bleibt eigentlich nur eine unlogische Sache, davon abgesehen, dass die Engel manchmal blitzschnell und manchmal eher langsam handeln, wenn sie unbeobachtet sind: Weshalb schauen sich Larry und Sally die Easter Eggs auf den DVDs gerade im alten Anwesen an? Wäre das nicht bequemer und weit ungefährlicher im DVD-Laden oder bei Sally zu Hause?
Die Engel sind übrigens in der Lage, Elektrizität anzuzapfen bzw. zu manipulieren. Außerdem erwähnt der Doctor Sally gegenüber, dass sein Leben als Zeitreisender kompliziert ist und spricht explizit Hochzeiten an – ein Wink Richtung „The Runaway Bride“ und möglicherweise auch Richtung zukünftiger Folgen. Harold Saxon bleibt diese Folge unerwähnt, aber das wird sich nun ändern, denn die nächste Folge läutet bereits das Staffelfinale ein, welches diesmal drei Folgen beinhaltet.
Letzte Anmerkung: „Blink“ hat es in einer Umfrage auf Platz zwei der besten Doctor Who Folgen geschafft. Davor stand zu der Zeit nur „The Caves of Androzani“ mit Peter Davison als fünften Doctor.

„Utopia“, „The Sound of Drums“ und „Last of the Time Lords“ (alle von Russel T. Davis) beinhaltet das dreiteilige Staffelfinale der 29. (bzw. dritten) Staffel der Serie. Dabei stellt „Utopia“ eher eine Einzelfolge dar, die am Ende aber einen deftigen Cliffhanger zu bieten hat. Daher zunächst eine Einzelbetrachtung dieser Episode:
In „Utopia“ macht der Doctor einen Zwischenstopp in Cardiff, um am „Time Rift“ (vorher schon in der Serie etabliert) aufzutanken. Auf diese Aktion hat Captain Jack Harkness (John Barrowman) bereits gewartet – als er die TARDIS erblickt, stürmt er auf das Raumschiff des Doctors zu und klammert sich an die blaue Telefonbox, als diese eine weitere Reise unternimmt, die ins Jahr 100 Trillionen führt (wobei ich mir gerade nicht sicher bin, ob diese Übersetzung akkurat ist, gerade größere Zahlen haben im Englischen starke Abweichungen vom Deutschen). Das Ende des Universums steht auf dem Programm und die letzten Menschen planen auf einem fernen Planeten eine Reise nach Utopia, einem mysteriösen Ort, der angeblich vom Untergang des Universums verschont bleiben soll. Professor Yana (Derek Jacobi) und seine Assistentin Chantho (Chipo Chung) arbeiten akribisch daran, eine Rakete für die letzten Menschen fertig zu stellen und es scheint, selbst der Doctor ist mit der Technologie überfordert. Außerdem hat Prof. Yana merkwürdige Episoden, wo er ein Trommeln vernimmt und sich an etwas Bestimmtes zu erinnern versucht.

Auftakt zum Staffelfinale: Mein erster Gedanke während der Folge: Captain Jack is back! Ein Wiedersehen mit der Figur, die erstmals in der Moffat-Folge „The Empty Child“ (2005) einen Auftritt hatte, wird gleich am Anfang groß in Szene gesetzt und passend mit dem Sound der Torchwood-Serie (die im Vorjahr startete) untermalt. Dabei gibt es zahlreiche Erklärungen zum Charakter und wie er zunächst ins späte 19. Jahrhundert (1869) gelangt ist und seitdem auf den Doctor gewartet hat, der ihn im damaligen Staffelfinale zurück ließ. Jack lässt keinen Flirt aus, egal ob Frau („was someone kissing me?“), Mann oder Alien und wird somit auch für Neueinsteiger, die ihn damals nicht gesehen haben, sehr passend dargestellt. Er darf in der Folge auch gleich seine Unsterblichkeit nutzen, um den Start der Rakete samt Flüchtlingen zu bewerkstelligen. Wobei auch deutlich wird, dass Jack von seiner Unsterblichkeit selbst überrascht wurde. Aber der Doctor wusste offensichtlich bescheid und beschreibt Jack als einen fixen Punkt in Zeit und Raum, entstanden durch Rose, die ihre vorübergehenden Kräfte damals nicht kontrollieren konnte, als sie Jack ins Leben zurück holte. Unsterblich für immer (?).
Für Martha gibt es mit Captain Jack auch gleich einige Offenbarungen über den Doctor. Dass Jack zurück gelassen wurde und die blonde (!) Rose in eine Parallelwelt versetzt wurde, gibt ihr darüber zu denken, ob die Begleiter und damit sie selbst dem Doctor wirklich wichtig sind. Dass Jack eine Hand des Doctors im Rucksack hat, sorgt bei Martha für weiteres Staunen, wobei das natürlich eine Anspielung auf „The Christmas Invasion“ und die erste Torchwood-Staffel ist. In letzterer spielte auch die Hand des Doctors, die ihren Weg in Jacks Hände gefunden hat, eine Rolle (für weitere Informationen empfehle ich an dieser Stelle jedem, die Torchwood-Serie selbst zu schauen). Am Ende ist es auch Martha, die den Master auf die Taschenuhr hinweist, die seine wahre Identität enthält.
Der Master (alias Professor Yana) wird sehr schön (wieder) in die Serie aufgenommen: Obgleich sein Schicksal in der Original-Serie nicht geklärt wurde, was dort allerdings des Öfteren auch ohnehin der Fall war, darf er hier wieder zurück in die Serie kommen. Es wird erklärt, worauf sich die Aussage „You are not alone“ (= „YANA“) vom Face of Boe in „Gridlock“ bezogen hat, denn der Master ist dem Time War entkommen, indem er nicht nur in die ferne Zukunft reiste (was selbst die Timelords laut Aussage des Doctors nicht gemacht/gewagt haben), sondern sich auch – ähnlich dem Doctor in „Human Nature“ – in einen Menschen verwandelte. Während der gesamten Folge wird deutlich, dass die Persönlichkeit des Masters wieder an die Oberfläche will. Der Doctor hilft unbewusst dabei, indem er z.B. die Timelords erwähnt und Prof. Yana die TARDIS zeigt. Professor Yana erinnert sich am Ende schließlich an seine „richtige“ Persönlichkeit (dank der Uhr, auf die Martha ihn hingewiesen hat) und sorgt für den Cliffhanger, der ins wirkliche Staffelfinale führt. Er wird zwar von Chantho angeschossen, regeneriert aber in der TARDIS in seine neue Form (John Simm) und lässt den Doctor, Jack und Martha zurück – daran kann auch das Flehen des Doctors nichts ändern, ihm doch zuzuhören, weil die beiden die letzten ihrer Spezies sind. Ach ja, die Laute, die Prof. Yana immer wieder während der Folge vernimmt, beschwören das eigentliche Staffelfinale hinauf: The Sound of Drums!

Somit kommen wir zum Finale der 29. Staffel:
Der Doctor, Jack und Martha reisen mit Hilfe von Jack’s Zeitreisearmband zurück in die Gegenwart und stellen fest, dass Harold Saxon nicht nur die Wahlen gewonnen hat, sondern gleichzeitig der Master ist. Als britischer Premierminister macht er sich sogleich daran, das Kabinett auszulöschen (hinter verschlossenen Türen) und stellt der Bevölkerung die „Toclafane“ vor – fliegende Kugeln, die im Gegenzug für einfache Freundschaft der Menschheit angeblich Technologie, Weisheit, etc. bringen werden. Der Doctor, Jack und Martha rätseln derweil darüber, wie Saxon die Wahl gewinnen konnte und werden prompt zu Staatsfeind Nummer eins, zwei und drei erklärt – wobei Marthas Familienmitglieder nach und nach in Saxons Händen landen und Jack’s Torchwood-Team bereits vorher auf eine falsche Fährte geschickt wurde und nicht erreichbar ist. „The Sound of Drums“ endet mit Jack und dem um 100 Jahre gealterten Doctor in der Gefangenschaft des Masters, der die Toclafane nutzt, um ein Zehntel der Weltbevölkerung auszulöschen. Alle Hoffnung liegt nun bei Martha, die als einzige entkommen konnte.

Master and Jack

Hut ab vor Russel T. Davies, auch wenn das Finale nicht gerade die besten Kritiken bekam. Der Reset am Ende, der die Geschichte wieder auf null setzt, der durch den Glauben der Menschheit wieder verjüngte, fliegende Doctor, die recht überladene Story, die trotzdem sehr wenig von der dystopen, vom Master geschaffenen Welt zeigt und auch der nur wenig genutzte Captain Jack können sicher bemängelt werden. Trotzdem fiel mir die Kinnlade runter, denn das Finale bietet an sich alles, was die Serie ausmacht: Eine gehörige Portion Science-Fiction vermischt mit Dramatik, einigen Absurditäten („I can’t decide whether you should live or die“-Einlage des Masters) und einem Wollknäuel aus Handlungssträngen und Figuren, das am Ende aufgelöst wird. So etwas muss man erstmal stricken können und dabei noch die ganzen unzähligen Referenzen auf die vergangenen Folgen einbringen – wobei nicht nur die Folgen des Neustarts von 2005 zu tragen kommen sondern alleine durch den Master und die Geschichte, die ihn mit dem Doctor verbindet, auch viel Richtung Originalserie gewunken wird.
Der Doctor selbst agiert in der entscheidenden letzten Folge zunächst im Hintergrund (a.k.a. Vogelkäfig) und muss sich auf Martha verlassen, damit sie seinen Plan in die Tat umsetzt: Die Waffe (das Archangel-Netzwerk) des Masters für den Doctor einsetzen. Als Zuschauer stutzt man zunächst, wenn man erfährt, dass ein Jahr seit den Ereignissen von „The Sound of Drums“ vergangen ist, aber es ergibt schließlich Sinn und dank Jack wird die Paradox-Maschine in der TARDIS zerstört, die das Eingreifen der Toclafane überhaupt erst möglich machte. Logik-Meckerer wie ich werden also zufrieden gestellt. Bemerkenswert dabei war, dass der Doctor nie Zweifel daran lässt, dass er den Master nicht vernichten sondern retten will. Aber dank Lucy (Alexandra Moen) fängt der Master sich doch eine Kugel ein und verweigert die Regeneration. An sich interessant, dass das überhaupt möglich ist und nicht unweigerlich eintritt. Bisher waren Regenerationen immer etwas, was beim sicheren Todesfall automatisch passiert oder gar erzwungen werden kann (siehe Regeneration von Patrick Troughton zu Jon Pertwee). Doch ist der Master wirklich tot? Am Ende greift sich eine Frauenhand seinen Ring (Erinnerungen an Flash Gordon und seinen ersten Sieg über Imperator Ming werden wach) und wir hören den Master lachen. Rückkehr also nicht ausgeschlossen.
Über Captain Jack gibt es nicht viel zu sagen. Die Figur ist eher Beiwerk und wird nur genutzt, wenn seine Unsterblichkeit von Nöten ist. Er geht am Ende zu Torchwood zurück und fragt den Doctor, wie sich wohl seine Unsterblichkeit auf seinen Alterungsprozess auswirkt (er hat wohl ein paar graue Haare entdeckt). Eine Antwort gibt er sich selber als er erwähnt, dass er in der Time Agency oft „Face of Boe“ genannt wurde und dem Doctor und Martha daraufhin ein Licht aufgeht. Ob Jack nun aber wirklich das „Face of Boe“ werden wird, wurde vom Autor Davies nie bestätigt, er nannte es später lediglich eine Theorie.
Für Martha, die auf Seite der Guten die letzte Folge fast alleine trägt, heißt es am Ende Abschied vom Doctor nehmen. Ihr Abschied kündigte sich schon an als der Doctor die modifizierten TARDIS-Schlüssel angefertigt hat und ist nur konsequent. Die Bekanntschaft mit Thomas Milligan (Tom Ellis) dürfte dort der letzte Anstoß gewesen sein, insofern ist ihre Erklärung dem Doctor gegenüber verständlich. Aber das heißt nicht, dass sie nun für immer fort ist, denn sie übergibt dem Doctor ihr Handy und ermahnt ihn, ran zu gehen, wenn sie anruft. Der Doctor ist also erstmal wieder alleine unterwegs.

Nun zum großen Gegner: Der Master darf hier (toll gespielt von John Simm) alle Facetten aufzeigen, die den Charakter schon in der alten Serie aus den sonstigen Gegnern hervorstechen ließen. Nicht umsonst bekam die Figur schon eine ganze Staffel in der Pertwee-Ära und ist immer mal wieder – oft als Hauptgegner – in Erscheinung getreten. Sein Streben nach Macht und Ziel, Herrscher über alles zu sein, mag an viele blasse Bösewichte erinnern. Die Farbe bekommt er erst dadurch, dass er ein Timelord ist, der für den Doctor eine würdige Nemesis verkörpert und durch den Time War nach dem Doctor der letzte seiner Art zu sein scheint. Er kann die Reaktionen des Doctors vorhersehen, kalkuliert stets Eventualitäten in seine Pläne ein und ist wahrlich ein Meister von einem Gegner. Da wird mal eben der US-Präsident und das britische Kabinett getötet oder ein Zehntel der Menschheit ausgelöscht, ohne mit der Wimper zu zucken. Dabei genießt der Master seine Erfolge und es war wohl das erste Mal, dass er für ein ganzes Jahr die Weltherrschaft für sich beanspruchen konnte. Die Erklärung für seine Verrücktheit und für das Wegrennen des Doctors von Gallifrey war dabei etwas, was die Serie dem Zuschauer schon früher hätte nahe legen können, aber nie getan hat. Insofern wird die Figur zwar etwas entmystifiziert, erfährt aber gleichzeitig eine stimmige Erweiterung. Dass der Doctor gegen Ende auf den Selbsterhaltungstrieb des Masters setzt, passt ebenfalls ins Bild. Da verwundert es eher, dass er die Regeneration verweigert – aber wie gesagt, die Möglichkeit zur Rückkehr ist offen.

Das nächste, recht kurze Abenteuer des Doctors ist „Time Crash“ und wurde am 16. November 2007 im Rahmen von Children in Need ausgestrahlt. Dort trifft der Doctor auf sich selbst in Form des fünften Doctors Peter Davison. Ein lustiger kleiner Streich, dieses Mini-Abenteuer und eine schöne Hommage an den fünften Doctor, den David Tennant übrigens stets als sein Vorbild (und ersten Doctor) nennt. Gleichzeitig ist Peter Davison übrigens Tennants Schwiegerpapa.

Bleibt für diesen Artikel noch das 72minütige Weihnachtsspecial „Voyage of the Damned“ (von Russell T. Davies) übrig, das am 25. Dezember 2007 ausgestrahlt wurde. Angekündigt wurde es bereits im Finale der 29. Staffel und auch in der Mini-Folge „Time-Crash“, wo am Ende die Titanic in die TARDIS kracht.
Aber es ist nicht die Titanic, die unsereins stets im Kopf hat, sondern ein Raumschiff nach Vorbild des bekannten versunkenen Dampfers. Ziel ist die Erde, genau ein Jahr nach dem letzten Weihnachtsspecial „The Runaway Bride“, wo den Passagieren Ausflüge nach London angeboten werden. Der Doctor kann den TARDIS-Crash schnell beheben und geht an Bord. Dort trifft er auf die Kellnerin Astrid (Kylie Minogue), die ihn durch die Folge begleitet und einige andere Leute. Als der Kapitän (Geoffrey Palmer) offensichtlich gewollt einen Meteoriteneinschlag bei gesenkten Schilden herbeiführt, droht die Titanic auf die Erde zu stürzen und damit neben den 2000 Passagieren auch die ganze Menschheit auszulöschen (dem nuklearen Antrieb des Raumschiffs sei’s gedankt). Der Doctor muss sehen, wie er die Katastrophe verhindern kann und der Frage nach dem „Warum?“ nachgehen.

Bereits im Juli 2007 wurde bekannt, dass Kylie Minogue einen Gastauftritt als Begleiterin des Doctors haben würde. Von einer heraus stechenden Schauspielleistung kann man vielleicht nicht gerade sprechen, aber es war ein solider Auftritt und für die Zuschauerzahlen rekordverdächtig – mit anderen Worten: Es hat sich für die BBC gelohnt.
Das Abenteuer an sich bietet viel Action, CGI und eine abgefahrene Weihnachtsstory, bleibt meiner Meinung nach aber hinter den anderen beiden Specials von 2005 und 2006 zurück. Die Todesrate ist ungewöhnlich hoch und am Ende drückt es doch kräftig auf die Weihnachtsstimmung, wenn der miese Rickston Slade (Gray O’Brien) überlebt, während die sympathischen Figuren das Zeitliche segnen.
Referenzen auf vergangenen Folgen gibt es nicht viele, aber das menschenleere London zur Weihnachtszeit, weil alle eine neue außerirdische Attacke nach den letzten beiden Weihnachtsfesten vermuten, hatte was. Ansonsten gab es einige ferne Parallelen zu Schiffbruch-Filmen, wie „Die Höllenfahrt der Poseidon“. Der Charakter der Foon Van Hoff (Debbie Chasen) gleicht jedenfalls stark der Belle Rosen (Shelley Winters) aus besagtem Film. Bleibt noch zu sagen, dass Astrid das Abenteuer nicht überlebt und der Doctor sich wieder alleine auf den Weg macht.

Zu guter letzt noch eine etwas staffelübergreifende Betrachtung zu Martha Jones, den Doctor und den Geschichten der Staffel an sich:
Martha hat von Anfang an ein Auge auf den Doctor geworfen und sich eindeutig mehr von der Beziehung erhofft (sieht man z.B. als sie in „The Shakespeare Code“ zusammen im Bett liegen oder wenn sie mit Tallulah über den Doctor und Rose spricht, etc.)
Ihre ärztliche Ausbildung ist oft von nutzen und sie versteht es, mit den richtigen Ideen zum richtigen Zeitpunkt aufzuwarten (Blitz als Waffe gegen die Schweinewesen, das letzte Wort für Shakespeares Bannspruch, usw.), wenn auch nicht in typischer Rose-Manier, an die der Doctor sich gewöhnt hat.
Martha hat – ungleich Rose – keinen festen Freund und erhofft sich, was im Verlauf der Staffel immer deutlicher wird, den Doctor als solchen. Als ihr am Ende klar wird, dass es eine solche Beziehung nicht geben wird, verlässt sie die TARDIS. Fans der Figur brauchen sich aber keine großen Sorgen machen, denn sie ist nicht in einer Parallelwelt und auch nicht verstorben. Weitere Gastauftritte sind also drin und wurden durch das Handy, was sie dem Doctor am Ende gibt, bereits angedeutet.

Der Doctor scheint anfangs kein großes Interesse an einer neuen Begleiterin zu haben. Er hat den Verlust von Rose noch nicht verkraftet. Trotzdem kann er es nicht lassen, Martha mit der TARDIS zu imponieren und ihr zunächst einen einzelnen Reisetrip anbieten. Über die Staffel verteilt wächst dann das Vertrauen und auch eine freundschaftliche Zuneigung zu Martha. Aus einer Reise werden zwei, drei und als es eigentlich heißt, Abschied zu nehmen und ein zufälliges Abenteuer in London ansteht, stellt er es ihr frei, ihn so lange zu begleiten, wie sie möchte. Kurze Zeit später bekommt sie einen Schlüssel zur TARDIS und in „Human Nature“ hat sich der Doctor vollends auf sie verlassen. Im Staffelfinale hängt nicht nur sein Schicksal daran, dass Martha seinen Plan in die Tat umsetzt – mehr Vertrauen geht nicht.
Dem Timelord macht auch zu schaffen, dass er der letzte seiner Art ist. In einigen Folgen kommt das immer wieder zum Vorschein. Am deutlichsten aber wird seine Einsamkeit als er im Staffelfinale dem Master verzeiht und um seinen Erzfeind weint als dieser den Tod wählt. Emotional werden dem Doctor weiterhin menschliche Züge gegeben und das geht in der Staffel auch auf. Einzig beim Weihnachtsspecial wirkt es ungewohnt als er gegen Ende davon spricht, lieber alleine zu reisen. Aber wie lange hält er das wohl durch?

Auch wenn meine bisherigen Begeisterungsstürme zu den einzelnen Folgen es schon vermuten ließen: Es gab kaum eine Staffel (und das bezieht sich auf die GESAMTE Serie), die mich so sehr vom Hocker gerissen hat. Alle Folgen waren mindestens großartig und die zweite Staffelhälfte war einfach phänomenal. DAS ist Doctor Who, wie es sein muss!

Im Folgenden geht es um die 30. beziehungsweise vierte Staffel von Doctor Who mit David Tennant als zehntem Doctor. Neben den regulären 13 Folgen, die ab dem 08.04.2008 ausgestrahlt wurden, gab es auch mehrere Specials, wobei das letzte Special die Regeneration zum elften Doctor (Matt Smith) zeigt und am 25.12.2009 (Teil 1) sowie am 01.01.2010 (Teil 2) ausgestrahlt wurde.

Begleitet wird der Doctor in dieser Staffel von Donna Noble (Catherine Tate), die zuvor in „The Runaway Bride“ auf die Mitreise in der TARDIS verzichtet hatte. Wie die beiden wieder auf einander treffen, zeigt der Staffelauftakt.

New Team

In der ersten Folge der 30. Staffel, „Partners in Crime“ (geschrieben von Russell T. Davies), bringt Adipose Industries unter der Leitung von Miss Foster (Sarah Lancashire) eine neue Diätpille auf den Markt. Der Slogan dahinter – „The fat just walks away“ – erweist sich als wortwörtliche Erklärung der Wirkung der Pillen, wovon außer Miss Foster allerdings niemand etwas mitbekommt. Der Doctor und Donna interessieren sich beide unabhängig von einander für das wundersame Medikament und landen schließlich bei der Entdeckung des Geheimnisses zusammen in einer misslichen Lage. Es gilt, dem Treiben von Miss Foster ein Ende zu setzen.

Ein guter Einstieg in die neue Staffel. Die Folge spielt von Anfang an mit dem erneuten Aufeinandertreffen des Doctors und seiner bisher einmaligen Begleiterin aus dem vorletzten Weihnachtsspecial. Immer wieder laufen sich Donna und der Doctor über den Weg, ohne den jeweils anderen zu bemerken. Erst nach der Hälfte der Folge sehen die zwei sich schließlich und werden in einer höchst amüsanten Szene von Miss Foster entdeckt. Ab dort gilt Teamwork. Zusammen verhindern die zwei, dass eine gute Million Menschen komplett in kleine, lebende Fettwesen, die sich auch „Adipose“ nennen, verwandelt werden.
Dabei darf Donna auf die Abenteuer in „The Runaway Bride“ anspielen und nebenbei erklären, dass sie ihre Entscheidung, den Doctor nicht zu begleiten, bereut hat und seitdem ungewöhnlichen Fällen hinterher jagt, in der Hoffnung wieder auf den Timelord zu treffen. Lustigerweise tut sie die Geschichte um die Titanic, die im letzten Weihnachtsspecial beinahe in den Buckingham Palast gekracht wäre, als Hoax ab.
Ein Wiedersehen gibt es außerdem mit Wilfred Mott (Bernard Cribbins), der sich als Donnas Großvater mütterlicherseits entpuppt und ebenfalls eine lustige Szene bekommt, in der er den Nachthimmel nach Raumschiffen absucht, während das Schiff der Adiposes unbemerkt hinter ihm vorbeifliegt.
Ein für den Staffelbogen relevantes Wiedersehen mit Rose Tyler (Billie Piper) steht ebenfalls auf dem Programm. Als Donna mit dem Doctor mitreisen will, gibt sie der in der Nähe stehenden ehemaligen Begleiterin des Doctors sogar eine kurze Anweisung – da die beiden sich aber nie über den Weg gelaufen sind, wird Rose nur vom Zuschauer erkannt. Im Hinterkopf behalten sollte man außerdem, dass der Brutplanet der Adiposes („Adipose 3“) laut Miss Foster „verloren“ ist.

In „The Fires of Pompeii“ (von James Moran) bekommt Donna ihr erstes Abenteuer in die Vergangenheit. Eigentlich sollte es nach Rom gehen, aber das Reiseziel entpuppt sich schnell als Pompeji im Jahre 79 nach Christus – und der Vulkanausbruch steht unmittelbar bevor. Als die beiden das bemerken und schnell zur TARDIS zurückkehren, ist diese bereits verschwunden. Auf der Suche danach landen Donna und der Doctor im Haus von Caecilius (Peter Capaldi) und dessen Familie, wobei sie merkwürdige Entdeckungen machen, die auf den Eingriff einer weit fortschrittlicheren Zivilisation hindeuten. Es gilt, diesen Geheimnissen auf den Grund zu gehen und endet für den Doctor mit der Wahl zwischen „Tod und Teufel“.

Seit dem Neustart der Serie in 2005 ist das die erste Folge, die mit Cast und Crew im Ausland produziert wurde, in den Cinecittà Studios in Rom, um genau zu sein. Optisch macht sich das in vielen Szenen vorteilhaft bemerkbar. James Moran hatte allerdings einige Probleme mit dem Skript und wurde dabei von Davies unterstützt, worauf sich u.a. auch einige Figurennamen zurückführen lassen: Lucius Petrus Dextrus (Phil Davis) ist einer der amüsanteren Namen, denn übersetzt ergibt sich in etwa „Lucius Stein rechte Hand“ (von „petra“ = Fels, Stein und „dextra“ = rechte Hand).
Auch lassen sich einige Referenzen finden, die Bezug auf andere Werke nehmen. Die Phrase „I am Spartacus!“ stammt aus dem 1960er Film mit Kirk Douglas als Spartacus und „You must excuse my friend, she’s from Barcelona.“ ist ein Running Gag der Serie Fawlty Towers. Der Doctor erwähnt außerdem seine Beteiligung am großen Feuer von Rom, eine Anspielung auf die Folge „The Romans“ von 1965 (mit William Hartnell als ersten Doctor). Als Lucius die Aussagen über den Doctor und Donna tätigt (und sie als Zeitreisende entlarvt), dürfte mit dem Satz „She is returning.“ Rose gemeint sein, womit ein versteckter Bezug auf den Staffelbogen eingebaut wurde.
Der Hauptaspekt der Folge ist aber das moralische Dilemma des Doctors. Entweder lässt er die „Pyrovile“ gewähren (was die Umwandlung der gesamten Menschheit in Steinwesen zur Folge hätte) oder er lässt den Vulkan ausbrechen und die 20.000 Einwohner Pompejis sterben. Die Wahl fällt auf letzteres, wobei sich der Doctor von Donna aber breitschlagen lässt, wenigstens die Familie von Caecilius zu retten, die im Epilog der Folge für einen abschließenden Grinser sorgen kann: Die neuen Hausgötter der Familie sind jedenfalls passend getroffen worden. Donna fungiert durchgehend als moralischer Kompass, was sich bereits in ihrem ersten Abenteuer -„The Runaway Bride“ – angekündigt hat. Nett ist auch die erneute Erklärung für die nicht vorhandenen Sprachdifferenzen durch die TARDIS und die Verknüpfung mit dem derzeit noch unbekannten Begriff „Vulkan“.
Für den Staffelbogen relevant: Der Heimatplanet der Pyrovile gilt als verloren.

In „The Planet of the Ood“ (geschrieben von Keith Temple) geht es in die Zukunft, um sich dort dem alten Thema der Sklaverei zu widmen. Der Doctor und Donna landen auf der „Ood-Sphere“ im Jahre 4126. Die Menschheit hat sich bereits im All ausgebreitet und die Firma „Ood Operations“ vertreibt von dort die Ood, die den Menschen anscheinend bereitwillig zu Diensten sind. Doch einige Oods werden aggressiv und es kommt zu Todesfällen. Es liegt nun alleine am Doctor und Donna, den Geheimnissen um die Firma und die Oods auf die Schliche zu kommen.

Ein klassisches Thema, welches schon öfter in Doctor Who verarbeitet wurde und hier die Gelegenheit nutzt, um die Oods besser kennen zu lernen. Donna bringt es schon anfangs auf den Punkt (und der ein oder andere Zuschauer wird sich die Frage schon in „The Impossible Planet“ oder „The Satan Pit“ gestellt haben): Wenn die Ood ohne Menschen nicht überlebensfähig sind, wie konnten sie dann vor dem Kontakt mit der Menschheit überleben? Die Antwort bekommen wir mit dem Ende der Folge geliefert, wobei natürlich eine gehörige Portion Science-Fiction dazu gehört. Gleichzeitig findet sich in der Folge auch eine Kritik an der heutigen Gesellschaft und den großen Konzernen, die ihre „Produkte“ vermarkten ohne dem Verbraucher alle Hintergründe dazu aufzuzeigen. Klineman Halpen (Tim McInnerny) und seine Untergebene Solana (Ayesha Dharker) liefern jedenfalls die passenden antagonistischen Figuren der Folge, wobei die Darsteller auf ganzer Linie überzeugen können. Da ist die Verwandlung von Halpen in einen Ood eine geradezu treffende Strafe.
Nebenbei wird uns ein Ood bekannt gemacht, der noch eine größere Rolle für den Doctor spielen soll: Ood Sigma (Paul Kasey). Dem Doctor wird verkündet, dass sein „Lied“ bald enden wird („I think your song must end soon.“) – ein Hinweis darauf, dass es sich hier um die letzte Staffel mit dem zehnten Doctor handelt. Wer sich mit den klassischen Folgen auskennt, wird vielleicht auch eine kleine Randbemerkung des Doctors genossen haben: Die „Ood-Sphere“ befindet sich im gleichen Sonnensystem wie die „Sense-Sphere“, der Heimatplanet der „Sensorites“ aus der gleichnamigen Folge „The Sensorites“ von 1964 mit William Hartnell als ersten Doctor.

Die Doppelfolge „The Sontaran Stratagem“ und „The Poison Sky“ (von Helen Raynor geschrieben) bringt erstmals seit 1985 („The Two Doctors“) die Sontarans zurück in die Serie. Martha Jones (Freema Agyeman) arbeitet inzwischen für UNIT und ruft den Doctor an (diese Option wurde ihr in „Last of the Time Lords“ offen gehalten):
Es gab weltweit und zeitgleich 52 Todesfälle durch Vergiftung in Autos, die das Navigationssystem „Atmos“ benutzen, welches vom jungen Genie Luke Rattigan (Ryan Sampson) entwickelt wurde. Martha vermutet hinter Atmos außerirdische Technologie und in der Tat stellt sich bald heraus, dass Luke mit den Sontarans zusammen arbeitet, die ihre eigenen Pläne mit der Erde haben. Ihr Anführer, General Staal (Christopher Ryan), will die Erde in eine Klonfabrik für Sontarans verwandeln. Der Doctor hat alle Hände voll zu tun, denn die Sontarans gelten als nahezu unbesiegbar und seine ehemaligen Arbeitgeber von UNIT sind ihrerseits drauf und dran, Nuklearwaffen zum Einsatz zu bringen.

Eine gute Doppelfolge, die mit den Sontarans einen weiteren Gegner des Doctors zurück bringt, der schon in den Classic-Folgen nicht zu unterschätzen war. Helen Raynor versteht es zudem, neben der spannenden Geschichte um den Angriff der Sontarans auch das Treffen von Martha und Donna passend zu inszenieren. Während ein vorheriges Treffen verschiedener Begleiter des Doctors in „School Reunion“ (Rose Tyler und Sarah Jane Smith) noch mit Konkurrenzdenken einher ging, verstehen sich Donna und Martha auf Anhieb gut genug, um den Doctor auf andere Weise zum Schwitzen zu bringen. Nachdem Martha von den Gefahren und was Donnas Reisen mit dem Doctor für ihre Familie bedeutet, unterrichtet hat, spielt Donna sogar mit dem Gedanken, wieder daheim zu bleiben – was ihrer Mutter sicher recht wäre. Zum Glück ist da noch Wilfred (Bernard Cribbins), der Donna zur weiteren Mitreise ermutigt. Interessant übrigens, dass Martha weiterhin das Abenteuer sucht, wie ihr Beitritt zu UNIT unmissverständlich klar macht. Mit einer solch schnellen Rückkehr der Figur in die Serie hätte man nun nicht unbedingt gerechnet und Martha bekommt eine eigene kleine Storyline mit ihrem Klon, die ebenfalls gekonnt zur Geschichte beiträgt. Zudem wirkt sie weit erwachsener als es in der letzten Staffel der Fall war, was mitunter auch daran liegt, dass sie mittlerweile ihren eigenen „Doktor“ gefunden hat. Der einzige Schwachpunkt, rein figurentechnisch, ist das Genie Luke, dessen Motivation nie so richtig zünden will und dessen Szenen teilweise ins Lächerliche („Son-ta-ha!“) ausarten. Sein Opfer am Ende lässt sich damit auch nicht wirklich nachvollziehen, sondern kommt einer bockigen Aktion gegen General Staal gleich, der ihn zuvor verraten hat.
Wer übrigens genau aufgepasst hat, wird Rose in einer kurzen Szene (siehe Foto unten) bemerkt haben, als der Doctor Funkkontakt zu den Sontarans und der TARDIS herstellt. Womit auch die Staffelhandlung in der Doppelfolge präsent ist. Auch die „Valiant“, im letzten Staffefinale vom Master benutzt, hat mehrere kurze Auftritte und steht nun unter der Kontrolle von UNIT. Weitere Anspielungen auf die Classic-Serie gibt es mit der Andeutung, dass der Doctor bereits zuvor für UNIT gearbeitet hat, einen Wink auf den Brigadier (Lethbridge-Stewart), der sich gerade in Peru aufhält und die Verwendung der Schlagworte „Grayhound“ und „Trap“, die UNIT schon damals benutzt hat. Herzlich lachen konnte man auch als der Doctor Colonel Mace (Rupert Holliday-Evans) mit aufgesetzter Gasmaske fragt: „Are you my mummy?“. Das Ende der Folge liefert außerdem einen schönen Cliffhanger zur nächsten Folge, denn als Donna, Martha und der Doctor nach vollbrachtem Abenteuer in der TARDIS sind, startet diese ganz plötzlich. Somit ist Martha im nächsten Abenteuer wieder mit von der Partie.

 


Rose

In „The Doctor’s Daughter“ (geschrieben von Stephen Greenhorn) landen Donna, Martha und der Doctor auf dem Planeten Messaline beziehungsweise im Untergrund des Planeten, der nicht bewohnbar ist. Dort bekämpfen sich seit „Generationen“ zwei Fraktionen: Menschen und Hath. Unsere Helden werden auch gleich von einer Gruppe Menschen aufgesucht und zwingen den Doctor, seine Hand in eine Maschine zu stecken. Dadurch wird ihm eine Gewebeprobe entnommen und wenige Sekunden später steht seine „Tochter“ (Georgia Moffett) vor ihm, die im Verlauf der Folge den Namen Jenny bekommt. Kurz darauf greifen die Hath an und bekommen Martha in ihre Gewalt, bevor beide Gruppen getrennt werden. Der Doctor und Donna versuchen sich an einer Lösung des Konflikts, gleichzeitig muss der Doctor die Vorstellung einer Tochter akzeptieren, auch wenn er sich anfangs dagegen sträubt, das „Ding aus der Maschine“ als sein Fleisch und Blut anzuerkennen. Martha muss derweil alleine im Hath-Lager zurecht kommen.

Prinzipiell eine gute Folge. Das Thema der zwei feindlichen Fraktionen ist allerdings nicht neu und als Zuschauer ahnt man sofort, wie die Sache ausgeht. Überraschend war lediglich der Twist mit dem Datum, den Donna entschlüsseln durfte und der dann zeigt, dass der Generationenkonflikt erst sieben Tage andauert, aufgrund der Reproduktionsmaschinen (die komplette Generationen erschafft, während die älteren im Kampf sterben) aber die eigentliche gemeinsame Mission der Menschen und Hath in Vergessenheit geriet. Dass es sich am Ende um ein Terraforming-Projekt gehandelt hat, lässt dann auch über die übersichtliche Anzahl von Protagonisten auf beengtem Raum hinweg sehen.
Der Kern der Folge liegt aber bei Jenny, die der Doctor nach und nach durch Donna schließlich als seine Tochter akzeptiert. Für eine Einzelfolge wirkte es trotzdem etwas viel und geradezu überladen, zumal auch Martha einen Großteil der Folge einen separaten Handlungsstrang bekommt. Jennys Tod durch Cobb (Nigel Terry) stellt den Doctor erneut auf die Probe, aber statt sich an Cobb zu rächen, setzt er für die verfeindeten Fraktionen ein Zeichen, indem er Cobb verschont.
Martha wird wieder zu Hause abgesetzt, sie hat genug von den Abenteuern mit dem Doctor und warnt Donna erneut, dass die Reisen mit dem Timelord gefährlich sind. Doch Donna lässt sich nicht davon abbringen, den Doctor weiter zu begleiten. Als netter Twist schlägt Jenny auf Messaline plötzlich die Augen auf – sie hat sich zwar nicht wie ein Timelord regeneriert (ihr Äußeres sieht gleich aus und auch ihr Charakter wirkt gleich), aber sie macht sich mit einem Raumschiff auf den Weg, den sie eigentlich zusammen mit ihrem Vater bestreiten wollte. Fortsetzung und Wiedersehen nicht ausgeschlossen.
Anmerkung: Georgia Moffett ist übrigens die Tochter von Peter Davison, dem fünften Doctor und mittlerweile mit David Tennant verheiratet. Für den Staffelbogen gab es in dieser Folge keine Szene oder sie ist mir entgangen.

In „The Unicorn and the Wasp“ (von Gareth Roberts) reisen der Doctor und Donna ins Jahr 1926 und laden sich selbst zu einer Party bei Lady Eddison (Felicity Kendal) ein. Dort treffen sie unter anderem auf Agatha Christie (Fenella Woolgar) und finden sich plötzlich mitten in einen Kriminalfall verstrickt, der aus einem von Christies Büchern stammen könnte. Beinahe jedenfalls, denn der Killer kann sich scheinbar in eine riesige Wespe verwandeln. Es gilt nun, unter den Besuchern der Party den Mörder zu finden. Kein leichtes Unterfangen, da jede der anwesenden Personen bestimmte Geheimnisse hat und diese zu verstecken versucht.

Gareth Roberts scheint eine Vorliebe für berühmte Schriftsteller zu haben, denn beim Auftritt von Agatha Christie fühlt man sich unweigerlich an die Folge „The Shakespeare Code“ erinnert, die William Shakespeare in den Mittelpunkt stellte und vom gleichen Autor stammt. Trotzdem konnte das Abenteuer nicht so ganz mitreißen. Es wird zwar tüchtig das reale Leben von Agatha Christie mit in die Folge eingebaut und es werden Anspielungen auf viele Werke und Figuren der Autorin gemacht, aber bei Shakespeare hat das irgendwie besser funktioniert. Die witzigen Momente der humorvoll gemeinten Episode zünden leider nur vereinzelt, wie zum Beispiel bei Donnas Erwähnung, Agatha Christie bei einem Verbrechen zu treffen sei so, als ob Charles Dickens mit Geistern zu tun hat – ein Wink auf „The Unquiet Death“ aus der Staffel mit Christopher Eccleston als Doctor.
Auch beim außerirdischen Gegner trifft Roberts nicht die beste Wahl. Eine riesige computeranimierte Wespe ist verglichen mit den hexenhaften Carrionites eher ein Rückschritt. Trotzdem strahlt die Folge ein gewisses Flair aus und man kann munter mitraten, was denn nun genau vor sich geht und wer der Mörder sein könnte. Apropos Carrionites, als der Doctor am Ende in der TARDIS rumkramt, um Donna das Buch „Death in the Clouds“ von Agatha Christie zu präsentieren (was im Jahr 5 Milliarden immer noch gedruckt wird), kommt unter anderem auch die Glaskugel zum Vorschein, in der die drei Carrionites aus „The Shakespeare Code“ noch gefangen sind. Hinweise auf den Staffelbogen fehlen leider wieder, eine weitere Gemeinsamkeit mit Roberts’ vorheriger Folge.

In „Silence in the Library“ und “Forest of the Dead” (eine Doppelfolge aus der Feder von Steven Moffat) landen der Doctor und Donna im 51. Jahrhundert in einer geradezu gigantischen Bibliothek, die der Doctor als die größte des Universums bezeichnet und die einen ganzen Planeten umfasst. Es ist merkwürdig still und ein Scan ergibt, dass sich nur zwei humanoide Lebensformen (Donna und er selbst) dort aufhalten, aber Billionen nicht-humanoider Lebewesen. Die große Bedrohung, weshalb die Bibliothek vor hundert Jahren unter Quarantäne gestellt wurde, sind die „Vashta Nerada“, die in den Schatten lauern und von ihren Opfern nur die Knochen übrig lassen. Ein Erkundungstrupp um die Archäologin River Song (Alex Kingston), die den Doctor bereits zu kennen scheint, sorgt für Zuwachs und neben dem Kampf ums Überleben gilt es zu klären, was die Nachricht des Computersystems „4022 saved, no survivors“ zu bedeuten hat.

Wow, eine Folge zum Nägel abkauen. Die Vashta Nerada („Schatten, die das Fleisch schmelzen“) sind ein weiterer unheimlicher Gegner aus der Feder von Moffat und werden den jüngeren Zuschauern der Serie sicher einige Alpträume und Angst vor der Dunkelheit beschert haben („Hey, who turned out the lights?“). Dazu kommt noch die virtuelle Welt des Computers, die mitunter auch zur unheimlichen Stimmung der Folge beiträgt und in der Donna sich plötzlich wiederfindet, ohne es zunächst zu bemerken.
Mit River Song wird außerdem eine Figur eingeführt, wie sie interessanter kaum sein könnte. Sie kennt den Doctor bereits, aber er sie noch nicht – Zeitreisen sind eben kompliziert. Dabei wird schon angedeutet, dass sie eine wichtige Rolle in seinem Leben spielt beziehungsweise spielen wird, ohne allerdings die oft genannten „Spoilers“ zu entschlüsseln. Es werden zwar kurz Ereignisse oder Orte genannt, die in der Zukunft des Doctors noch relevant werden, aber die lassen sich erst in kommenden Folgen wieder erkennen (und werden hier nicht gespoilert). River rettet am Ende neben den „gespeicherten“ Menschen inklusive Donna auch den Doctor vor dem sicheren Tod (oder eben vor einer Regeneration) und bezahlt das mit ihrem Leben. Naja, nicht ganz. Ihr Bewusstsein wird in den Computer eingespeist, womit sie doch noch gerettet wird.

River Song

Für Donna hat sich in der virtuellen Welt fast eine ganze Lebensspanne abgespielt, auch wenn die von Lücken durchzogen war. Ihre Rückkehr aus dem Computer war somit nicht leicht zu verarbeiten (Verlust von Mann und Kindern) und ein Wiedersehen mit ihrem virtuellen Lebenspartner in der realen Welt bleibt ihr verwehrt.
Angemerkt werden sollte noch die Waffe, die River benutzt. Die wurde erstmals von Jack Harkness eingeführt und bekam von Rose die Bezeichnung „squareness gun“, die auch hier verwendet wird. Somit wird Rose indirekt erwähnt.

In „Midnight“ (von Russell T. Davies) besuchen Donna und der Doctor den Planeten Midnight, der permanent tödlicher Strahlung vom benachbarten Stern ausgesetzt ist. Der Doctor unternimmt eine Reise per Shuttle (Donna bleibt im Erholungscenter zurück) zu den Saphir-Wasserfällen des Planeten, doch plötzlich bleibt das Shuttle stehen und von außen droht Gefahr. Eingesperrt mit den anderen Fahrgästen spitzt sich die Lage zu als eine davon, Sky Silvestry (Lesley Sharp), plötzlich anfängt die Sätze der anderen nachzureden und dabei auch ihre Stimme verändert. Der Doctor versucht, die Lage zu entschärfen, aber die Stimmen, die Sky aus dem Shuttle werfen wollen, werden immer lauter und richten sich auch gegen ihn.

Eine ungewöhnliche Folge, die Davies hier abliefert. Zunächst einmal ist von Donna nur am Anfang und am Ende der Episode etwas zu sehen, womit wir quasi eine pure Doctor-Folge ohne Companion bekommen. Dazu gleicht die Folge einem Kammerspiel. Wenig Beteiligte auf engstem Raum und die Gefahr steckt vielmehr in den Köpfen der Anwesenden, die dem psychologischen Druck nicht standhalten und das fremde Wesen „entsorgen“ wollen. Der gute Doctor kann einem schon richtig leid tun, wenn sich immer mehr Stimmen gegen ihn erheben. Dabei bekommt jede Figur eine gute Charakterisierung und die schauspielerischen Leistungen können überzeugen. Eine etwas andere Folge außerhalb der üblichen Abenteuer, aber durchaus gelungen (und von vielen Kritikern gelobt).
Es finden sich auch wieder Hinweise auf den Handlungsbogen der vierten Staffel: Rose taucht kurz auf einem der Monitore auf, außerdem werden die „Medusa Cascade“ und der verlorene Mond „Poosh“ erwähnt, die im Staffelfinale ebenfalls Bedeutung haben werden.

In „Turn Left“ (ebenfalls von Russell T. Davies) besuchen der Doctor und Donna einen asiatisch wirkenden Markt auf dem Planeten Shan Shen. Donna trennt sich dabei vom Doctor und besucht eine Weissagerin (Chipo Chung). Letztere ist aber nicht daran interessiert, Donna die Zukunft vorher zu sagen, sondern will die Vergangenheit verändern: Donna macht eine einfache Entscheidung in ihrer Vergangenheit rückgängig, die fatale Folgen hat: Sie trifft nicht auf den Doctor, was dazu führt, dass er in „The Runaway Bride“ stirbt. Viele der folgenden Abenteuer des Doctors aus Staffel drei und vier nehmen dadurch einen Weg zum schlechteren und stürzen die neue, alternative Welt um Donna ins Chaos. Im Zuge der dystopischen Ereignisse taucht immer wieder Rose Tyler (Billie Piper) auf und zeigt Donna schließlich einen Ausweg auf, der ein großes Opfer erfordert.

Was wäre wenn? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Folge, in der der Doctor kaum auftaucht. Es dreht sich alles um Donna und die nun veränderten Ereignisse, die den Tod zahlreicher bekannter Figuren (Sarah Jane Smith, Martha Jones, Teile des Torchwood-Teams, etc.) zur Folge haben. Im Höhepunkt der Geschehnisse verschwinden schließlich nach und nach die Sterne, was ein Wink auf das Staffelfinale ist, welches auch am Ende der Episode (als alles wieder normalisiert wurde) eröffnet wird. Die Performance von Catherine Tate kann dabei gelobt werden, aber von der Geschichte her macht sich beim Zuschauer eine äußerst depressive Stimmung breit und man ist wahrlich erlöst, wenn die alternative Zeitlinie beendet ist und Donna doch überlebt hat.
Selbstverständlich gibt es zahlreiche Verweise auf ältere Folgen und Figuren und die alle aufzuzählen, würde wohl den Rahmen sprengen. Höchstens eine Anmerkung zum „Time Beetle“: Der erinnerte deutlich an die Spinne, die Sarah Jane Smith (Elisabeth Sladen) in „Planet of the Spiders“ (1974) auf dem Rücken hatte. Die wichtigste Frage, weshalb Rose denn nun immer auftaucht/auftauchen kann, wird aber noch nicht geklärt (dazu macht der Doctor allerdings zu Beginn der nächsten Folge eine kurze Bemerkung). Dafür gibt es am Ende die Worte der ersten Staffel – „Bad Wolf“ – zu hören und überall zu lesen, was der Doctor als das bevorstehende Ende des Universums interpretiert. Man darf somit auf das Finale äußerst gespannt sein.

In „The Stolen Earth“ und „Journey’s End“ (beide von Russell T. Davies, wobei die letzte Folge mit 65 Minuten länger als gewöhnlich ist) gibt es ein gigantisches Crossover mit den Spin-off Serien „Torchwood“ und „The Sarah Jane Adventures“, was schon gleich zu Beginn von „The Stolen Earth“ passend in Szene gesetzt wird: Die Erde verschwindet, wie schon andere Welten vor ihr. Während sich alle Personen und bekannten Organisationen auf der Erde verwundert den neuen Himmel ansehen, müssen Donna und der Doctor erst einmal herausfinden, wo die Erde hin ist – dazu stattet der Doctor der Shadow Proclamation einen Besuch ab. Aber die Lösung bringt schließlich Donna und so folgen die beiden der Spur zur Medusa Cascade, wo sie schließlich dank einer Idee von Harriet Jones (Penelope Wilton) die versteckten Planeten ausfindig machen. Auf der Erde ist währenddessen bereits klar, wer hinter der Entführung steckt: Die Daleks. Dank Dalek Caan (dem einzigen aus dem Cult von Skaro, der beim letzten Treffen mit dem Doctor in „Evolution of the Daleks“ fliehen konnte) sind sie zurück und wieder stark formiert, wobei neben dem Imperator-Dalek auch Davros (Julian Bleach) die Strippen zieht. Unsere große Heldentruppe hat alle Hände voll zu tun, um den wahnsinnigen Plan der Daleks, das ganze Universum zu vernichten (bis auf die Daleks versteht sich), aufzuhalten.

Hier ein „Wow“ einzubringen, wäre untertrieben. Davies liefert hier ein Staffelfinale ab, wie es in der Seriengeschichte kein zweites gibt und wahrscheinlich auch geben wird. Donna Noble, Martha Jones (Freema Agyeman), Rose Tyler (Billie Piper), Jack Harkness (John Barrowman) und Sarah Jane Smith (Elisabeth Sladen) bilden da nur die Spitze des Eisbergs. Gwen Cooper (Eve Myles) und Ianto Jones (Gareth David-Lloyd) aus „Torchwood” sowie Luke Smith (Thomas Knight), „Mr. Smith” (gesprochen von Alexander Armstrong) und K-9 aus „The Sarah Jane Adventures“ haben ebenfalls kurze Auftritte. Aus den anderen Staffeln bekannt und dabei: Harriet Jones, Marthas Mutter Francine (Adjoa Andoh), Wilfred Mott (Bernard Cribbins), Donnas Mutter Sylvia (Jacqueline King), Roses Mutter Jackie (Camille Coduri) und Mickey (Noel Clarke). Alleine bei der Anzahl der bekannten Gesichter bleibt einem schon die Spucke weg. Aber damit nicht genug: Neben der Hauptgeschichte werden viele Nebenstränge – allen voran der um Rose und den Doctor – zu einem Happy End geführt, so wird auch die abgetrennte Hand vom Doctor mit eingebaut. Lediglich für Donna ist das Ende weniger gut – aber das weiß sie hinterher (zum Glück) nicht mehr.

Reunion

Die große Bedrohung durch die Daleks liefert dabei auch ein passendes Abenteuer, um alle Fraktionen aus der Serie und den Spin-offs auf die Bühne zu rufen. Dabei wird aufgeklärt, wohin Dalek Caan geflohen ist (Stichwort „Timewar“) und wie die Daleks überhaupt zurück kommen konnten. Am Ende sieht es so aus als wenn sie nun ein für allemal zerstört worden wären – aber davon darf man sich nicht täuschen lassen, bisher haben die Salzstreuer noch immer einen Weg zurück in die Serie gefunden. Die Verdopplung des Doctors war auch eine nette Idee, wobei man sich natürlich fragen kann, ob damit nun eine Regeneration dadurch flöten gegangen ist. Logisch wäre es jedenfalls, da der Doctor sonst gestorben wäre. Aber aufgegriffen wurde es bisher in den weiteren Staffeln nicht.
Auf jeden Fall merkt man diesem Finale an, dass es eine Art Schlussstrich darstellen soll und vieles beendet. So auch die Zeit von Donna Noble als Begleiterin des Doctors. Der Timelord steht somit wieder alleine da, bereit zu neuen Abenteuern. Für Russell T. Davies endet damit die Zeit als Showrunner der Serie. Er hat zwar noch weiter an den kommenden Specials geschrieben (und die Äußerung von Ood Sigma aus „Planet of the Ood“ aufgegriffen), aber für die fünfte Staffel wurde das Ruder an Steven Moffat übergeben.

Da Donna nun vorerst raus ist, noch ein paar Worte zu ihrer Person: Sie unterscheidet sich maßgeblich von Rose und Martha in ihrer Beziehung zum Doctor. Für sie ist er kein Love Interest, sondern jemand, der Begleitung benötigt – Begleitung, die ihn manchmal bremsen muss, damit er nicht zu skrupellos wird. Diese menschliche Seite, die dem Timelord von Zeit zu Zeit ins Gedächtnis gerufen werden muss, wird in einigen Folgen der Staffel thematisiert, besonders aber in „The Fires of Pompeii“. Auch als es um „The Doctor’s Daughter“ ging, sorgt Donna schließlich dafür, dass der Doctor sie als seine Tochter akzeptiert. Die manchmal geführten Zwiegespräche zwischen dem Doctor und Donna sind auch eine Besonderheit der Figur, wobei zwischen Catherine Tate und David Tennant in jeder Szene die Chemie zu stimmen scheint. Das wurde im Finale bei der letzten Diskussion zwischen Doctor und „Doctor Donna“ noch einmal deutlich. Ansonsten liefert Donna auch oft – ähnlich wie ihre Vorgängerinnen – entscheidende Hinweise zur Lösung der Rätsel und durfte im Finale das Universum retten. Es ist schade, dass sie nur für eine Staffel dabei war.

Nach dem Staffelfinale am 05.07.2008 gab es mit „Music of the Spheres“ am 27.07.2008 im Rahmen der „Doctor Who Prom“ in der Royal Albert Hall in London eine kleine Mini-Episode von etwa sieben Minuten Länge zu sehen (die wurde am 01.01.2009 auch auf BBC One ausgestrahlt). Darin trifft der Doctor auf einen Graske (Jimmy Vee) und nimmt interaktiv Kontakt zum Publikum der Veranstaltung auf – eine witzige Idee für ein Konzert zur TV Serie.

Das nächste Special wurde wie gewohnt Weihnachten am 25.12.2008 gesendet, stammt aus der Feder von Russell T. Davies und trägt den Titel „The Next Doctor“. In den etwa 60 Minuten trifft der Doctor auf Jackson Lake (David Morissey), der sich selbst für den Doctor hält und im Jahre 1851 zur Weihnachtszeit in London gegen die Cybermen kämpft. Neugierig wegen der scheinbar neuen Inkarnation mit Gedächtnisverlust und wegen des neuen Abenteuers, folgt der Doctor Jackson und dessen Gefährtin Rosita (Velile Tshabalala).

Ein solides Special, was aber nach dem letzten Finale die Erwartungen des Zuschauers nicht erfüllen kann. Dabei ist die Idee an sich nicht schlecht: Vom Titel und plötzlichen Auftritt des „neuen Doctors“ her konnte man durchaus erwarten, dass nun eine neue Regeneration des Doctors ihren ersten Auftritt hat. Anfangs sieht es für uns und den Doctor auch genau danach aus, denn er scheint seiner nächsten Inkarnation über den Weg zu laufen. Schritt für Schritt lernen wir aber (wohl etwas schneller als der Doctor selbst), dass es sich bei Jackson nicht um eine neue Inkarnation handelt. Dabei gibt es wieder einige nette Anspielungen wie z.B. auf die Taschenuhr aus „Human Nature“ oder das Material zu den früheren Inkarnationen des Doctors. Besonders die Verweise auf die Episode „Blink“ sind gut gelungen. Die Geschichte um Jackson Lake weiß ebenfalls zu überzeugen. Es gibt zwar kein weihnachtliches Happy End (seine Frau ist tot), aber immerhin bekommt er am Ende seinen Sohn zurück und bekommt das Angebot, einen Trip mit der echten TARDIS zu machen (was er aber ausschlägt). Immerhin kommt der Doctor aber noch zum Weihnachtsessen mit.
Hapern tut es aber beim Gegner und zwar an mehr als nur einer Stelle. Zunächst einmal ist die Erklärung für deren Auftritt die übliche, die schon von den Daleks bekannt ist – Cyberman entkommt der Vernichtung und landet in der Vergangenheit (Erinnerungen an „Daleks in Manhattan“ werden dabei wach), um von dort zu neuer Stärke zu gelangen. Entsprechend wurde auch das Design der Blechmänner nicht großartig verändert. Ein weiterer Makel liegt bei Mrs. Hartigan (Dervla Kirwan), die ihre Transformation zum „Cyberking“ übersteht, ohne ihre Gefühle zu verlieren (jedenfalls die bösen Gefühle, die sie angetrieben haben, mit den Cybermen zusammen zu arbeiten), was ein Bruch mit dem bisher Gelernten ist. Jedenfalls kam so was bei den Tausenden, die in „Age of Steel“ konvertiert wurden, nicht vor – selbst der Schöpfer der Cybermen, John Lumic, musste sich von seinen Gefühlen verabschieden als er zum Cyber-Controller wurde. Ein weiterer Kritikpunkt wäre der CGI-Overkill mit dem Cyberking. Manchmal ist weniger doch mehr. Wenn die Cybermen schon soweit sind, gigantische Maschinen zu bauen und nebenbei eine neue Armee zusammen zu stellen, wäre dann nicht ein fliegendes Gefährt besser gewesen? Der einzige Sinn – so scheint es jedenfalls – für „Cyber-Godzilla“ lag darin, Mrs. Hartigan ihre Rache durch Plattwalzen der Londoner Bevölkerung und Gebäude zu geben – ein Ziel, was die Cybermen wohl kaum damit verfolgt haben dürften, schließlich würden sie sich damit wertvolles „Material“ für neue Soldaten nehmen. Ein letzter Punkt, der sauer aufstößt, ist der Dimensionsstrahl, mit dem der Doctor den besiegten und torkelnden Cyberking verschwinden lässt bzw. in den Time Vortex schickt (moment mal, kann der dann nicht irgendwo wieder auftauchen?) – das kam ein wenig zu gelegen in der Situation.
Für die kommenden Specials gab es übrigens keine weiteren Hinweise, wir wissen nur, dass der Doctor wieder alleine unterwegs sein wird. Es wird in Zukunft (beim nächsten Doctor Matt Smith) allerdings noch erklärt, weshalb dieses Ereignis um den Cyberking nicht den Weg in die Geschichtsbücher geschafft hat.

Das nächste Special – „Planet of the Dead“ (von Russell T. Davies und Gareth Roberts) – wurde zu Ostern am 11.04.2009 ausgestrahlt und geht ebenfalls gute 60 Minuten. Die Eröffnung zeigt Lady Christina de Souza (Michelle Ryan), wie sie im heutigen London einen goldenen Kelch stiehlt und anschließend auf der Flucht vor der Polizei in einen der Londoner Busse steigt. Den selben Bus besteigt auch der Doctor, der einer Anomalie auf der Spur ist und ehe sich die Insassen versehen, sind sie durch ein Wurmloch auf dem Wüstenplaneten San Helios gelandet. Der Bus ist beschädigt und kurze Zeit später entdecken der Doctor und Christina einen näherkommenden Sturm, der die kleine Reisegemeinschaft und – wie sich gegen Ende herausstellt – die ganze Erde bedroht.

Man nehme „Flight of the Phoenix“ (1965), mische ein bisschen Indiana Jones und etwas Pitch Black dazu und wir haben die grobe Geschichte des Dr. Who Osterspecials zusammen. Um die Wüstenszenen authentisch zu gestalten, wurden diese Szenen bei Dubai gedreht und eigens dafür der Bus in die Arabischen Emirate überführt – was das Vehikel nicht ohne Schäden schaffte, die erst nachträglich ins Drehbuch eingebaut wurden.
Loben kann man Michelle Ryan bzw. die von ihr gespielte Christina, die mal eine Abwechslung zu den üblichen Staffelbegleiterinnen des Doctors darstellt. Eine Diebin mit Abenteuerlust in Indiana Jones Manier war jedenfalls sehr erfrischend und es ist schon fast schade, dass sie nur für ein Abenteuer dabei war. Aber vielleicht kommt sie in Zukunft noch einmal zurück. Carmen (Ellen Thomas) als Medium fühlte sich dafür unnötig an und war etwas zuviel des Guten. Dass der Wüstenplanet vorher eine voll bewohnte Welt war, hätte jedenfalls auch alleine durch die insektoiden Aliens (die leider nur als Kanonenfutter und Ersatzteillager dienten) ohne Carmens vorherige „Stimmen“ erklärt werden können. Allerdings baut sie mit ihrer abschließenden Nachricht an den Doctor einen Hinweis auf kommende Abenteuer ein: „It is returning. It is returning through the dark. And then Doctor, oh but then, he will knock four times.” und “…your song is ending, Sir.” – womit die Worte von Ood Sigma aus “Planet of the Ood” aufgegriffen und ein wenig erweitert werden.
Neben den zahlreichen Referenzen auf die oben genannten Werke bekommt außerdem UNIT einen weiteren Auftritt und darf neben der üblichen Militärhaltung (alles kaputt schießen) den Wissenschaftler Malcolm (Lee Evans) mit ins Spiel bringen, der am Ende mit Hilfe des Doctors das Wurmloch schließen darf und sich zuvor gegen seine Vorgesetzte behauptet hat, um den Doctor und die Busgefährten zu retten. Malcolm wirkt dabei zwar wie eine Karikatur, sorgt aber trotzdem für den einen oder anderen Lacher beim Zuschauer.
Etwas verwundert kann man aber wegen der bestimmten Absage des Doctors an Christina sein. Im letzten Special hat er noch Jackson Lake ein Abenteuer mit ihm angeboten und bei Christina blockt er gleich ab: Zu viele Verluste (was mehrdeutig ausgelegt werden muss) hat er schon in Kauf nehmen müssen, ab jetzt bleibt er alleine. Wirklich?
Insgesamt ein nettes Special und der Gegner als Schwarm gefräßiger Kreaturen, die per Wurmloch von Planet zu Planet ziehen, eine hübsche Idee. Es mutet zwar etwas komisch an, dass der Doctor nicht auf deren Vernichtung aus ist (immerhin kann man die Dinger gut mit anderen Bösewichten der Serie vergleichen, die auch eine Spur der Zerstörung hinterlassen, wo immer sie auftreten), andererseits hat er zumindest die kleine Reisegruppe und die Erde (vorerst) gerettet.

Bis zum 15. November 2009 mussten die Whovians anschließend warten, um das nächste Special – „The Waters of Mars“ (von Russell T. Davies und Phil Ford) – zu Gesicht zu bekommen. Dort landet der Doctor im Jahre 2059 (am 21. November, um genau zu sein) auf dem Mars und trifft auf die erste menschliche Kolonie dort, die sich kurz nach seiner Ankunft gewaltigen Problemen gegenüber sieht.

Ein Special, das sich durchaus sehen lassen kann. Der Fokus liegt hier eindeutig auf dem Doctor, der sich einem weiteren Dilemma gegenüber sieht: Er kann versuchen, die Kolonisten zu retten oder aber sich davon machen und den weiteren Verlauf der Zeit nicht beeinflussen, denn die Geschehnisse sind das, was er als einen „Fixpunkt“ bezeichnet. Aber fangen wir vorne an: Die ersten menschlichen Kolonisten auf dem Mars sind unter der Führung von Adelaide Brooke (Lindsay Duncan) dabei, sich auf dem Mars ein neues Zuhause zu schaffen. Umweltkatastrophen haben die Menschheit an den Rand der Auslöschung geführt (das Klima, Öl, Ozon, etc. werden erwähnt) und das Mars-Projekt ist damit der erste Versuch der Menschheit, außerhalb des eigenen Planeten Fuß zu fassen. Aber die (gefrorenen) Gewässer des Mars tragen ein Virus in sich, das das gesamte Unternehmen bedroht und ein wenig an „The Thing“ erinnert. Die Story an sich wäre schon spannend genug, um dem Zuschauer Gänsehaut zu verursachen, aber es geht hier nur am Rande um die eigentliche Bedrohung. Im Fokus stehen der Doctor und seine Entscheidung, ob er Hilfe leistet oder die Crew den Geschichtsbüchern überlässt.
Hier leisten die Autoren geradezu wundervolle Arbeit. Der Doctor will einfach nur weg, nachdem er erfahren hat, wo und wann er gerade ist. Für ihn sind die Ereignisse und vor allem der Tod von Adelaide ein Fixpunkt, der nicht verändert werden darf und so schmerzlich es auch ist, er sollte sich nicht einmischen. Dabei erklärt er Adelaide selbst, was ihr bevorsteht und dass es keinen Ausweg gibt, weder für sie noch für ihre Crew. Die Ereignisse hier werden ihre Nachkommen motivieren, die Erkundung des Weltraums fortzusetzen und damit die Menschheit in eine neue Ära führen. Für die ersten Dreiviertel der Folge möchte man dem Doctor dafür am liebsten in die Fresse hauen und schreien: „Hey, Doctor, warum bist Du überhaupt hier, wenn Du ohnehin nichts machst? Du sollst uns weiterhelfen, also mach’ gefälligst Deinen Job und rette die Marskolonie!“ – wie gesagt, der Moment der Entscheidung zieht sich lange hin. Aber ab Minute 48-49 hat der Doctor seine Entscheidung überdacht und greift ein, ein richtiger „Yes!“-Moment. Er zieht alle Register, um den verbleibenden drei Personen einen Ausweg per TARDIS zu verschaffen und zwar ohne den Verlauf der Geschichte zu beeinflussen (naja, fast). Ood Sigma erhält nun endlich einen weiteren Auftritt und darf den Doctor erneut auf sein Schicksal aufmerksam machen. Aber Sätze wie „The laws of time are mine. And they will obey me!” zeigen schon, dass der Doctor sich dem Schicksal nicht fügen will. So verhindert er auch vorerst, dass die Prophezeiung von Carmen mit den „four knocks“ aufgeht. Man darf an dieser Stelle gespannt sein, wie es mit dem Doctor weiter geht.
Abgesehen von der eigentlichen Geschichte gab es natürlich auch jede Menge Referenzen auf alte Folgen. Adelaide entpuppt sich z.B. als das Mädchen, was den Daleks im Staffelfinale („The Stolen Earth“) entkam, weil der Dalek sie als einen Fixpunkt ausgemacht hatte. Außerdem werden die Ice Warrior mehrfach vom Doctor erwähnt, wobei man sich durchaus wundern kann, dass sie keinen Auftritt hatten, zumal der Mars ihre Heimat ist. Aber gut, der Doctor erwähnt sie mehrfach und die Transformation der „Wasser-Opfer“ liefert eine merkwürdige Ähnlichkeit im Mundbereich, der an die Ice Warrior erinnert. Weitere Anekdoten beziehen sich auf die unveränderlichen Fixpunkte und auf „The Fires of Pompeii“. Abseits davon sieht der Doctor sich hier einem eigenen „Gottes-Komplex“ gegenüber und scheint dem auch nachzugehen. Sein Verhalten oder besser gesagt, sein Eingreifen hier, deutet jedenfalls darauf hin.
Dieses Special heimste übrigens einen Hugo Award ein.

The Doctor returns

Als nächstes Special könnte nun „Dreamland“ (November/Dezember 2009) aufgeführt werden, was sich nach „Scream of Shalka“ (zum 40. Jubiläum gesendet) und „The Infinite Quest“ (in 2007 gesendet) einfügen würde. Aber die animierten Folgen lasse ich jetzt mal außen vor. Es bieten sich dort natürlich mehr Möglichkeiten, die das normale Serienbudget nicht zulassen und u.a. hat David Tennant seine Stimme für die letzten beiden animierten Projekte zur Verfügung gestellt, aber hier geht es um die „echte Serie“ und nicht um animierte Folgen, Hörbücher oder Bücher. Wenn ich da alles mit einbeziehen wollte, wäre ich an dieser Stelle noch nicht soweit…

Daher geht es nun weiter mit dem Doppel-Special „The End of Time“ (von Russel T. Davies), was am 25.12.2009 und am 01.01.2010 ausgestrahlt wurde und 60 + 75 Minuten umfasst. Nach einem Treffen mit den Ood weiß der Doctor, dass der Master (John Simm) einen Weg zurück aus dem Grab gefunden hat. Aber der Master liefert nur den Auftakt zu einer noch größeren Gefahr, die sich am Ende des ersten Teils offenbart: Die Timelords kehren unter der Führung ihres Präsidenten Rassilon (Timothy Dalton) zurück und drohen, dass Timelock damit außer Kraft zu setzen, was eine Fortsetzung des Timewars und das titelgebende Ende der Zeit bedeutet. Als Begleitung wird dem Doctor Wilfred (Bernard Cribbins) zur Seite gestellt, der ebenfalls ein Teil der Prophezeiung ist, die Ood Sigma und Carmen dem Doctor zuvor vermittelt haben: Seine Zeit als zehnter Doctor nähert sich unaufhaltsam dem Ende und er hat alle Hände voll zu tun, erneut die Menschheit und das Universum zu retten.

Die Abschlussvorstellung des zehnten Doctors und die letzte Geschichte, die Russell T. Davies hier den Zuschauern spendiert (ab der nächsten Staffel übernimmt Steven Moffat das Showrunner-Ruder bei Doctor Who), kann sich sehen lassen. Nachdem die Daleks im Staffelfinale ihren vorerst letzten Auftritt hatten und die Cybermen in „The Next Doctor“ noch einmal auftauchten, kommt nun der Master zurück. Seine Rückkehr wurde bereits am Ende von „Last of the Time Lords“ angedeutet und die Figur hat nichts an Verrücktheit und Wahnsinn verloren. Seine Wiederauferstehung verlief zwar nicht ganz fehlerfrei (und die Rani entpuppt sich leider nicht als die ringauflesende Besitzerin der Hand), was seiner ehemaligen Frau Lucy (Alexandra Moen) zu verdanken ist, aber er wäre nicht der Master, wenn er nicht einen Weg aus seiner misslichen Lage finden würde: In diesem Fall gelingt es ihm dank Joshua Naismith (David Harewood), an außerirdische Technologie heran zu kommen, mit der er die gesamte Menschheit in sein Ebenbild verwandelt (ausgenommen Wilfred, der vom Doctor geschützt wird und Donna (Catherine Tate), die dank des Doctors nicht mehr komplett menschlich ist). Aber das Trommeln hat der Master immer noch in seinem Kopf und ist ein durchgehendes Thema von „The End of Time“.
Im Verlauf des Specials gibt es immer wieder Rückblenden nach Gallifrey, wo sich die Timelords bewusst sind, dass sie den Timewar nicht überleben werden. Rassilon sucht nach einem Ausweg und bekommt den schließlich aufgezeigt: Sie implantieren das Trommeln im Kopf des Masters und schaffen damit einen ersten Link zu einem der beiden Timelords, die den Timewar überlebt haben / überleben werden – nebenbei erklärt sich damit der Wahnsinn des Masters und wo dieser seine Ursache findet: Bei den Timelords. Als physikalischen Link lässt Rassilon einen Diamanten zur Erde gelangen und dem Master gelingt es damit, die Timelords aus dem Timelock zu befreien. Er verfolgt natürlich eigene Pläne damit und will sich anschließend auch durch die außerirdische Maschinerie in alle Timelords transferieren. Der große Showdown zwischen dem Doctor, Rassilon und dem Master stellt alle Parteien auf die Probe und zur Verwunderung des Doctors bleibt er am Ende alleine übrig, während der Master samt Timelords und Gallifrey zurück ins Timelock geschickt wird.
Insgesamt wirkt die Geschichte auf den ersten Blick recht wirr, ergibt aber bei näherer Betrachtung durchaus Sinn und dürfte das Schicksal der Timelords inklusive Master endgültig besiegeln – solange jedenfalls, bis ein anderer Autor auf die Idee kommt, wieder in den Timewar einzugreifen und die Figuren zurück zu holen.
Für den Doctor scheint zunächst alles in Ordnung zu sein, bis er das Klopfen von Wilfred vernimmt. Hätte der alte Mann sich nicht in die Kammer begeben, wäre alles so einfach gewesen, aber so erfüllt sich die Prophezeiung vom Ende des zehnten Doctors doch noch und er nimmt Wilfreds Platz in der Kammer ein, die kurz darauf mit tödlicher Strahlung geflutet wird. Erwähnenswert ist auch die mysteriöse Frau (Claire Bloom), die Wilfred von Zeit zu Zeit erscheint und ihm Hinweise gibt, wie er den Doctor retten kann. Sie kommt später auch mit den Timelords zur Erde. Soll sie vielleicht die Mutter des Doctors sein? Es würde Sinn machen, aber auch andere Rollen wie z.B. Romana aus der alten Serie oder die Mutter von Susan Foreman wären denkbar für die Figur.
Die letzte Viertelstunde des Specials widmet sich der Abschiednahme des Doctor von seinen ehemaligen Gefährten und drückt dabei kräftig auf die Tränendrüse des Zuschauers. Martha Jones (Freema Agyeman), Mickey Smith (Noel Clarke), Luke (Tommy Knight) und Sarah Jane Smith (Elisabeth Sladen), Jack Harkness (John Barrowman), Alonso aus „Voyage of the Damned“ (Russel Tovey), auch Verity Newman (Jessica Hynes), die Urenkelin von Joan Redfern aus „Human Nature“ / „Family of Blood“, in die der menschliche Doctor sich verliebt hatte, kommt vor. Und Jackie (Camille Coduri) und Rose Tyler (Billie Piper) dürfen natürlich auch nicht fehlen (hier wird etwas getrickst, der Doctor besucht die beiden in der Neujahrsnacht 2005). Zuletzt taucht der Doctor bei Donnas Hochzeit auf, um auch von Wilfred endgültig Abschied zu nehmen – wenn auch nicht für immer, aber er wird wohl anders aussehen, wenn er Wilfred nächstes Mal besucht. Erwähnenswert wäre außerdem noch ein Satz vom Anfang des Specials als Queen Elizabeth („The Virgin Queen“ ist übrigens ihr Spitzname) vom Doctor als „Good Queen Bess“ bezeichnet wird und er sich scheinbar nach seiner Hochzeit mit ihr aus dem Staub gemacht hat – wir erhalten also noch eine Erklärung für den Zorn der Königin in „The Shakespeare Code“. Vielleicht noch ein Wort zu den Kaktus-Aliens: Dabei kam kurzzeitig die Erinnerung an „Meglos“ (1980, vierter Doctor) hoch, wo ein echter Kaktus eine Rolle bekam.
Der Abschied fällt natürlich am Ende schwer und so gibt auch der Doctor ein „I don’t wanna go.“ von sich, bevor er regeneriert. Aber wie Ood Sigma schon sagte: „This song is ending, but the story never ends.“ Und so darf man sich nun auf Matt Smith als elften Doctor freuen, dessen erste Sekunden recht amüsant in Szene gesetzt wurden.

Noch ein paar abschließende Bemerkungen zum vierten Doctor: David Tennant hat sich mit den drei Staffeln und vielen Specials in die Herzen der Fans gespielt. Sein Doctor hat stets einen lockeren Eindruck gemacht und viele Phrasen und Schlagworte parat gehabt. Sehr gesprächsfreudig und offen kommt der zehnte Timelord daher, wobei zeitweise auch sehr ernste Momente dabei waren und er auch eine grausame Seite zum Vorschein bringen kann. Das harte Los, am Ende doch wieder alleine zu sein und auf weitere Begleitung zu verzichten, hat nicht nur die Figur sondern auch den Zuschauer mitgenommen und der Abschied fällt schwer. Matt Smith tritt damit in große Fußstapfen und dürfte nun noch kritischer beäugt werden als es bei Tennant damals der Fall war nachdem er Eccleston abgelöst hat.

So, das war das Ende der Tennant Ära. Hat ein bisschen länger gedauert, sich durch seine Abschlussvorstellung zu arbeiten. Aber es macht immer wieder Spaß, sich die Folgen anzusehen. Falls ich mich entscheiden müsste, wäre wohl von den Geschichten her die 29. bzw. dritte Staffel mein Liebling. Aber nur sehr knapp, denn hier in der 30. bzw. vierten Staffel stechen vor allem das Staffelfinale und die letzten Specials deutlich aus allem anderen hervor.

Danke an Clive77 für die Erlaubnis der Veröffentlichung. Originalpost bei Bereitsgesehen.de

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